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Sonntag, 12. August 2012

Titanic - Felsenbühne Staatz


Mein neues Lieblingsmusical ist „Titanic“ nicht. Die CD habe ich schon etwas länger im Regal stehen, aber wirklich oft gehört habe ich sie nicht – irgendwie greift da bei mir wenig. Die großen Ensemblenummern sind toll, wiederholen sich aber, die Schnulzsongs dazwischen, teilweise viel zu kitschig. Wie dieses Musical 1997 fünf Tony Awards (u.a. Best Musical) gewinnen konnte bleibt mir ein Rätsel!

Dennoch bin ich froh, dass ich diesen Sommer die Möglichkeit hatte „Titanic“ live in Staatz zu sehen. Das Bühnenbild ist imposant und die Felsenbühne ideal für den Schauplatz des Stücks. Sogar einen „realen“ Eisberg sieht man da vor sich.
Genau hundert Jahre nach dem schrecklichen Unglück der „unsinkbaren Stadt auf dem Meer“ ist die Geschichte immer noch tragisch und aktuell – das klar zu machen, schafft das Musical allerdings. Viel mehr nicht, aber vielleicht war genau das die einzige Intention.

Tiefgang sucht man vergebens, keiner der Charaktere hat die Chance wirklich hervorzutreten, „mehrdimensional“ zu werden. Nur die „Titanic“ selbst ist wirklicher Protagonist - sie ist Schauplatz, Hauptdarstellerin, Zentrum.
In Staatz setzt man wie eh und je auf junge Musicalstudenten und –absolventen. Hier kann man sehen, was die Zukunft bringt. In diesem Musical ist das aber leider etwas schwer, denn die Figuren lassen nicht viel Raum, allerdings müssen einige Herausforderungen bewältigt werden:  

-       Was die Menschen in diesem Musical angeht, kommt leider vieles zu kurz. Als Darsteller muss ich mit dem Wenigen arbeiten, das mir hier zur Verfügung steht und meinen Charakter in wenigen Worten, Gesten, etc. bestmöglich herausarbeiten

-        Dann kommt der Faktor der Freilichtbühne hinzu, die Zuschauer sind alle weit weg. Mimik und Ausdruck in Augen etc. hat also wenig bis keine Wirkung – heißt: ich muss alles über meine Stimme und die Bewegung erzählen.
Einige meistern diese Herausforderungen, werden aber trotzdem immer wieder vom Stück erdrückt – ich empfinde es jedenfalls so. Mir fehlt der Raum für die Charaktere, mir fehlen die Menschen. Vielleicht ist es aber einfach nur nicht „my kind of musical“.

Die Tragödie wird erzählt, dazwischen erfährt man etwas über die unterschiedlichen Passagiere der Titanic, gerade so viel um am Ende betroffen zu sein. Das gelingt auch in Staatz. Die Stage- und Toneffekte sind perfekt eingesetzt, um den Untergang des Schiffs direkt vor sich miterleben zu können. Am Ende: Lichterkreuze für die Opfer – ein wunderschönes Bild.
Wenn man sich wenigstens mehr auf die paar Charaktere konzentriert hätte, die am „zuänglichsten“ erscheinen, weil man sich mit ihnen identifizieren könnte. Ob dann die meisten anderen nur „angeschnitten“ werden, wäre dann wahrscheinlich egal. Gerade Offizier Murdoch, Funker Bride, Heizer Barrett und dritte Klasse Passagier Kate (u.a.) hätten etwas mehr „Ausarbeitung“ vertragen – das sind (für mich) die Charaktere, die mich noch mehr in die Geschichte ziehen würden.

Johannes Nepomuk, Oliver Liebl, Philipp Büttner und Caroline Zins schaffen es jedoch diese Charaktere zum Leben zu erwecken, und zwar so, dass man gerne mehr von ihnen erfahren würde – doch leider steht ihnen da das Stück selbst im Weg.
Die Lacher hat Tanja Petrasek auf ihrer Seite. Als Alice Beane, Passagierin der 2. Klasse, die sich gern unter die Reichen und Schönen mischt, oder diese zumindest mit einem Fernglas leidenschaftlich gerne beobachtet. Mit ihrem „gschaftigen“ Gang und ihrer Körpersprache positioniert sie ihre Figur gleich von Anfang an perfekt. Rupert Preißler steht ihr als Ehemann Edgar zur Seite und auch er vermag es seinen Charakter bestmöglich darzustellen. Man kauft ihm ab, dass er seine Frau sehr liebt – auch wenn sie unglaublich anstrengend ist und ihm sicher oft auf die Nerven geht. Beide harmonieren sehr gut miteinander, es ist eine Freude ihnen zuzusehen!

Michael Konicek, Manuel Heuser, Philipp Dürnberger, Steven Klopp, Alixa Kalaß, Angelina Nigischer-Traxler und Nico Schweers spielen ebenfalls mit Pathos, stoßen aber immer wieder an die Grenzen des Stücks, das einfach nicht mehr zulässt.
Auch Werner Auer als Schiffsarchitekt Andrews und C.A. Fath als Kapitän machen sich ebenfalls gut in ihren Rollen, beide sind sehr präsent.

Was leider das Gesamtbild stört – wenn man jetzt ins Detail geht: der aufgemalte six pack von Barrett (wenn schon gemalt, dann etwas naturalistischer bitte!), die Perücken der irischen Frauen – Caroline Zins, Alexandra Kloiber und Karolin Konert mussten mit roten Perücken herumlaufen, die einfach nur „aufgesetzt" und falsch wirken (nicht alle Iren haben rote Haare, da hätte man ruhig die Darstellerinnen mit ihrer natürlichen Haarpracht spielen lassen sollen) und die „schwangere“ 1. Klasse-Passagierin, die Champagner ohne Ende säuft und das Tanzbein in die Lüfte schwingt – wenn das bewusst so inszeniert wurde, kommt der Joke nicht bei mir an (da hätte mir die gezwungenermaßen trockene, beim Tanzen einfach nicht mehr mitkommende Schwangere besser gefallen – auch das kann man lustig in Szene setzen…).
Gestern war Derniere in Staatz und auch sicher wieder bis auf den letzten Platz ausverkauft. Nächstes Jahr ist „Disney’s Die Schöne und das Biest“ dran und ich freue mich darauf!

Nächsten Dienstag gibt es übrigens eine Musical-Gala auf der Felsenbühne. „Musical unter Sternen“, am 14. August, um 20 Uhr. Tickets kosten 27 Euro. Infos HIER.
*Photo by Harald Schillhammer via

Sonntag, 29. Juli 2012

A Chorus Line - Stockerau

"A Chorus Line" ist ein würdiges Ende der Musicalära in Stockerau. Es ist eines DER Musicals und deswegen gerade passend. Es erfordert Höchstleistung der Darsteller, denn es ist mehr als ein "Tanzmusical". Mit einer Handgeste wird es manchmal in die Ecke der Dancemusicals geschickt, dabei unterscheidet es sich vor allem durch die Schauspielkomponente von den anderen. Nicht umsonst hat Chorus Line einen Pulitzer Preis für das beste Drama bekommen - hier geht es eigentlich nur zweitrangig um das Tanzen, der Mittelpunkt sind die Menschen hinter der Fassade des Chorus.

Wenn es also um Menschen geht heißt das, dass man sich der Natürlichkeit in der Darstellung verpflichten sollte, eigentlich muss. Man muss einen Teil von sich selbst öffnen, denn als Darsteller in dieser Show ist man bis zu einem gewissen Grad immer auch selbst betroffen. Man sollte seine eigene Verletzlichkeit mit der Verletzlichkeit des Charakters zusammenbringen, dann gelingt das Stück in all seinen Nuancen. Dazu braucht es ein starkes Ensemble mit Tänzern, die mindestens ebenso gut schauspielen können wie tanzen...und das ist selten und deswegen stellt sich die Frage, ob denn Schauspieler, die gut tanzen können nicht die bessere Wahl wären - wenn man zur Wahl gezwungen wird, weil das "Angebot" fehlt.

In Stockerau hat man einen bunten Nationen-Mix zusammengestellt, der "echten" Chorus Line nahekommend. Das ist definitv ein Pluspunkt, bis zu den Sequenzen, wo das Publikum nicht mehr weiterkann, weil es einfach nichts versteht. Und daran ist nicht die mittelmäßige Akustik Schuld, sondern die Undeutlichkeit der Aussprache. Auch wenn ein Akzent da ist, das Publikum muss immer verstehen. Versteht es nicht, kann es nicht in die Geschichte einsteigen, es bleibt Beobachter und abgegrenzt von den Menschen auf der Bühne (da hilft gutes Aussehen auch nicht mehr weiter). Schlechte Schauspielleistung ist wieder ein anderer Faktor, der Ähnliches hervorruft. Gelingt es den Darstellern nicht, ehrlich zu spielen, dann geht die Verbindung zu den Zuschauern verloren und "A Chorus Line" tanzt an einem vorbei. Nichts mehr bleibt vom berührenden Seelenstriptease, den die Charaktere der Reihe nach vollziehen, übrig nur ein bisschen beeindruckendes Getanze und der penetrante "One"-Ohrwurm - zusammenfassend: ein Tanzmusical, das man getrost in die Ecke zu den anderen schieben kann.

