Montag, 28. Juni 2010

The Rhythm of Life - Musical Forever 2 im Ronacher

Ein Abend mit Musikbeispielen aus 23 Jahren Caspar Richter bei den VBW, so könnte man das gestrige Abschiedskonzert für den Musikalischen Direktor auch bezeichnen. Es war ein Konzert mit Eindrücken aus jenen Musicals, die der Dirigent über all die Jahre begleitet hat, gespickt mit „musicalischen“ Stücken, die Caspar Richter abseits der VBW ins Herz geschlossen hat.

Warum ich hier von Musikbeispielen rede hat einen Grund, denn gekürzt wurde an allen Ecken und Enden. Ein Abend dieser Art kann nicht ALLES bringen, er muss es auch nicht, hat es auch nicht. Ob es allerdings eine gute Idee war einfach große (und wichtige) Teile einzelner Songs ganz herauszunehmen, anstatt wirklich nur Ausgewähltes zu präsentieren ist fraglich. Der Großteil des Publikums erwartet sich wahrscheinlich "musicalische Gassenhauer“ und mit diesem Konzept wurde der Wunsch sicher auch bedient. Für mich hieß dies aber auch, dass wenig Gefühl und Stimmung in den einzelnen Darbietungen entstehen konnte. Es wurde einfach ein „Hit“ nach dem anderen herunter gesungen, teilweise auch ineinander übergehend - es fühlte sich oft wie "heruntergespult" an. Naja, vielleicht nicht immer Hits, denn auch bei der Songauswahl haperte es ab und zu. „Golf“ aus Rebecca und „Die Welt ist völlig irr“ aus Jekyll & Hyde? Da wären mir bessere Nummern eingefallen - auch abseits der „Altgekannten“… Für das „Heruntersingen“ trifft die Künstler jedenfalls keine Schuld, denn diese haben mich allesamt wieder einmal beeindruckt – angefangen von Rob Fowler, über Lisa Antoni bis zur großartigen Carin Filipcic. Ihren Performances hat an nichts gemangelt, doch leider hatten sie nicht genug Zeit die Songs voll und ganz auszukosten. Von Anfang bis Ende. Jeden Ton, jedes Wort.

Krass der Gegensatz zu den durchgesungenen Nummern, die einfach eine ganz andere Wirkung hinterließen. Vor allem „A World of Wonder“ aus Sophie’s World blieb mir nachhaltig in Erinnerung. Wundervoll interpretiert von Marjan Shaki, die mit viel Gefühl den eher unbekannteren Song performte. Ein Song der ins Herz ging.

Als Rechtfertigung dieser Art von Präsentation fällt mir nur ein, dass es ein Abend war, um Caspar Richter zu huldigen und ihn in seine neue Aufgabe zu entlassen. Zu diesem Zweck hat man also Erinnerungen heraufbeschwört. Melodien aus all den Jahren, aus Musicals die uns allen ans Herz gewachsen sind. Es ging um die Person und sein Orchester, die Songs sollten nicht unbedingt im Mittelpunkt stehen. Wenn man das gestrige Konzert aus diesem Blickwinkel betrachtet, kann man sich mit dem etwas abstrusen Konzept abfinden.

Die Schmankerln des Abends waren für mich vor allem die Songs, die in ihrer vollen Länge präsentiert wurden. Dazu gehörten für mich „I love a piano“ (Thomas Borchert), „Gethsemane“ (Rob Fowler), "Gabriella’s Song" (Carin Filipcic und Ensemble), „Das Phantom der Oper“ (Borchert, Antoni - ein Song der mir normalerweise leicht auf die Nerven gehen kann, nicht bei dieser Performance), „I can cook too“ (Carin Filpcic) und das großartige „Rhythm of Life“ aus Sweet Charity, ein Song der mich bis jetzt als Ohrwurm verfolgt. Aber auch das altbekannte "Conga" aus Bernstein's Wonderful Town mit Publikumseinlage darf man nicht vergessen.
Ein paar der „Collagen“-Songs hatten es ebenfalls in sich. Manche aufgrund der „anderen“ Auswahl, manche aufgrund der Künstler. Hier zählen u.a. „Der doppelte Schwur“ (Fowler, Borchert), „Gold von den Sternen“ (Filipcic), „Ohne Sie“ (Shaki, Perman),„Ich hab geträumt von Manderley“ und „Rebecca“ (Antoni, Filipcic). Wirklich schön.
Eine besonders nette Darbietung war auch „Totale Finsternis“, mit Lachkrampf und überraschendem Ende. Herrlich erfrischend!

Traurig war, wie „Rudolf“ in die Ecke verbannt wurde. Es wurde wie ein Stiefkind behandelt. „Du hast dich nicht ordentlich benommen, jetzt stell dich in die Ecke und komm nie wieder raus“, so könnte man das vielleicht auch ausdrücken. Traurig, wirklich traurig. Es scheint, als würden die VBW dieses Musical aufgrund des fehlenden Erfolgs, nicht mehr „sehen“. Es hat wunderbare Lieder und wurde viel zu wenig bedacht. Ein kurzer Walzerschritt und ein gekürztes „Vertrau in uns“ war alles. Schade.
Musicals wie "Wake Up" und "Barbarella" hat man gleich ignoriert, "Chicago" und "The Producers" auch eher abgeschoben.

