Mittwoch, 23. September 2009

Tanz der Vampire im Ronacher

Am Sonntag habe ich mir endlich Tanz der Vampire angesehen und mir gefällt's...

Von der Musik brauchen wir gar nicht viel zu reden...sie ist fantastisch. Jim Steinmans Songs reißen einen mit und jedes Lied entführt die Zuschauer nach Transsylvanien. Die Darsteller performen einwandfrei und überzeugen durch und durch...

Marjan Shaki hat mir beim diesjährigen Donauinselfest nicht so gut gefallen, aber als Sarah ist sie wirklich fantastisch. Sie spielt die kecke Wirtstochter mit sehr viel Leidenschaft und viel Gefühl. Es ist eine Freude sie performen zu sehen und beim Schlussapplaus hat man auch ihre eigene Freude sehen können. Sie strahlte und man merkte wie überwältigt sie von den Reaktionen des Publikums war...
In den Fernsehinterviews, die ich in der letzten Zeit gesehen habe, wirkte sie etwas arrogant und zurückhaltend. Vielleicht weil sie unsicher ist...keine Ahnung...aber ihre Performance und die Ausstrahlung, die sie am Ende der Vorstellung hatte, waren so beeindruckend, dass sie bei mir wieder dazu gewonnen hat :)

Lukas Perman wirkte in den ersten Minuten blass und ich wurde mir kurz unsicher, ob er denn wirklich so gut in die Rolle des Alfred passt. Im Gegensatz zu den negativen Reaktionen, die er nach der "Tanz der Vampire In Concert"-Reihe hervorgerufen hat, fand ich ihn damals nicht so schlecht und war überzeugt, dass er mit einer angemessenen Probezeit und ein wenig "In-sich-gehen" einen guten "Assistenten" abgeben würde. Nach den ersten Minuten, in denen ich ihn als enttäuschend empfand, ist er aber - im wahrsten Sinne des Wortes - aufgetaut und hat eine gute Leistung erbracht. Er spielt den Alfred sehr tollpatschig und noch ein wenig trotteliger als ich ihn in Erinnerung habe, aber überzeugt damit durchaus.

Professor Abronsius kann eigentlich nur von Gernot Kranner gespielt werden. Kein anderer erreicht dieses Niveau. Kranner ist Abronsius. Er hat sich die Rolle so einverleibt, dass man von seinem Spiel nur begeistert sein kann. Es ist ein großes Vergnügen ihn performen zu sehen. Die schnellen Lieder singt er ohne große Anstrengung und löst damit Begeisterungsstürme des Publikums aus. Manche Stellen sind allerdings ein wenig schwer zu verstehen...ich kenne den Text und deshalb ist es für mich kein Problem, aber diejenigen, die das Stück zum ersten Mal sehen, verstehen vielleicht nicht alles. Was eigentlich auch gar kein Problem ist...vielleicht ist es sogar Absicht...Professor Abronsius ist ja schließlich auch schon etwas verwirrt ;)

Die Wirtsleute Chagal und Rebecca werden von James Sbano und Katharina Dorian gespielt. Auch James Sbano macht seine Sache gut, auch wenn er oft etwas unverständlich wirkt. Bei Katharina Dorian als Rebecca hatte ich ein paar Schwierigkeiten, die aber nicht unbedingt an ihr liegen müssen...mir ist die Rolle ein wenig zu schrill. Natürlich muss hier übertrieben werden, aber ein bisschen weniger hätte - meiner Meinung nach - nicht geschadet...
Wirklich gut hat mir Anna Thorén als Magda gefallen. Ihre Stimme ist toll und sie holt das Beste aus der Rolle der Magd heraus.

Koukol ist ein bisschen eine undankbare Rolle. Viel gibt sie nicht her, aber sie erfordert u.a. komödiantisches Talent und ein Talent sich komisch zu bewegen :) Thomas Weissengruber besitzt alles, was man für diesen Part braucht.

Jetzt zu den Vampiren...
Thomas Borchert ist für mich der einzig würdige "Nachfolger" von Steve Barton. Kein anderer (außer Barton) kann Graf Krolock so gut spielen wie er...Mathias Edenborn fand ich gut, aber keiner reicht an Barton und Borchert heran. Ich hab schon einige andere Darsteller Krolocks Lieder performen sehen, aber es fühlt sich nie richtig an...Borchert baut sein komödiantisches Talent in die Rolle ein, jagt einem Schauer über den Rücken, gruselt, ist aber im nächsten Moment auch verletzlich und zerissen. "Die unstillbare Gier" ist eines meiner Lieblingslieder - überhaupt, nicht nur in der Show. Es kann einen zum Weinen bringen, wenn es gut performt wird und berührt zutiefst...Borchert beherrscht die Rolle mit all ihren Eigenschaften und er lässt die Zuschauer verstehen, warum sich Sarah so zu ihm hingezogen fühlt...
Ich bin gespannt, wie mir die Zweitbesetzungen gefallen werden...ich hoffe, dass auch Alexander Di Capri und Robert D. Marx den Grafen mit viel Gefühl und Gespür für die Rolle gut darstellen können.

Als Krolocks Sohn ist Marc Liebisch zu sehen. Er ist noch ein unbekannteres Gesicht der Musicalszene, aber das wird sich bald ändern, denn als Herbert ist er wirklich fantastisch.