"A Chorus Line" in Stockerau ist gemischtes Pflaster. Da gibt es Szenen, die fesseln, aber auch Szenen, die vorbeiziehen ohne dass man irgendwie damit in Verbindung getreten ist. Schuld daran meistens, ja, die mangelnde Schauspielleistung. Da weiß man wieder warum das Schausspiel im Musical oft belächelt wird. Leider.
Nehmen wir zum Beispiel Nina Tatzber. "Nothing" hat in sofern seinen Zweck erfüllt, dass auch ich nothing gespürt habe. Es war einfach nichts da. Eigentlich sollte Wut spürbar sein, innere Leere, Kränkung, etc. - je nach dem wie man es auslegen möchte, aber irgendetwas muss transportiert werden. Dazu kam dann auch noch stimmliche Eintönigkeit, die bei einem Song, der sowieso schon wenig Variation zulässt, noch mehr weh tut. Das rollende "r" in der letzten Passage als Rettungsanker, um die puertorikanische Diana nicht ganz zu verlieren, wirkte einfallslos und unpassend - wenn Akzent, dann durchgehend. Vielleicht war einfach zu wenig Probenzeit, um an alledem zu arbeiten, kann sein, aber leider geht mit dieser Performance ein wichtiger Teil des Stücks den Bach hinunter.

Wer sich seine Rolle gut erarbeitet hat ist u.a. Peter Knauder als Paul. Zunächst denkt man sich noch "äh?" - merkt man aber wie sehr man plötzlich in seine Geschichte hineingezogen wurde, plötzlich "ah!". Wenn man spürt, dass da eine Verbindung zwischen einem selbst und dem Charakter auf der Bühne entstanden ist, weiß man worum es in Chorus Line geht. Da sind Menschen auf der Bühne, die es lieben zu tanzen. Sie tanzen für ihr eigenes Leben und um ihr eigenes Leben, um es in die Chorus Line zu schaffen. Jeder hat seine Geschichte und zum ersten Mal bekommen sie Raum diese auch zu erzählen. Es gibt jemanden, den es interessiert, wer sie wirklich sind.
"A Chorus Line" spricht damit auch irgendwie ein Paradoxon des Theaters an. Auch wenn es immer um das Mensch-sein geht, so manch "Theatermensch" versteckt sich oft hinter Oberflächlichkeiten, bevor er etwas von sich selbst preisgibt.

Choreograph/Regisseur Zach (Alfons Haider) geht allerdings ungewohnte Wege, indem er die Tänzer bittet, etwas Persönliches von sich mit ihm zu teilen - und auch wenn es viele nicht in die achtköpfige Chorus Line schaffen, diese wenigen Stunden haben einige weitergebracht. Haider humpelte verletzungsbedingt mit Krücken über die Bühne und in den Gängen des Zuschauerraums; ab und zu schmerzverzerrt, aber nur wenn der Spot ihn gerade nicht getroffen hat. Er hat sich tapfer geschlagen! Sonst spielt er den Zach sehr human, außer wenn es um seine Verflossene Cassie geht, dann kann er auch einmal anders und man möchte ihm am liebsten an die Gurgel springen.

Sabrina Harper als Cassie ist ideal besetzt. Sie hat Ausstrahlung, sie kann schauspielen und tanzt so einnehmend, dass man bei ihrem Solo kein Auge von ihr lassen kann. Schade, dass nicht sie die Hauptstimme in "What I did for Love" gesungen hat - diese Freiheit hätte man sich vielleicht herausnehmen können.

Hervorzuheben sind auch Martin Niedermair und Morten Daugaard. Beide beeindrucken in ihren - wenn auch kleineren - Rollen und zeigen wie man gekonnt eine Beziehung zum Publikum herstellt. Aber auch Bettina Mönch und Ines Hengl-Pirker enttäuschen nicht. Sophia Gorgi überzeugt, wie auch schon in "Leben ohne Chris", mit ihrer angenehmen Stimme und starken Ausdruckskraft!

Regie führte Original Cast Member Mitzi Hamilton. Bemerkenswert wie lange schon auf der Bühne agiert wird und das Publikum einfach immer noch nicht begriffen hat, dass da etwas passiert. Dafür klatscht es immer wieder fleißig, auch ab und zu unpassend, Szenenapplaus. Ein ganz besonderer Moment entsteht, wenn Tänzer Paul sich verletzt und ins Krankenhaus muss. Die anderen bleiben betroffen zurück. Alle schweigen. Hamilton hat hier genau das richtige Maß getroffen - als Zuschauer hat man hier die Möglichkeit nur zu spüren und genau in diesem Moment merkt man, was gelungenes Schauspiel vermag, auch ohne Worte.

Kurz nach Pausenende meinte dann eine Dame hinter mir: "Gleich wird es fetziger!" - tja, eigentlich nicht so sehr, aber darum geht es in Chorus Line nicht. Bis auf "One" erzählt das Stück vor sich hin, einmal mehr und einmal weniger griffig - da kommt es nun mal wirklich darauf an, was die Darsteller auf der Bühne transportieren können. Alles in allem hat Stockerau dieses Jahr eine gute Produktion zu bieten, interessant wäre es sicher auch die Zweitbesetzungen zu erleben, wie z.B. Timo Verse als Paul. Eine kurze Reise ist es auf jeden Fall wert!

"A Chorus Line" ist noch bis 18. August, jeweils Di-Sa um 20h, in Stockerau zu sehen. Tickets und andere Informationen findet man HIER.

*Image: Ilse Lahofer via

Montag, 8. August 2011

AIDA - Felsenbühne Staatz

AIDA ist alleine schon wegen der Musik sehenswert. Elton John hat hier Melodien und Harmonien entworfen, die einen nicht loslassen – von „Durch das Dunkel der Welt“ über „Die Sonne Nubiens“ bis hin zu „Einen Schritt zu weit“ und „Die Wahrheit“. Ein toller Song folgt auf den anderen. Dieses Jahr wieder nach Staatz zu fahren war also eine ausgemachte Sache für mich.
Die Inszenierung auf der Felsenbühne lebt von den Ensembleszenen und einer großartigen Hauptdarstellerin. Charlotte Thompson als nubische Prinzessin Aida hat die Sympathien sofort auf ihrer Seite und singt ihre Partie sehr sicher. Auch schauspielerisch liefert sie eine gute Leistung ab und führt durch das Musical mit Gefühl und als starke Persönlichkeit. Ihr zur Seite steht Patrick Schenk als Radames. Er bemüht sich, hat aber das ganze Stück hindurch Höhen und Tiefen – sowohl im Gesang, als auch in seinem Spiel und wirkt etwas farblos. „Radames‘ Brief“ als Liebeserklärung geht da leider etwas unter, da es Schenk nicht ganz schafft die Gefühle in seiner Stimme zu transportieren, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl wäre an diese Stelle nicht schlecht gewesen. Doch zum Finale der Show gewinnt Radames wieder und stirbt einen tragischen Tod. Dem Liebespaar gegenüber steht Amneris, Tochter des Pharao und Verlobte von Radames - eine Rolle, in die man viel einbringen kann. Amneris macht im Laufe des Musicals eine große Entwicklung durch – die Darstellerin muss den Bogen von einem versnobten Prinzesschen, dessen einziges Ziel es ist gut auszusehen, zur mitfühlenden, starken Frau mit gebrochenen Herzen spielen können. Es ist kein leichter Part, denn man muss die Grenzen austesten und sie finden – sei es nun um die Sympathien des Publikums zu gewinnen oder die Glaubwürdigkeit zu bewahren. Elisabeth Sikora schafft dies leider nicht immer, auch ihre Leistung ist durchwachsen. Zu dumm – statt naiv dümmlich – ist mit die anfängliche Amneris, zu aufgesetzt und übertrieben. Die Pointen passen ab und zu aber doch und ihr Solo „Die Wahrheit“ überzeugt. Ihre Stimme harmoniert zudem sehr gut mit der von Charlotte Thompson.

Sympathisch und gerissen gibt Christof Messner Mereb, den nubischen Kammerdiener Radames‘, und stirbt einen überzeugenden Bühnentod. Schade, dass Mereb nicht mehr zu singen hat, Messners Stimme würde man gerne länger zuhören. Alice Macura als Nehebka spielt ihre Rolle gut, bleibt jedoch etwas zurückhaltend. Werner Auer als Zoser liefert eine passable Leistung ab.

Die Felsenbühne wurde gut in einen ägyptischen Palast verwandelt und ermöglicht mit einer Bühnenschräge sowohl einen Catwalk für „Ein Sinn für Stil“ als auch eine Grabkammer für das traurige Ende der Geschichte (Jack Hamal). Zu den Kostümen (Inge Föderler und Brigitte Hamal) gibt es zu sagen, dass die Sklaven besser angezogen sind als der Rest. Die bunten, afrikanischen Kostüme sind kreativ und schön, auch Aida steht das fliederfarbene Kleid ausgezeichnet. Merebs erstes Ensemble ist etwas gewöhnungsbedürftig, man hätte Messner gleich in seinem zweiten Kostüm spielen lassen sollen – Authentizität hin oder her. Das ägyptische Heer in violettem Lederimitat – da gibt es sicher bessere Lösungen. Amneris Kostüme wirken ab und zu etwas billig, funktionieren aber im Großen und Ganzen. Über kleinere Dinge lässt sich hinwegsehen, bei der Fashion Show bei „Mein Sinn für Stil“ sollte man sich aber überlegen die Augen zu schließen, zu viel Kinderfasching, wenig schönes Kreatives ist hier dabei. Allein ein blaues Kleid gefällt, warum ist man nicht bei jedem „Model“ bei einer Farbfamilie geblieben? Hier hätte die Kostümabteilung wirklich die Möglichkeit aufzutrumpfen und verpasst sie.