Auch was die Anmoderation betrifft, hatte Rudolf keine guten Karten. Peter Fröhlich, derzeit in IWNNINY auf der Bühne, übernahm die Moderation des Konzerts und erfüllte diese Aufgabe eigentlich auch ganz gut. Ein paar Kommentare hätte er sich aber sparen können, da mehr als unpassend. An manchen Stellen etwas zu lang und zu ausschweifend, aber doch charmant und herzlich führte er durch den Abend.

Zu den Künstlern muss ich eigentlich nicht viel sagen, sind sie uns in Wien über die Jahre bekannt. Erfrischend anders allerdings, dass einmal kein Uwe Kröger auf der Bühne stand…

Lisa Antoni hat abseits von Rudolf bewiesen was sie auf dem Kasten hat. Beeindruckend. Ebenso Marjan Shaki und Carin Filipcic, die beide mit viel Gefühl und Freude performt haben. Es ist auch immer schön (bei onzerten) ein wenig mehr Mensch als Rolle zu sehen.

Auch die Herren waren eine sympathische kleine Truppe :) Rob Fowler wirkte zunächst zwar etwas steif und unsicher, aber der Mann hat eine Stimme, da bleibt einem der Mund offen. Auch Lukas Perman konnte überzeugen und zu Thomas Borchert muss ich eigentlich nichts mehr sagen. Er stellt sich hin und singt, konzentriert, mit gutem Ausdruck und großartiger Stimme. Nie verspürt man Angst er könnte einen falschen Ton singen. Das Ensemble führt meist in die „Collagen“ ein und war bemüht die richtige Stimmung aufkommen zu lassen. Sie hatten es dabei schwer, gaben aber ihr Bestes und waren mit viel Freude bei der Sache. Mit dabei: Daniela Harbauer, Martin Planz, Nina Weiss, Esther Mink, Barbara Obermeier, Fernand Delosch, Kai Hüsgen und Max Niemeyer. Die Choreographie stammte übrigens von Jérôme Knols. Sie hat ihren Zweck erfüllt, war nicht unbedingt herausragend, aber gut auf den kleinen Raum zugeschnitten und hat funktioniert.

Am Schluss durften natürlich die Reden und Ehrungen nicht fehlen. Kathrin Zechner ließ es sich nicht nehmen des Öfteren auf ihre Probleme mit Richter zu sprechen zu kommen, letzten Endes kam dann aber doch eine nette, freundschaftliche Rede heraus.

Es war ein Abend, der trotz vieler „Fragmente“ Spaß gemacht und Freude verbreitet hat. Die Künstler hatten Spaß, das Publikum auch. Nicht zuletzt weil unter den Zuschauern viele Künstler waren. Viele, die sich kennen, die Caspar Richter kennen und mit ihm zusammen gearbeitet haben. Ein schönes Gefühl. Ein durchaus gelungenes „Tribute“ für einen großartigen musikalischen Direktor und Dirigenten. Jetzt der erste Ehrendirigent der Vereinigten Bühnen Wien.

*Image via

Kommentare:

  1. danke für die zusammenfassung!
    leider konnte ich nicht dabei sein...

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  2. Gerne! ;)

    Das Konzert wird angeblich in Brno nochmal aufgeführt, um die Ära Caspar Richter dort einzuläuten...falls man es unbedingt doch noch sehen möchte :)

    Liebe Grüße,
    Julia

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  3. Ein Beitrag über den gestrigen Abend wird heute um 17:40h im ORF ("Sommerzeit") gesendet!

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  4. Ein toller Artikel, treffend wie immer. Eigentlich decken sich unsere Eindrück fast zur Gänze. *g*

    War die Anmoderation für "Rudolf" eigentlich ernst gemeint? Mir hat nur noch der Zusatz gefehlt: "Und weils eh so schlecht war samma froh dass es weg is, jetzt gemma alle brav nach NY!"

    Mich hats übrigens gefreut Rob Fowler wieder mal zu sehen. Er ist echt eine "Rampensau" im positivsten Sinn. ;-)

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  5. Treffend beschrieben!
    Nur in einem Punkt sind wir unterschiedlicher Meinung: Gerade jemand wie Uwe Kröger hat -meiner Meinung nach- gefehlt. Immerhin hat er zusammen mit Caspar Richter 3 Welturaufführungen erlebt und hätte garantiert noch die ein oder andere Anekdote zum Besten geben können. Wie oft hat dagegen ein Rob Fowler mit C.R. zusammengearbeitet (wobei ich hiermit seine großartige Leistung nicht schmälern will). Auch Marjan, Lucas und Lisa verkörperten eigentlich nur die letzten Jährchen. Mir haben an dem Abend eindeutig die Leute gefehlt, die mit C.R. vor 20 Jahren begonnen haben. Und irgendwie auch Peter Weck....schließlich haben die Beiden zusammen Wien zu einer Musical-Metropole gemacht, bzw. den Grundstein dazu gelegt.

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  6. ...von dieser Perspektive aus hast du in puncto Uwe Kröger Recht!
    War Peter Weck nicht mal im Publikum? Schade, wenn nicht...hab ihn jedenfalls nicht gesehn - er hätte schon dazu gehört :)

    Danke für deinen Kommentar!

    Liebe Grüße,
    Julia

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