Das Ensemble ist ebenfalls großartig. Einige für mich bekannte Namen sind dabei, aber auch ein paar neue. Die großen Ensemblenummern "Carpe Noctem" und "Ewigkeit" sind aber nur wegen der großartigen Musik ein Genuss, da die Bühne leider etwas leer wirkt. Die Choreographie (Dennis Callahan) ist toll und die Darsteller überzeugen als Trunkenbolde, Dorfbewohner und Vampire mit tollen Gesangsstimmen und in großartigen Tanzszenen.

Die Kostüme sind gut und auch das Bühnenbild verfehlt seine Wirkung nicht. Es ist so wie es sein sollte. Was mich aber ein wenig gestört hat war, dass obwohl das Publikum viel einbezogen wurde (z.B. gehen die Darsteller manchmal über den Zuschauerraum ab) war das Stück sehr nach vorne verlagert. Ich weiß nicht, ob das verständlich ist, aber für mich muss bei Tanz der Vampire das ganze Theater mit Schauer und Mysterium erfüllt sein. Für mich war dieses Gefühl nur in den Szenen, in denen die Vampire im Zuschauerraum sind bzw. auch manchmal wenn Krolock ein Solo hat spürbar...es war deswegen keinesfalls schlecht; man soll mich nicht falsch verstehen, aber es fehlt ein bisschen was...ich glaube, dass es am Sound lag...im Musicalclub-Forum habe ich gelesen, dass es wie bei einem Rockkonzert sein soll und sehr laut ist...ich hatte nicht den Eindruck. Für mich war es zu leise...wenn es ein wenig lauter gewesen wäre, dann hätte dieses schaurige Gefühl vielleicht eher seinen Weg gefunden...

Das neue Ende hat mir auch gut gefallen. So neu ist es ja auch nicht...Ich möchte nicht zu viel verraten, aber ich finde den Verweis auf die heutige Welt sehr gut und passend. Die unstillbare Gier herrscht auch in unserer Gesellschaft und wenn wir nicht bald lernen auf andere Werte zu achten, dann wird die Welt vielleicht wirklich von blutsaugenden Vampiren regiert. Ich bitte das jetzt als Metapher zu verstehen :)

Tanz der Vampire hat allerdings seit seiner Premiere an Reiz verloren. Die Inszenierung reicht nicht an früher heran - da können die Darsteller noch so viel Leistung erbringen. Es fehlt hie und da an "Sog". Durch die falsche Verlagerung kann ich nicht ganz in die Welt einsteigen. Für "Tanz der Vampire" ist dieser Faktor aber entscheidend. Weniger Ost-Block-Trash, mehr Theater-Energie und Magie wären besser.

Gegen Ende meines Beitrags habe ich noch einen Lesetipp für euch. Auf http://www.kultur-channel.at/ findet ihr einen Artikel über "Das Grauen im Ronacher". Mir ist es ein Anliegen, dass viele Leute lesen was Martin Bruny dort berichtet, denn da läuft mir wirklich der Schauer über den Rücken. Wien hat eine sehr ausgeprägte Fankultur, die so manche Grenzen überschreitet. Ich finde es eine Frechheit wenn "Hardcore-Fans" nicht wissen wo diese Grenzen sind, sich nicht entsprechend verhalten können und vollkommen auf ihr Benehmen vergessen. Der Fall, den Bruny in seinem Artikel schildert, ist erschreckend und macht mich irgendwie traurig.
Ins Theater zu gehen bedeutet für viele sich fallen zu lassen und in eine andere Welt einzutauchen. Durch solch illusionszerstörendes Verhalten, bei dem sich die "Täter" auch noch cool vorkommen, hat es wirklich seine Grenzen.
Wenn ihr schon dabei seid, dann lest euch doch auch gleich folgenden Artikel durch...ich habe sehr darüber lachen müssen, obwohl manches ja eigentlich zum Weinen wäre :)

www.kultur-channel.at/wer-eine-derniere-besucht-hat-viel-zu-erzahlen/

Kommentare:

  1. Liebe Julia, mich würde interessieren wo sie schreiben gelernt haben. Guter Stil. Übrigens bin ich nicht arrogant - es würde mich auch wundern, wenn man dies in/aus einem Interview herauslesen würde. Sind es doch immer nur Sekundenbrüche eines Lebens.
    Manchmal ist man müde, manchmal sind die Fragen einem zu uninteressant, zu banal, manchmal hat man einfach eine schlechte Phase... Mensch bleibt bekanntlich Mensch.

    In diesem Sinne.
    Herzlichst,

    Marjan Shaki

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  2. ...habe meinen ersten Kommentar unabsichtlich gelöscht, also hier nochmal :)

    @ Marjan Shaki:
    Es tut mir leid, wenn ich Ihre/deine Gefühle verletzt haben sollte, aber meistens schreibe ich einfach drauf los und dann kann so etwas passieren...schon der Kommentar zeigt, dass die genannte Charaktereigenschaft nicht zutrifft!

    Zu meinem Schreibstil...ich schreibe einfach das was ich fühle und erlebe und über das was ich liebe - Theater.

    Liebe Grüße,
    Julia

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  3. Nein, ich bin nicht verletzt. Ich stehe in der Öffentlichkeit, da muß ich wohl mit "Beurteilungen" rechnen, und wenn diese manchmal zutreffen und manchmal auch nicht. Ausgesucht habe ich mir das nicht, aber so ist es nunmal. In jedem Fall bin ich auf diese Seite aufmerksam geworden, weil mir der Stil des Schreiben aufgefallen ist, der sich von vielen anderen "Kritikern" abhebt.

    Ich wünsche Ihnen wieterhin viel Freude im und beim Theater.

    Marjan Shaki

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