Aida in Staatz überzeugt in Szenen wie „Die Sonne Nubiens“, in denen das junge Ensemble alles gibt. Wenn das große Ensemble die Bühne bevölkert ist etwas los, sei es nun im Gefängnis, am Marktplatz oder am Nil beim Wäschewaschen. Hier entstehen schöne Bilder und Stimmungen. Wenn jedoch die Hauptdarsteller die Bühne alleine beherrschen sollen, kommt es hin und wieder zu Spannungsverlust – auch wenn Aida und Radames‘ Duette den Raum ganz gut füllen ist nicht immer viel zu spüren. Aber wie gesagt, schon alleine wegen der Musik ist AIDA einen Besuch wert.

Wer noch einen Ausflug nach Staatz plant, der sollte sich beeilen, gespielt wird nur noch diesen Donnerstag bis Samstag (Derniere). Tickets gibt es – wenn man Glück hat - noch über Ö-Ticket oder an der Abendkassa.

Nächstes Jahr wird übrigens Maury Alan Yestons TITANIC aufgeführt...
LINKS:

- Felsenbühne Staatz
- Kritik 3 Musketiere - Felsenbühne Staatz

Freitag, 22. Juli 2011

Festspiele Gutenstein: Egon Schiele - Das Musical

Dieses Jahr war es an der Zeit für mich den Festspielen Gutenstein einen Besuch abzustatten. Das Festival „rühmt“ sich in den letzten Jahren mit Musical-Uraufführungen, doch bis jetzt habe ich es nicht geschafft, mir selbst einen Eindruck zu verschaffen. Seit gestern bin ich allerdings der Meinung nicht viel verpasst zu haben, denn was dort geboten wurde, dafür ist es fast schade Geld auszugeben.
So dachten sich das anscheinend einige. Das Theaterzelt war in den ersten Reihen gefüllt – Regiekarten der Schauspieler, der Rest des Publikums staute sich in den letzten Reihen - die Sitzplätze mit Kartenpreisen, die für Sommertheater angebracht und erschwinglich sind – 30 bis 40 Euro. Mehr zahle ich nur in Ausnahmefällen und dann für Produktionen mit Garantie für gute Unterhaltung. Dann allerdings auch gerne.

Egon Schiele – Das Musical. Ich habe eine Vorliebe für Geschichten von „verschrobenen“ Menschen, „anderen“ Menschen, „Knallköpfen“ wie Schiele einer war, deswegen schien mir das Thema grundsätzlich ganz interessant – doch wie wird es umgesetzt? …da kommen wir schon zum ersten Kritikpunkt. Die Idee eine Verbindung zwischen heutiger und damaliger Welt zu schaffen hat ihren Reiz und ist eigentlich gar nicht schlecht…

Die Story. Museums-Security Julian übernimmt bei einer Egon-Schiele-Ausstellung den Nachtdienst und tritt in Kontakt mit Schieles Welt. Muse und Weggefährtin Schieles, Wally Neuzil, nimmt mit ihm Kontakt auf. Sie kann nicht ruhen bis sie von Egon eine Antwort auf ihre Frage bekommen hat. Julian wird zu Egon und in die Welt des Künstlers gezogen. Szenen aus dem Künstlerleben mischen sich mit Szenen aus Julians Alltag bis es anscheinend keinen Weg zurückgibt und Julian sich als Egon im Jenseits verfängt. Er wird für verrückt erklärt, doch Kuratorin Sarah Schumann und Julians Mitbewohner Peter wollen ihm helfen und versuchen zu verstehen. Sie glauben an die Rückführung und das Mysterium, glauben, dass Julian Egon Schiele gewesen sein kann und versuchen ihn in die reale Welt zurück zu holen. Zum Schluss gelingt dies. Julian stirbt als Schiele mit 28 Jahren an der spanischen Grippe, doch mit Hilfe seiner Freunde wird er wieder zum Leben erweckt. Sarah bittet Wally ihn loszulassen, Wally bekommt die Antwort auf die Frage und haucht Julian wieder Leben ein. Dieser fällt Sarah in die Arme und beteuert seine Liebe zu Wally, dem Leben und dem Tod.

Die Gundzüge des Buches sind durchaus brauchbar. Das Buch selbst eine Katastrophe. Bruchstücke, die sich einfach nicht aneinanderfügen wollen, Dialoge, die nicht funktionieren, weil steif und aufgesetzt. Die Story nicht gut ausgearbeitet, Sprünge, die viel zu viel wollen und keinen Sinn ergeben. Szenen, bei denen man sich fragt, was die hier verloren haben (Bsp.: „Für jede Anomalie die rechte Therapie“ – Julian sagt er muss zum Therapeuten, schon springen vier Freudianer aus den Ecken und umgarnen ihn mit Ratschlägen).

Das Buch (Sissi Gruber, Niki Neuspiel) ist sogar so schlecht, dass ich richtig Mitleid für die Darsteller empfunden habe. Sie können leider gar nichts dagegen machen, sie müssen spielen, was da steht, was geschrieben wurde. Müssen sich dafür hergeben, auch wenn es ihnen nicht gefällt. Wie schwer muss das für einen talentierten Künstler sein? Sich selbst auszuschalten und sich einem Text, einer Inszenierung zu verschreiben, die einfach nichts taugt, vielleicht weil man einfach das Geld braucht. Das schlechte Buch ist nämlich nur das eine, die Regie (Dean Welterlen) das andere – quasi nicht existent bis klischeebeladen grauenhaft. Von Staatz hört man Ähnliches. Keine Regie, keine Schauspielerführung, die Darsteller müssen alles selbst erarbeiten. Im Gegensatz zu Gutenstein gibt man den jungen Darstellern in Staatz wenigstens die Möglichkeit selbst etwas daraus zu machen, außerdem haben sie den großen Vorteil eines funktionierenden Buches. Es handelt sich um etablierte Musicals, die funktionieren, mit denen man arbeiten kann. „Egon Schiele – Das Musical“ fehlt es an jeglicher Grundlage. Als Darsteller kann man so gut spielen wie man will, es kann einfach nichts werden, wenn der Text nicht will. In diesem Fall will er leider überhaupt nicht. Unnatürlichkeit, die mir wie ein Schauer über den Rücken läuft. Aufgesetztes Gerede, das mich zum Kopfschütteln zwingt. Die Lyrics (Birgit Nawrata, Sissi Gruber) auf großen Strecken ein Graus, dabei haben die Melodien (Musik: Gerald Gratzer) ab und zu doch in Ansätzen Potential („Eros und Tod“, „Mein Platz im Leben“, „Feuerrot“, „Aus dem Feuer meiner Sehnsucht“).

Als ob das nicht schon genug wäre setzt die Choreographie von Cedric Lee Bradley noch einen drauf – lächerlich. Wirklich lächerlich - einfallslos bis zum Geht-nicht-mehr. Das Bühnenbild ist von der Idee her ganz nett – die Projektionsflächen mit Animation und Schiele-Bildern funktionieren größtenteils. Anderes wiederum ist peinlich und - was mich am meisten nervt - lieblos. Lieblose Wohnung von Julian, lieblose Krumau-Landschaft (die Schönheit der Natur bleibt mir hier verborgen), lieblose Kostüme (bis auf die durchaus gute Idee mit den Ganzkörperanzügen aus Aktbildern Schieles und Wally).

Das Ensemble will ich gar nicht viel kritisieren. Die haben ihr Möglichstes gegeben. Was soll man auch machen bei einer Vorlage und eine Regie wie dieser. Markus Neugebauer war vielleicht eine Fehlbesetzung – war mir zu wenig Schiele, zu wenig verletzliche, verrückte Künstlerseele. Als Julian hatte er ab und zu nette Momente. Sabine Neibersch und Franziska Schuster konnten mit ihren Stimmen wenigstens Einiges retten. Doch der wirkliche „Lifeguard“ der Show war Thomas Strobl als Novak. Er spielte natürlich, hatte die Lacher auf seiner Seite und war so wohltuend, dass man zeitweise vergessen konnte, wie sich das Musical am Rande des Abgrunds bewegt. Harald Baumgartner als Julians Mitbewohner Peter war zuviel "High School Musical" und sein Charakter eher Nacherzähler der Handlung, für die Zuschauer, die vielleicht am „Abdriften“ waren. Der Rest hat seine Leistung erbracht, leider konnte da auch nicht viel gerettet werden.

