Donnerstag, 7. Oktober 2010

Frank Wildhorn & Friends

Die Organisatoren „Pomp Duck and Circumstance“ schreiben auf dem Programmheft, dass es sich bei „Frank Wildhorn & Friends“ um das „Musicalkonzert der Saison“ handelt. Dem kann ich nicht nur zustimmen, sondern ich erweitere die Phrase und meine, dass es „das beste Musicalkonzert der letzten Jahre“ in Wien war. Wer Wildhorn mag war an diesem Abend jedenfalls an der richtigen Stelle. Ausverkauft war das Raimund Theater leider nicht, das liegt aber sicherlich nicht am Angebot. Die Nachfrage wurde nämlich nicht wirklich zugelassen, es fehlte die Werbung. Ein paar Flyer in den VBW-Theatern und ein, zwei Plakate (ja, ich habe eines gesehen – in Hietzing) genügen nicht. Restkarten gab es zuhauf, denn trotz der Umwandlung einiger Preiskategorien konnte das Theater nicht ganz gefüllt werden. Der Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch - wer dort sein wollte, um einen wunderbaren Komponisten und einige seiner Freunde zu erleben, der war dort. Deswegen hatte das Konzert auch irgendwie einen intimen Touch. Die Atmospäre war locker und angenehm, nicht zuletzt wegen der sympathischen Intros von Frank Wildhorn persönlich. Dieser hatte am Klavier Platz genommen und begleitete seine Künstler durch den Abend.

Das Orchester der VBW kann etwas, das wusste ich schon, aber wie gut es wirklich ist, hat man erst an diesem Abend gemerkt. Der Sound, der hier unter der Leitung von Koen Schoots, entstanden ist, war einfach nur bezaubernd.

Die Solisten des Abends waren drei wunderbare Darsteller, Thomas Borchert, Pia Douwes und Linda Eder. Das Programm klang ganz vielversprechend, alte Hits und neue Songs, mit Hit-Potential. So gab es ein bisschen Monte Christo, ein bisschen Jekyll und Dracula, Rudolf, Carmen und Neues aus Wonderland und Bonnie & Clyde. Eine bunte Mischung. Zwischendrin dann auch „Where do broken hearts go?“, ein Song, den ich sehr gern habe, aber vor diesem Abend nicht wusste, dass Wildhorn ihn komponiert hat, und „Gold“, ein Song aus „Camille Claudel“, der auch bei den Winter Olympics 2002 seine Verwendung fand.

Der erste Akt schloss mit einem Swing Medley und als Zuschauer konnte man gar nicht besser in die Pause geschickt werden. Einziger kleiner Kritikpunkt: „Something More“ (Rudolf) von Linda Eder und Thomas Borchert, weil es irgendwie nicht recht wollte. Große Stimmen, keine Frage, aber hier hat das Gefühl gefehlt. Trotzdem habe ich mich an die Zeit zurückgesehnt, als statt Matrosen noch Rudolf und Mary im Raimund Theater spielen durften. Wer an Wildhorns Kompositionen gezweifelt hat, der wird eines Besseren belehrt, denn er ist ein Meister der großen Melodien. Vor allem die Balladen überzeugen immer wieder. Der Einsatz des vollen Orchesters macht einfach etwas aus und die Orchestrierung von Schoots fügt sich perfekt ein.

Während der zweite Akt mit „Viva“ aus Carmen feurig begann und danach Wildhorn persönlich „Living in the Shadows“ (Victor/Victoria) anstimmte, fragte man sich vielleicht schon, ob Linda Eder denn „Vienna“ als Zugabe singen würde, immerhin stand sie in Wien auf der Bühne. Als sie es dann sang, breitete sich im Theater eine ganz eigene Stimmung aus. Man spürte Eders Emotionen in jedem Wort. Den Song widmete sie ihrem Vater und ihrer Familie und am Ende standen nicht nur Linda Eder die Tränen in den Augen. Eine Verbundenheit war im Raum und ich bin mir sicher, dass viele das spüren konnten.

„This is the moment“ und „Finding Wonderland“ bereiteten die Zuschauer auf dieses Erlebnis vor. Borchert und Douwes brachten ihre beeindruckenden Performances zu einem schönen Schluss und zogen das Publikum in ihren Bann. Beide zeigten an diesem Abend ihre unglaubliche Wandlungsfähigkeit und Bandbreite – ein Genuss.

Besonders war der Abend auch schon deswegen, weil Eder und Wildhorn wieder gemeinsam auf der Bühne standen – in einem Fernsehinterview meinte Wildhorn, dass es auch ein ganz besonderer Moment für den gemeinsamen Sohn Jake sei. „Frank Wildhorn & Friends“ war gefüllt mit Momenten, die mir als Zuschauer sicher lange in Erinnerung bleiben. Gespannt bin ich auch auf CD und DVD dieses Konzerts.

Berichte über dieses Konzert findet ihr auch hier:
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