Ich hoffe für die Zuschauer der letzten Jahre, dass wenigstens „Tutanchamun“ und „Gustav Klimt – Das Musical“ mehr zu bieten hatten, wobei…wenn ich an den Applaus von gestern zurückdenke, dürfte "Schiele" vielen gefallen haben. Meinen Geschmack hat "Egon Schiele - Das Musical" leider nicht getroffen...

Ich schreibe nicht gerne einen Verriss, aber ich muss gestehen, dass ich mich betrogen fühle. Ich gebe Geld aus und bekomme so etwas geboten. Eigentlich ist es eine Frechheit. Man sollte sich Theater nicht „antun“ müssen. Vielleicht sollte sich das Team der Festspiele Gutenstein überlegen, ihren Stolz zurückzustellen und sich bereits etablierten Musicals zu widmen, die funktionieren, aber vielleicht nicht so oft gespielt werden – da gibt es doch einige - oder sich mehr Zeit mit der Entwicklung eines Stücks zu lassen, einige Überarbeitungen wären gut gewesen...

Donnerstag, 12. August 2010

Broadway Melody - Stadttheater Klagenfurt

Die Konzertreihe „Broadway Melody“ bildet den dritten Teil des Musicalsommers des Stadttheater Klagenfurt. Mit Broadway hat man es allerdings nicht immer ganz so genau genommen, was im Grunde kein Problem war, aber wenn der Titel schon etwas verspricht…

Ein paar West End Musicals (u.a. Chess, We Will Rock You) und auch ein paar deutsche Produktionen (u.a. Freudiana, Der Glöckner von Notre Dame) haben sich ins Programm geschlichen und auch das nun schon allseits beliebte „The Girl in 14 G“, das wenn es gut interpretiert wird, der Publikumsrenner ist. Die Zusammenstellung ist im Großen und Ganzen gut gelungen. Die Wahl fiel auf einige Titel aus klassischen, älteren Musicals wie Kiss me, Kate!, Brigadoon und Finian’s Rainbow. Dazwischen fanden sich dann aktuellere Songs und auch besondere „Schmankerln“. Zu ersteren zählte z.B. „Heißgeliebt“ aus Wicked und „Bohemian Rhapsody“ aus WWRY. Warum man bei Wicked nicht die Originalversion – „Popular“ – gewählt hat, liegt wahrscheinlich daran, dass auch die Zuschauer, die dem Englischen nicht so mächtig sind, etwas mitbekommen sollten. Ich kann Wicked kaum auf Deutsch hören, es klingt einfach nicht gut. „Heißgeliebt“ statt „Popular“ – geht gar nicht. Ina Trabesinger hat das Lied dennoch sehr gut performt.

Das Ende des ersten Aktes wurde mit einem Medley eingeleitet. 20 Songs aus verschiedensten Musicals wurden durcheinander gemischt und performt. Gott sei Dank ist man im zweiten Teil des Konzert aus dieser Manier wieder ausgebrochen und hat die Lieder wieder im Ganzen präsentiert, mit Unterbrechung eines kurzen Medleys aus 6 Songs, das es aber in sich hatte. Mit hat hier besonders „Time Of My Life“ aus Dirty Dancing gefallen, performt von Peter Lesiak und Ina Trabesinger, die vor allem tänzerisch überzeugen konnten. Für Lesiak war der Song vielleicht ein wenig zu tief.

Die kleinen Besonderheiten des Konzerts waren neben selten gehörten Nummern aus älteren Produktionen, auch das Quartett aus Chess (Nazide Aylin, Norbert Lamla, Jesper Tydén und Erwin Windegger), „Lost in the Wilderness“ aus Children of Eden (Daniel Prohaska), „Send in the Clowns“ aus A Little Night Music (hervorragend interpretiert von Dagmar Hellberg) und „Guldet blev till sand“ aus Kristina från Duvemåla (Jesper Tydén). Letzteres war wirklich ein absolutes Highlight und hat gezeigt, dass Schwedisch eine wunderschöne Singsprache ist. Besonders lustig auch „Triplets“ aus „Between the Devil“ von Ina Trabesinger, Nadine Zeintl und Daniel Prohaska, die als Babys auf die Bühne kamen und den Song über Drillinge auch in Babystimme performten – wirklich komisch!

Das Ensemble bestand aus fünf Frauen und sieben Männern, die 12 „internationalen“ Musicalstars. Geballte Frauenpower bekam man geboten - eine stimmgewaltige Dagmar Hellberg (toll auch „Du bist allein“ aus Freudiana), eine charmante Ina Trabesinger (die ab 2. Dezember in „Sister Act“ in Hamburg auf der Bühne stehen wird), eine lustige Nadine Zeintl, deren großartige Mimik jeglichen Vergleich sucht (ein komisches „The Girl in 14G“ – irgendwie zwischen neurotischer Oma und Kristin Chenoweth Verschnitt, dennoch äußerst gelungen – sie hat die Nummer auf ihre Art interpretiert) und zwei leidenschaftliche Darstellerinnen wie Nazide Aylin und Bettina Mönch.

Bei den Männern sah es weniger prickelnd aus, leider. Peter Lesiak, Daniel Prohaska, Erwin Windegger waren top und gaben alles. Windegger performte ein kurzes „Das Lied der Dunkelheit“ aus Das Phantom der Oper und machte große Lust ihn in dieser Rolle auf der Bühne zu sehen. Gut, aber stimmlich ein wenig unsicher waren Previn Moore und Jesper Tydén. Beide hatten dann aber einen Song, der sie wieder nach oben brachte. Bei Moore war dies „You can’t stop the beat“ aus Hairspray (leider auf Deutsch – warum nur?). Bei Tydén war dies das ans Herz gehende „Guldet blev till sand“ in seiner Muttersprache.

Enttäuschend waren Frank Berg und Norbert Lamla. Während erstere sich noch irgendwie ins Ensemble einfügen konnte, so hatte Lamla leider große Schwierigkeiten. Er performte ohne jegliche Leidenschaft. Seine Stimme ist ohne Frage gewaltig, aber ohne Ausdruck und Spiellust geht da nicht viel. Noch nie habe ich ein so schlecht interpretiertes „The Impossible Dream“ aus Der Mann von La Mancha gehört – es ist ein wunderbarer Song, aber diesmal war ich froh, dass er nur kurz im Medley angesungen wurde. Schade!

Zwei Kritikpunkte gibt es noch. Leider waren manche Mikros viel zu laut eingestellt, zuhören wurde deswegen ab und zu ein bisschen zur Qual und die Songqualität nahm auch ein wenig ab…eine Frechheit war, dass es keine Programmhefte mehr gab. An diesem - vorletzen - Abend wurden nur noch die letzten 10 Exemplare verkauft – es wurden zu wenige gedruckt. Auch bei der heutigen Derniere wird es laut Aussage eines Mitarbeiters des Theaters keine mehr geben. Wie ich zu meinem gekommen bin? Ich musste ein älteres Ehepaar anhauen mir ihres zu überlassen. Unangenehm, aber notwendig.

Der Abend war dennoch ein sehr vergnüglicher. Das Orchester unter der Leitung von Jeff Frohner und das Staging von Ricarda Regina Ludigkeit setzen die Darsteller gut in Szene. Es war ein Abend jenseits von schlechten Tourproduktionen, die meinen Best of Musical zu präsentieren und VBW, die meistens nur auf die Gassenhauer setzen. Die Songauswahl war, wenn auch mit ein paar Tücken, sehr erfrischen, weil anders.

Sonntag, 8. August 2010

3 Musketiere - Felsenbühne Staatz

Open Air Veranstaltungen haben ihre Vor- und Nachteile. Zum einen hat man die Möglichkeit ein Stück „großräumig“ aufzuziehen, sprich ein Bühnenbildwechsel findet kaum statt, dafür kann man wie in „3 Musketiere“ ein Gasthaus, eine Kirche, ein Schloss und ein Dorf konstruieren und so eine ganz eigene Wahrnehmung erzeugen. In einem größeren, offenen Raum gibt es aber auch das Problem, dass vieles einfach verpufft. Statisten und eine gute Schauspielleistung von Ensemble und Hauptdarstellern sind quasi Voraussetzung, um dies zu verhindern – die Luft muss gefüllt werden. Die Staatzer Produktion von „3 Musketiere“ bedient sich den Möglichkeiten, kann aber den Schwung der Show nicht perfekt umsetzen. Ab und zu kommt es zum Stocken und das rasante Abenteuer der Musketiere wird ein bisschen gebremst. Wirklich schlimm ist das nicht, denn viel kann durch die großartigen, jungen Darsteller wieder aufgehoben werden. Ein wenig mehr Rhythmus des Showablaufs wäre aber wünschenswert gewesen.

Die Atmosphäre in Staatz stimmt. Das Bühnenbild fügt sich gut in die Kulisse ein und ermöglicht dem Publikum sich in das 17. Jahrhundert fallen zu lassen. Mögen die Kostüme der weiblichen Hauptrollen auch etwas kitschig und billig aussehen, die Musketiere tragen blau und sehen authentisch aus. Hosen in vier verschiedenen Brauntönen ermöglichen den Zuschauern Athos, Aramis, Porthos und D’Artagnan von den übrigen der königlichen Garde zu unterscheiden – eine gute Idee.
Die 3 Musketiere werden von Christoph Apfelbeck (Athos), Bernd Kainz (Aramis) und Rupert Preißler (Porthos) gespielt und geben ein überaus sympathisches Trio ab. Die Chemie zwischen den Dreien scheint zu stimmen und das vermitteln sie auch. Sie sind witzig, charmant, tapfer, treu, mutig, ein bisschen chaotisch und wahre Freunde. Es macht Spaß ihnen beim Spielen zuzusehen. Christoph Apfelbecks „Engel aus Kristall“ klingt einwandfrei und auch die „Einer für alle und alle für einen“-Passagen der drei Musketiere überzeugen. Jeder der drei Darsteller verleiht seinem Musketier eine individuelle Note, das ist schön zu sehen.

Der Star der Show heißt Christof Messner, nicht nur weil er die Hauptrolle spielt. Mit jeder Faser seines Ichs ist er D’Artagnan. Für die gesamte Dauer des Stücks. Solch eine Hingabe sieht man äußerst selten, wirklich bewundernswert. Messner spielt sehr natürlich, ehrlich und es gelingt ihm perfekt jede einzelne Emotion auf das Publikum zu übertragen. Gänsehaut und Tränen inklusive. Wenn ich Christof Messner singen und schauspielen sehe, wirkt es auf mich irgendwie befreiend. Man kann sich in seine Performance fallen lassen, denn er führt einen sicher durch die Geschichte.

D’Artagnans Gegner sind Werner Auer als Kardinal Richelieu und Sebastian Brandmeir als Rochefort. Beide spielen ihre Parts sehr gut. Der Intendant singt sehr sicher und überzeugt u.a. in „Nicht aus Stein“ und „Glaubt mir!“. Eine Überraschung war für mich Brandmeir als Rochefort, den ich mir zunächst nicht wirklich in der Rolle vorstellen konnte. Er gibt den kampfwütigen Intriganten wirklich gut und spielt mit viel Leidenschaft. Die Fechtszenen mit den Musketieren sind gut choreographiert (Eva Klug) und das junge Ensemble fällt was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Verluste (in diesem Fall Verletzungen). Durchaus beeindruckend! Amüsant war für mich auch zu sehen, wie lange man Witze über ein fehlendes Auge machen kann – sehr oft! Das Publikum lacht sich noch beim x. Mal schlapp.

Bei den weiblichen Hauptrollen gibt es leider ein wenig auszusetzen. Simone Niederer muss ich dabei ausnehmen, denn ihre Milady de Winter war wirklich fantastisch. Obwohl ihre Stimme sie an diesem Abend ein wenig im Stich gelassen hat (zumindest im ersten Akt), konnte sie eine gelungene Gesamtperformance abliefern. Auch sie spielt sehr authentisch und gefühlvoll. Etwas enttäuschend waren allerdings Eva-Maria Gugganeder als Constance und Julia Tiecher als Königin Anna. Erstere war stimmlich nicht immer auf der Höhe und ließ einige Unsicherheiten spüren. Sie gab die Constance sehr kindlich, aber durchaus frisch und natürlich. Leider wurde Constances „Gott lächelt uns zu“ gestrichen. Alles in allem war ihre Performance doch mehr als okay. Julia Tiecher konnte als Königin Anna im ersten Akt leider gar nicht überzeugen. Sie wirkte sehr hölzern. Im zweiten Akt taute sie jedoch bald auf und zeigte in der Kapellen-Szene mit dem anschließenden Song „Kein geteiltes Leid“ was sie drauf hat. Hier hat sie deutlich dazugewonnen, leider etwas zu spät.

In kleineren Rollen konnten auch Oliver Liebl als Conférencier, Korbinian Reile als Herzog von Buckingham und Christian Schild als James überzeugen. Vor allem Schild hat viele Lacher auf seiner Seite, er spielt wirklich gut. Alexander Eschig (König Ludwig XIII) verblasst leider ein wenig.

Werner Auer besetzt in seinen Inszenierungen vor allem junge Darsteller, oft noch in Ausbildung oder kurz nach Abschluss. Ich finde dies eine große Chance für die Darsteller und auch ein Genuss für das Publikum, denn das Ensemble ist überaus spielfreudig und leidenschaftlich bei der Sache. Es war mein erster Besuch in Staatz und das Wetter hat gehalten. Nächstes Jahr wird AIDA inszeniert und ich bin schon sehr gespannt. So fern nichts dazwischen kommt, werde ich wieder dabei sein. Die Felsenbühne Staatz ist nämlich wirklich einen Besuch wert.

Bis 14.8.2010 ist „3 Musketiere“ noch zu sehen – es sind jedoch nur mehr Restkarten an der Abendkassa (ab 18:30) erhältlich. AIDA feiert am 22. Juli 2011 Premiere.

Freitag, 6. August 2010

‘til the fat girl sings

Teil meines Musicalsommers ist auch eine kleine Literaturauswahl zum Thema. Darunter „‘til the fat girl sings - From an Overweight Nobody to a Broadway Somebody “ von Sharon Wheatley. Hier ein paar Anmerkungen:

Sharon Wheatley ist mittlerweile keine Unbekannte am Broadway, doch ihr Weg dahin war alles andere als einfach. Um die beschwerliche Reise mit Ziel „The Great White Way“ geht es in „'til the fat girl sings“, vor allem aber konzentriert sich das Buch auf das Problemfeld Übergewicht.

Ich habe mir mehr zum Thema Musical erwartet, aber Wheatley geht es in erster Linie darum, Menschen auf das Thema Fettleibigkeit aufmerksam zu machen. Neben diesem zentralen Punkt, erzählt die Darstellerin aber auch über ihren Weg zum Broadway. Sie berichtet von Gesangsstunden, Treffen mit gefürchteten Regisseuren über das Kennenlernen ihres Ehemanns (Musical Director Rob Meffe) bis hin zu einer Cats-Audition und ihrem Broadwaydebut in LesMis. Wheatley schreibt über ihre oft sehr schmerzhaften Erfahrungen, Verletzungen, Freundschaften und Familienprobleme. Es wirkt sehr ehrlich und sie nimmt sich auch kein Blatt vor den Mund. Die Autobiographie geht ans Herz und macht Mut. Denn trotz vieler Zweifel ihres Umfeldes und einigen Selbstzweifel hat sie es geschafft ihren Weg zu gehen.

Sharon Wheatley ist im Moment am Broadway in Avenue Q (Swing) zu sehen. Sie ist Mutter von zwei Töchtern.

‘til the fat girl sings. From an Overweight Nobody to a Broadway Somebody – Sharon Wheatley. Erschienen bei Adams Media, Avon Massachusetts. 2006. 271 Seiten.

Links:

*Image via

P.S.: Vergesst nicht in der Umfrage (rechts) teilzunehmen. Danke!

Sonntag, 1. August 2010

Singin' in the Rain - Stadttheater Klagenfurt

Die Wiederaufnahme der beiden Musicals aus der letzen Saison im Rahmen eines Musicalsommers war eine brillante Idee. Kein Musical auf der Wörtherseebühne, volles Haus im Stadttheater. Hochwertige Produktionen im klimatisierten Zuschauerraum, ohne Gelsen- oder Schlechtwettergefahr. Eine gelungene Alternative.

Nach Sweeney Todd, das den ersten Musicalblock gebildet hat, wird nun auch die österreichische Erstaufführung von Singin‘ in the rain noch einmal gezeigt. Da ich keine Möglichkeit hatte mir das Musical in der letzten Spielzeit anzusehen, packte ich die Gelegenheit beim Schopfe und genoss ein paar sommerliche Abende im Theater – welch Vergnügen bei einer Produktion wie dieser. Als drittes im Bunde des Musicalsommers kommt eine Konzertreihe namens „Broadway Melody“ hinzu, die am 7. August ihre Premiere feiert.

Singin‘ in the rain ist ein Klassiker. Ein klassisches Filmmusical – und genauso wurde es auch im Stadttheater Klagenfurt auf die Bühne gebracht. Man lässt sich in die Stummfilmära fallen und taucht gute 2 ½ Stunden ganz darin ab. Das Stück legt sich wie ein kleiner Zauber auf die Zuschauer. Es macht unendlich viel Spaß und bringt die Atmosphäre der damaligen Zeit auf die Bühne.

Die Darsteller tragen das Stück und begeistern das Publikum. Da sind das Filmliebespaar Lina Lamont und Don Lockwood, gespielt von Bettina Mönch und Daniel Prohaska. Mönch, die eine Stummfilmdiva mit Sprechfehler spielt, zeigt wie wandlungsfähig sie in Bezug auf ihre Sprache ist und erzeugt regelmäßige Lachkrämpfe bei den Zuschauern. Sie ist eine Erscheinung und spielt was das Zeug hält. Leider darf sie nur in einem Song ihre stimmlichen Qualitäten zeigen, allerdings gelingt es ihr dort zu 100 Prozent. Ein weiterer Bonus…Bettina Mönch erwischt das richtige Maß an Komik. So auch Peter Lesiak in der Rolle des Cosmo Brown, Don’s bestem Freund. Lesiak spielt sich die Seele aus dem Leib. Er ist ein fantastischer Cosmo – humorvoll, herzlich, lustig in richtigen und falschen Momenten und seine Mimik ist umwerfend komisch. Auch die Chemie zwischen Peter Lesiak und Daniel Prohaska stimmt. Sie wirken wie ein eingespieltes Team, wie beste Freunde. Die gemeinsamen Nummern machen Spaß und obwohl Lesiak in Sachen Stepptanz ein wenig leichtfüßiger wirkt, so hält sein „bester Freund“ Don gut mit.

Daniel Prohasksa gibt den Stummfilmstar Don Lockwood. Er geht in den Klassikernummern auf und zaubert mit seiner Stimme das richtige Flair der 20er Jahre. Nur in der Titelnummer fehlt ihm ein wenig der nötige Elan. Prohaska hat große Ähnlichkeiten mit Gene Kelly und wirkt fast ebenso charmant. Auch das Zusammenspiel mit Nadine Zeintl klappt fantastisch. Zeintl bringt viel frischen Wind und tanzt und singt sich schwungvoll durch das Stück. Sie spielt Kathy Selden facettenreich und spritzig.

Auch die Nebenrollen sind gut besetzt. So überzeugen u.a. Erwin Windegger als Filmproduzent, Dagmar Hellberg in diversen kleineren Parts, Frank Berg als Filmregisseur und Andreas Wanasek als Pressesprecher Rod.

Singin‘ in the rain ist ein Filmmusical auf der Bühne. Sehr gut umgesetzt und mit viel Herz und Humor. Hervorzuheben sind noch die fantastischen Stummfilmepisoden, die nicht nur sehr lustig, sondern vor allem gut gemacht sind. Als Zuschauer kann man sich in die 20er Jahre denken und das Kinofeeling von damals auferstehen lassen. Schwarz-weiß Filme, kein Ton, live Klavierbegleitung. Ein schönes Erlebnis, das zeigt wie das frühe Kino damals gewirkt hat. Auch die Tanzszenen, fast ausschließlich Stepp, sind gut choreographiert (Ricarda Regina Ludigkeit) und transportieren das Publikum in die richtige Zeit. Die musikalische Leitung übernahm Jeff Frohner. Die vielen Bläserpartien kommen gut zur Geltung. Intendant des Stadttheaters und Regisseur Josef E. Köpplinger hat seine Sache wieder einmal sehr gut gemacht. Ich finde es ausgesprochen schade, dass er das Klagenfurter Stadttheater bald verlassen wird. Ein so musical-affiner Intendant wird es wohl in Zukunft nicht werden, aber meine Hoffnung stirbt zuletzt.

* Bild via - Copyright Stadttheater Klagenfurt

Mittwoch, 21. Juli 2010

The Full Monty: Ganz oder gar nicht - Musicalsommer Amstetten

Musik ohne das gewisse Etwas, aber Spaß ohne Ende, so lautet mein Resümee des gestrigen Abends bei The Full Monty.
Dass Amstetten meistens gute Produktionen auf die Beine stellt ist längst kein Geheimnis mehr. Hier gibt man sich wirklich Mühe aus wenigen Mitteln viel zu machen und es gelingt auch in den meisten Fällen. Mit The Full Monty kommt nach einer Uraufführung (Rockville im letzten Jahr) nun eine Deutschsprachige Erstaufführung und die kann sich durchaus sehen lassen. Bei den Übersetzungen hapert es zwar hie und da in den Songtexten, aber die Songs spielen in diesem Musical sowieso eine untergeordnete Rolle, da sie einen nicht gerade vom Hocker reißen. Ein paar gute Nummern sind dabei, aber die sind leider in der Minderheit.

In The Full Monty stehen sowohl Männer, als auch Frauen im Mittelpunkt. Das männliche Geschlecht AUF der Bühne, das weibliche IM Zuschauerraum. Es ist eine Art „Ladies Night“, die aber sicher auch Unterhaltung für männliche Zuschauer bietet.
Der Inhalt ist schnell erklärt. Ein Stahlwerk in Buffalo muss dicht machen und hinterlässt arbeitslose Männer mit Familie. Die Lage scheint aussichtslos und die Arbeitslosen sinken immer tiefer in die Depression. Jerry kann den Unterhalt für seinen Sohn nicht mehr bezahlen und wenn er nicht bald das nötige Geld aufbringt wird ihm auch das Sorgerecht entzogen. Gemeinsam mit seinem „dicken“ Freund Dave beschließt er einen Striptease-Abend zu organisieren, mit ihnen selbst als Stripper. Das einzige Problem ist, sie sind „echte Männer“ – haben keine Ahnung vom Tanzen und noch weniger den richtigen Körperbau um zu strippen. Davon lassen sie sich aber nicht beirren und beginnen nach Kollegen zu suchen, die ebenfalls in der finanziellen Klemme stecken und bereit sind sich für Geld auszuziehen. Nach und nach kommt einer dazu und schließlich beginnen sie zu sechst zu proben. Immer wieder von Selbstzweifeln geplagt und von den Problemen zu Hause verfolgt schaffen sie es schlussendlich doch auf die Bühne…

Wie gesagt  stehen auf der Bühne die Männer im Mittelpunkt. Otto Jaus überzeugt als cooler Jerry, der seinen Sohn nicht aufgeben will, aber hie und da einen Stoß in die richtige Richtung benötigt. Er erbringt gesanglich und schauspielerisch eine einwandfreie Leistung. Sehr berührend auch die Szenen, die er zusammen mit seinem Bühnensohn spielt. Auch Moritz T. Klock fügt sich gut ein und spielt sehr gekonnt, gar nicht aufgesetzt oder auswendig gelernt. Er hat viel Talent. Meine ganzen Sympathien hat auch Frank Winkels. Er spielt Dave, Jerrys besten Freund, der unter seinem Gewicht leidet und Angst hat ausgelacht zu werden. Winkels stellt den Dave sehr ehrlich dar und überträgt die Gefühle seines Charakters direkt auf das Publikum.
Aber auch die anderen Männer haben einiges drauf. Rory Six hat einfach eine wunderschöne Stimme, der man sehr gerne zuhört. Ihm liegen die schüchternen Rollen sehr. Julian Looman überzeugt als „Dummchen“ – er besitzt einfach Bühnenpräsenz, egal in welcher Rolle. Claus Dam spielt den Spießer Harold, der „Hot Metal“ das Tanzen beibringen möchte, gekonnt. Auch das Zusammenspiel mit seiner „Frau“ Jacqueline Braun wirkt harmonisch. Eddie Jordan gibt den „Hengst“ – auch er macht seine Sache gut. Zunächst wirkt er zwar etwas hölzern, aber mit seiner Solotanznummer hat er bald alle auf seiner Seite. Alle sechs geben ein buntes Männerbild ab und spielen toll zusammen. Es ist pure Freude ihnen beim Performen zuzusehen und purer Spaß zu sehen, wie sie aus arbeitslosen Stahlarbeitern Stripper machen. Hut ab vor ihrer Leistung und dem Mut sich ihren Rollen und deren Nacktheit ganz hinzugeben!

Aus dem weiblichen Ensemble konnten leider nur Jacqueline Braun, Carin Filipcic und Betty Vermeulen überzeugen. Letztere gibt eine fantastische ältere Pianistin, die die Männertruppe durch ihr Ups und Downs begleitet und ihnen tatkräftig zur Seite steht. Vermeulen ist genau auf richtigem Niveau verschroben und herrlich komisch.

Abgesehen von den wenigen guten Songs ist The Full Monty ein sehr amüsantes Musical mit Herz. Der Inhalt ist einfach, genügt aber um die Leute zum Lachen zu bringen. Er will in seiner Einfachheit nicht zu viel, es tut gut, denn oft genügen wenige komische Grundelemente. Gut ist, dass es nach der großen Stripteasenummer am Ende keine „Familienzusammenführungen“ mehr gibt. Die Show hört mit einem Knaller auf und das ist gut so. The Full Monty macht viel Spaß und bietet einen sehr unterhaltsamen Sommerabend. Das Leading Team in Amstetten hat wieder einmal gute Arbeit geleistet.

*Image via

Dienstag, 20. Juli 2010

West End Adventures: LesMis & Hair

Von 7. bis 9. Juli ging es für mich nach London auf einen Musical-Kurztrip. Ein Jonas Brother in Les Miserables und die Original Broadway Cast von Hair im West End durfte ich mir nicht entgehen lassen…Hier ein paar Anmerkungen.

Les Misérables

Zugegeben ist LesMis ein Musical, an das ich mich erst langsam herantasten musste. Ich habe es zum ersten Mal am Broadway gesehen, später in Klagenfurt und jetzt im West End und langsam komme ich ihm näher. Die Musik, keine Frage, ist wunderschön. Allerdings habe ich oft meine Probleme mit durchkomponierten Musicals bzw. Musicals mit einer Tendenz dazu. Es fühlt sich meistens wie eine Laier an und man bekommt keine Pause. Genau das ist aber auch der Vorteil durchkomponierter Werke - man kann vielleicht eher in das Wesen der Geschichte einsteigen.
LesMis empfinde ich als unglaublich düster und bedrückend und genau das war mein anfängliches Problem. Es wurde eng in meinem Körper und ich wurde betrübt. Mit der Zeit allerdings hat das Musical für mich dazugewonnen. Jetzt, als ich LesMis im West End nach längerer Zeit wieder einmal gesehen habe, hatte ich plötzlich eine ganz andere Sichtweise auf die Dinge und mein Blick reichte auch zu den heiteren Passagen und jenen Stellen, die das Grundwesen des Menschen betreffen und dessen Fragen an das Leben und an sich selbst. Wie großartig und zentral ist „Who Am I?“ und die Stelle als der Geistliche Jean Valjean zur Hilfe kommt? Oder die väterliche Liebe, die Valjean für Cosette aufbringt? Diese Themen und Passagen waren für mich bis jetzt zwar präsent, jedoch noch nie so klar und deutlich. So habe ich LesMis ins Herz geschlossen.

Im Nachhinein frage ich mich wie es überhaupt möglich war, dass ich als Zuschauer so tief in das Musical eintauchen konnte, wo doch massenhaft Teenies den Zuschauerraum bevölkerten und jedes Mal wenn Nick Jonas auf die Bühne kam, kaum an sich halten konnten. Ein Ensemblemitglied sah ihm so ähnlich, dass das Getuschel schon vor dem Auftritt von Marius (Nick Jonas) losging. Lästig, war aber zu erwarten. Gekreische gab es nicht nur beim Schlussapplaus und die Platzanweiser leisteten Schwerstarbeit. Im zweiten Akt bewachte die volle Mannschaft das Publikum, ermahnte und verbot Bildaufnahmen. Anstrengend. Auch für die restlichen Zuschauer. Aber sie hatten es gut im Griff und das junge Publikum (aus aller Welt – spanische Schulklasse inklusive) verhielt sich angemessener.
Nick Jonas hat seine Sache ganz gut gemacht. Er mag vielleicht noch etwas zu jung sein und bei Gott gibt es weit bessere Marius-Darsteller, aber der Kerl hat durchaus auch Musical-Potential – schließlich begann seine Karriere auch als kleiner Gavroche am Broadway und er durfte auch mit Reba McEntire in „Annie Get Your Gun“ auf der Bühne stehen. Überraschend war für mich, dass Nick Jonas auch schauspielerisch einiges gezeigt hat.
Beeindrucken konnte mich aber vor allem Norm Lewis als Javert. Er hat mich schon in „The Little Mermaid“ überzeugt und tatsächlich konnte dieser talentierte Darsteller in der Rolle des Javert noch einen Zahn zulegen und eine Glanzleistung abliefern. Kein Wunder, dass er im Oktober auch in der 25th Anniversary Konzertgala von LesMis zu sehen sein wird. Diese Stimme, dieser Ausdruck. Eine überaus beeindruckende Performance. Warum allerdings Nick Jonas die Ehre zu Teil wird den Part des Marius beim Jubiläum zu übernehmen ist mir etwas suspekt - aber da geht es nicht mehr um darstellerische und gesangliche Qualitäten, sondern um Promotion...Schade!
Hinweis & Tipp: Das sehr gelungene Soloalbum von Norm Lewis „This is the life“ ist u.a. via amazon und itunes erhältlich. Ich liebe seine Versionen von „Go the Distance“ und „We live on borrowed time“.

HAIR

Wie schon hier berichtet, war es mir ein großer Wunsch die Original Broadway Cast in der neuen Hair-Produktion zu sehen, die (nicht ganz so erfolgreich) ins West End transferiert wurde. Hochgelobt wurde nicht nur die Cast, sondern die gesamte Inszenierung und meine Neugierde wuchs von gelesener Rezension zu Rezension. Gavin Creel und Will Swenson wollte ich einfach nicht verpassen, doch leider ist mir entgangen, dass letzterer sein Engagement bereits Ende Mai beendet hatte. Ein wenig enttäuscht war ich schon, hatte aber eigentlich keinen Grund dazu, denn auch die neue Erstbesetzung – Steel Burkhardt – rockte das Haus.

Ich muss dazu sagen, dass ich keinerlei Vergleich habe. HAIR habe ich davor noch nie in einem Theater gesehen, aber die Musik kenne ich gut und mag sie auch sehr. Drew Sarich, Kyrre Kvam und das tolle Ensemble der Wiener Inszenierung von 2001 haben z.B. auf der CD der Raimund Theater Produktion eine fantastische Leistung abgeliefert. Die Arrangements von Martin Gellner und Werner Stranka waren neu und gut. Rockig, anders. Man glaubt es kaum, doch mir wurde doch tatsächlich verboten HAIR anzuschauen. Nach Meinung meiner Eltern war ich noch zu jung, um nackte Menschen auf der Bühne herum hüpfen zu sehen :)

Also ohne Vergleich hier ein paar Anmerkungen zur Broadway Produktion im West End:

Das Bühnenbild ist bunt. Sehr bunt und nicht sehr aufwändig, jedoch passend. Es ist sehr offen gestaltet, die Band sitzt auf der Bühne und ist Teil des Geschehens. Leitern verbinden die Bühne mit dem ersten Rang und die offene Atmosphäre vergrößert die Bühne bis in den Zuschauerraum. Eine vierte Wand ist in dieser Inszenierung quasi nicht existent. Es muss so sein, denn in HAIR geht es nicht zu sehr um Inhalt, als um den Vibe und den Funken der Message, der überspringen muss. Es geht um die Zeit, die Mentalität, das Leben und Gefühle. Ungezwungenheit, Zwänge, Ausbruch, Feiern, Friede, Krieg, Drogen, Musik, Religion, Glauben und vor allem LIEBE. Es geht um Liebe zwischen den Menschen und Liebe des Menschen mit all seinen Fehlern.
Ich weiß nicht wie es sich anfühlt in dieser Zeit gelebt zu haben, denn damals war ich noch nicht auf der Welt, aber in dieser Inszenierung bekommt man ein sehr gutes Gefühl dafür. Sie ist nicht schrill, jedoch aufdringlich im positivsten aller Sinne. Als Zuschauer ist man Teil der Performance, die Darsteller interagieren vom Anfang bis zum Ende. Von einigen Hippies, die immer wieder durch die Zuschauerreihen springen, Haare kraulen, tanzen und küssen, über Berger, der dem Publikum zunächst seine Mutter vorstellt und einen amüsanten Dialog mit den Zuschauern führt, bis hin zu dem Zeitpunkt, an dem das Publikum endlich auch mitmachen kann, auf die Bühne hüpfen und mit den Darstellern aus vollem Halse singen darf. HAIR ist ein Erlebnis.

Ein paar Worte zur Broadway Cast dürfen nicht fehlen, eigentlich genügt eines: FANTASTISCH. Sie waren alle auf höchstem Niveau Hippie. Sehr präsent, eingespielt, hatten einfach Spaß. Gänsehautstelle gab es nicht nur eine. Sei es nun Sasha Allen als Dionne, die sonst eher für Christina Aguilera und Usher singt, mit einer Stimme wie man sie nur selten hört und einer Performance von „Aquarius“, die einem nicht mehr aus dem Gedächtnis geht oder Gavin Creel, der mich mit seiner Ausstrahlung und Stimme zutiefst beeindruckt hat. Auch Steel Burkhardt und Caissie Levy haben mich mit ihren Performances gefesselt. Das gesamte Ensemble strotze vor Energie und Leidenschaft. Das Theater füllte sich mit Freude und Liebe. Leider konnte ein Großteil des Publikums trotzdem seine Steifheit nicht überwinden, es hätte sonst ein einziges Miteinander werden können.


Heute ist „The Full Monty“ dran und ich bin schon sehr gespannt…einen der Darsteller, Julian Looman, kann man übrigens auf TV-Media.at zum männlichen Shootingstar voten. Seine Chancen stehen jedoch zwecks fehlender Bekanntheit eher schlecht – schade, denn er ist unglaublich talentiert und ein großartiger Darsteller. Der Bekanntheitsgrad wird sicher bald ansteigen – es ist nur eine Frage der Zeit.

Montag, 28. Juni 2010

The Rhythm of Life - Musical Forever 2 im Ronacher

Ein Abend mit Musikbeispielen aus 23 Jahren Caspar Richter bei den VBW, so könnte man das gestrige Abschiedskonzert für den Musikalischen Direktor auch bezeichnen. Es war ein Konzert mit Eindrücken aus jenen Musicals, die der Dirigent über all die Jahre begleitet hat, gespickt mit „musicalischen“ Stücken, die Caspar Richter abseits der VBW ins Herz geschlossen hat.

Warum ich hier von Musikbeispielen rede hat einen Grund, denn gekürzt wurde an allen Ecken und Enden. Ein Abend dieser Art kann nicht ALLES bringen, er muss es auch nicht, hat es auch nicht. Ob es allerdings eine gute Idee war einfach große (und wichtige) Teile einzelner Songs ganz herauszunehmen, anstatt wirklich nur Ausgewähltes zu präsentieren ist fraglich. Der Großteil des Publikums erwartet sich wahrscheinlich "musicalische Gassenhauer“ und mit diesem Konzept wurde der Wunsch sicher auch bedient. Für mich hieß dies aber auch, dass wenig Gefühl und Stimmung in den einzelnen Darbietungen entstehen konnte. Es wurde einfach ein „Hit“ nach dem anderen herunter gesungen, teilweise auch ineinander übergehend - es fühlte sich oft wie "heruntergespult" an. Naja, vielleicht nicht immer Hits, denn auch bei der Songauswahl haperte es ab und zu. „Golf“ aus Rebecca und „Die Welt ist völlig irr“ aus Jekyll & Hyde? Da wären mir bessere Nummern eingefallen - auch abseits der „Altgekannten“… Für das „Heruntersingen“ trifft die Künstler jedenfalls keine Schuld, denn diese haben mich allesamt wieder einmal beeindruckt – angefangen von Rob Fowler, über Lisa Antoni bis zur großartigen Carin Filipcic. Ihren Performances hat an nichts gemangelt, doch leider hatten sie nicht genug Zeit die Songs voll und ganz auszukosten. Von Anfang bis Ende. Jeden Ton, jedes Wort.

Krass der Gegensatz zu den durchgesungenen Nummern, die einfach eine ganz andere Wirkung hinterließen. Vor allem „A World of Wonder“ aus Sophie’s World blieb mir nachhaltig in Erinnerung. Wundervoll interpretiert von Marjan Shaki, die mit viel Gefühl den eher unbekannteren Song performte. Ein Song der ins Herz ging.

Als Rechtfertigung dieser Art von Präsentation fällt mir nur ein, dass es ein Abend war, um Caspar Richter zu huldigen und ihn in seine neue Aufgabe zu entlassen. Zu diesem Zweck hat man also Erinnerungen heraufbeschwört. Melodien aus all den Jahren, aus Musicals die uns allen ans Herz gewachsen sind. Es ging um die Person und sein Orchester, die Songs sollten nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Wenn man das gestrige Konzert aus diesem Blickwinkel betrachtet, kann man sich mit dem etwas abstrusen Konzept abfinden.

Die Schmankerln des Abends waren für mich vor allem die Songs, die in ihrer vollen Länge präsentiert wurden. Dazu gehörten für mich „I love a piano“ (Thomas Borchert), „Gethsemane“ (Rob Fowler), "Gabriella’s Song" (Carin Filipcic und Ensemble), „Das Phantom der Oper“ (Borchert, Antoni - ein Song der mir normalerweise leicht auf die Nerven gehen kann, nicht bei dieser Performance), „I can cook too“ (Carin Filpcic) und das großartige „Rhythm of Life“ aus Sweet Charity, ein Song der mich bis jetzt als Ohrwurm verfolgt. Aber auch das altbekannte "Conga" aus Bernstein's Wonderful Town mit Publikumseinlage darf man nicht vergessen.
Ein paar der „Collagen“-Songs hatten es ebenfalls in sich. Manche aufgrund der „anderen“ Auswahl, manche aufgrund der Künstler. Hier zählen u.a. „Der doppelte Schwur“ (Fowler, Borchert), „Gold von den Sternen“ (Filipcic), „Ohne Sie“ (Shaki, Perman),„Ich hab geträumt von Manderley“ und „Rebecca“ (Antoni, Filipcic). Wirklich schön.
Eine besonders nette Darbietung war auch „Totale Finsternis“, mit Lachkrampf und überraschendem Ende. Herrlich erfrischend!

Traurig war, wie „Rudolf“ in die Ecke verbannt wurde. Es wurde wie ein Stiefkind behandelt. „Du hast dich nicht ordentlich benommen, jetzt stell dich in die Ecke und komm nie wieder raus“, so könnte man das vielleicht auch ausdrücken. Traurig, wirklich traurig. Es scheint, als würden die VBW dieses Musical aufgrund des fehlenden Erfolgs, nicht mehr „sehen“. Es hat wunderbare Lieder und wurde viel zu wenig bedacht. Ein kurzer Walzerschritt und ein gekürztes „Vertrau in uns“ war alles. Schade.
Musicals wie "Wake Up" und "Barbarella" hat man gleich ignoriert, "Chicago" und "The Producers" auch eher abgeschoben.

Auch was die Anmoderation betrifft, hatte Rudolf keine guten Karten. Peter Fröhlich, derzeit in IWNNINY auf der Bühne, übernahm die Moderation des Konzerts und erfüllte diese Aufgabe eigentlich auch ganz gut. Ein paar Kommentare hätte er sich aber sparen können, da mehr als unpassend. An manchen Stellen etwas zu lang und zu ausschweifend, aber doch charmant und herzlich führte er durch den Abend.

Zu den Künstlern muss ich eigentlich nicht viel sagen, sind sie uns in Wien über die Jahre bekannt. Erfrischend anders allerdings, dass einmal kein Uwe Kröger auf der Bühne stand…

Lisa Antoni hat abseits von Rudolf bewiesen was sie auf dem Kasten hat. Beeindruckend. Ebenso Marjan Shaki und Carin Filipcic, die beide mit viel Gefühl und Freude performt haben. Es ist auch immer schön (bei onzerten) ein wenig mehr Mensch als Rolle zu sehen.

Auch die Herren waren eine sympathische kleine Truppe :) Rob Fowler wirkte zunächst zwar etwas steif und unsicher, aber der Mann hat eine Stimme, da bleibt einem der Mund offen. Auch Lukas Perman konnte überzeugen und zu Thomas Borchert muss ich eigentlich nichts mehr sagen. Er stellt sich hin und singt, konzentriert, mit gutem Ausdruck und großartiger Stimme. Nie verspürt man Angst er könnte einen falschen Ton singen. Das Ensemble führt meist in die „Collagen“ ein und war bemüht die richtige Stimmung aufkommen zu lassen. Sie hatten es dabei schwer, gaben aber ihr Bestes und waren mit viel Freude bei der Sache. Mit dabei: Daniela Harbauer, Martin Planz, Nina Weiss, Esther Mink, Barbara Obermeier, Fernand Delosch, Kai Hüsgen und Max Niemeyer. Die Choreographie stammte übrigens von Jérôme Knols. Sie hat ihren Zweck erfüllt, war nicht unbedingt herausragend, aber gut auf den kleinen Raum zugeschnitten und hat funktioniert.

Am Schluss durften natürlich die Reden und Ehrungen nicht fehlen. Kathrin Zechner ließ es sich nicht nehmen des Öfteren auf ihre Probleme mit Richter zu sprechen zu kommen, letzten Endes kam dann aber doch eine nette, freundschaftliche Rede heraus.

Es war ein Abend, der trotz vieler „Fragmente“ Spaß gemacht und Freude verbreitet hat. Die Künstler hatten Spaß, das Publikum auch. Nicht zuletzt weil unter den Zuschauern viele Künstler waren. Viele, die sich kennen, die Caspar Richter kennen und mit ihm zusammen gearbeitet haben. Ein schönes Gefühl. Ein durchaus gelungenes „Tribute“ für einen großartigen musikalischen Direktor und Dirigenten. Jetzt der erste Ehrendirigent der Vereinigten Bühnen Wien.

*Image via

Dienstag, 22. Juni 2010

Musicalsommer

Der Sommer ist ja für das Genre Musical eine gute Zeit, allerdings eher in Form eines Musicalfestivals oder Festspielen, aber auch einige Stadttheater geben nicht auf und wollen Publikum auch in dieser Jahreszeit anlocken, so bietet auch das Stadttheater Klagenfurt 2010 einen Musicalsommer an. Die Wörtherseebühne hat ja ihr Musical-Programm eingestellt. Gott sei Dank! Es ist zwar eine wunderschöne Bühne, aber die Produktionen waren leider (meistens) extrem schlecht.

Meine Pläne:

27. Juni: Musical Forever 2, Ronacher - Verabschiedung Caspar Richter
7.-9. Juli: kurzer Musicaltrip nach London
Ende Juli: Sweeney Todd & Singin' in the Rain, Stadttheater Klagenfurt
5. August: 3 Musketiere, Felsenbühne Staatz
[6. August: Romeo und Julia, Shakespeare auf der Rosenburg
Mitte August: Salzburger Festspiele]

...vielleicht quetsche ich auch noch "The Full Monty" in Amstetten und "Broadway Melody" im Stadttheater Klagenfurt hinein - wird sich zeigen :)

Auch mit "musicalischer" Sommerlektüre habe ich mich eingedeckt...
  • Stuart Ostrow: The Anatomy of a Broadway Musical
  • Sharon Wheatley (u.a. Avenue Q): 'til the fat girl sings. From an Overweight Nobody to a Broadway Somebody - A Memoir
  • Friedrich Kurz: Der Musical-Mann. Ein steiler Aufstieg, ein tiefer Fall und eine Begegnung mit Gott, die alles veränderte.
...und eine neue Ladung CDs muss auch noch vor dem Sommer erworben werden...
  • It's Only Life - A new musical revue (John Bucchino) - wäre auch etwas für die "An evening without..."-Reihe
  • Memphis - A new musical. Das Broadway Cast Album des Tony-Abräumers.
  • Promises, Promises. Sean Hayes und Kristin Chenoweth für zu Hause und den Urlaub.
  • The Wild Party - Andrew Lippa. Eine CD, die schon lange auf meinem Wunschzettel steht.
  • ...und was mir sonst noch in die Hände fällt :)

*Images via & via
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