Mittwoch, 20. Januar 2010

Workshop Präsentation: Ein Leben ohne dich

Gestern hatte ich die Möglichkeit bei etwas ganz Besonderem dabei zu sein. Die letzten zwei Wochen haben Carin Filipcic, Rory Six und Martha Leigh Klinger und das Creative Team rund um "Wenn Rosenblätter fallen" einen Workshop abgehalten und das Stück, jetzt unter dem Titel "Ein Leben ohne dich" erarbeitet und weiterentwickelt.
Die letzten zwei Tage wurde dann das Ergebnis präsentiert. Obwohl oft betont wurde, dass sich das Musical noch in Arbeit befindet und die Proben nur 14 Tage gedauert haben, war die Präsentation sehr professionell und beeindruckend.
Die Studioaufnahme von "Wenn Rosenblätter fallen" - der Titel gefällt mir besser als "Ein Leben ohne dich" - besitze ich schon länger, aber das Musical zu erleben ist etwas ganz Anderes. Da beginnen die Songs zu leben und man kann sie besser fühlen.
Ich bin gestern so erfüllt und tief berührt aus dem Raimund Theater gekommen und habe mein Glück kaum fassen können, so etwas Großartiges miterlebt zu haben. Aufgeführt wurde die Workshop-Präsentation auf der Bühne des Raimund Theaters in einem sehr intimen Rahmen. 3 Musiker, 3 Darsteller, das Creative Team, Techniker und ein kleines Publikum (bestehend aus Darstellern und Musicalinteressierten)...eine ganz besondere Atmosphäre!

Kurz zum Inhalt - der ist schnell erzählt. Es geht um den 19jährigen Till, der seiner krebskranken Mutter - auf ihren Wunsch hin - Strebehilfe leistet. In Episoden erfährt der Zuschauer von Tills Kindheit, dem Verhältnis zu seiner Mutter und deren Krankengeschichte. Rose, Tills Mutter, stirbt und Till zieht in ein Studentenheim, wo er Iris kennen- und später auch lieben lernt. Sie erinnert ihn stark an seine Mutter und oft hält Till das nicht aus und zieht sich zurück. Die Trauer ist zu groß und Schuldgefühle mischen sich mit Wut. Doch Iris, die mit einem sehr fröhlichen Gemüt gesegnet ist, gibt nicht auf und schließlich gelingt es Till sich Iris anzuvertrauen - er lebt wieder. Vergangenheit und Gegenwart, Tod und Leben, Weinen und Lachen gehen ineinander über und bilden ein harmonisches, berührendes Ganzes. Die Übergänge zwischen den Zeiten sind sehr gut und man hat keine Probleme den Zeitsprüngen zu folgen. Besonders sind auch die Momente wenn die tote Mutter oder auch die Mutter der Vergangenheit Iris und Till zusammen sieht...nicht zuletzt durch die großartige Performance von Carin Filipcic, doch dazu noch später.

Obwohl das Musical vom Sterben handelt und deswegen auch traurig ist, gibt es zahlreiche lustige Momente und manchmal findet man auch in der Tragik ein wenig Humor. Wenn man vom Tod redet, schließt das das Thema Leben immer mit ein. Es ist nun mal nicht trennbar und dieses Musical zeigt dies.
Ich finde es sehr mutig und gleichzeitig gewagt ein Musical über Sterbehilfe bzw. die Auseinandersetzung mit dem Tod zu schreiben. Es ist ein aktuelles Thema und wird leider wenig adressiert. Ja, es ist oft sogar ein Tabuthema - was es nicht sein sollte.

Rory Six (Musik) und Kai Hüsgen (Texte, zusätzliche Texte: Ellen de Clercq) haben ein intimes, berührendes Werk geschaffen dem unbedingt Beachtung geschenkt werden sollte. Die Musik ist sehr vielfältig - mal rockig, mal ganz zurück genommen. Die Texte ehrlich und berührend. Die Dialoge herzlich und echt. Rundum gelungen. Die wenigen Requisiten, die zur Verfügung standen, wurden gut eingesetzt. Dieses Musical braucht eigentlich nicht viel mehr, denn reduziert wirkt es, glaube ich, am besten. Regisseur Dirk Schattner hat viel aus dem Stück herausgeholt und mit einfachen Mitteln gekonnt inszeniert.

Rory Six hat Till selbst gespielt und man konnte ihm die Rolle des 19-Jährigen, so wie die Rückblicke in der Kindheit gut abnehmen. Ihm ist das Stück schon sehr vertraut und er gibt sich der Rolle wirklich ganz hin, es war wirklich schön zu sehen.
Leigh Martha Klinger ist als Iris wirklich aufgeblüht. Sie war sehr überzeugend und einfach nur reizend. Auch sie war ganz in ihrer Rolle. Sie und Rory wirken wie ein eingespieltes Team :)
Dass Carin Filipcic so einiges drauf hat dürfte wohl jedem Musicalfan (aus dem deutschsprachigen Raum) klar sein. Sie hat eine großartige Stimme und auch schauspielerisch wahnsinnig viel drauf. Wer sich bei Letzterem noch nicht ganz sicher war, der hätte sich jetzt davon überzeugen können. Wie sie die krebskranke Mutter gespielt hat...einfach unbeschreiblich. Mir fehlen da die Worte. Man hat ihr alles abgenommen. Es war so echt. Einfach genial und tief berührend. Mir kommen jetzt noch die Tränen...

Das Besondere an Musicals ist für mich immer die Möglichkeit Gefühle in Songs auszudrücken. Man erfährt so von der Gefühlslage verschiedener Charaktere und kann besser verstehen, was sie zu ihren Handlungen/Verhalten bewegt...
Bei der Präsentation wurden Fragebögen ausgeteilt, um "bei den nächsten Schritten der kreativen Reise zu "helfen" (Programmheft)...u.a. wurde gefragt mit wem man sich am besten identifizieren kann...eine schwere Frage, denn ich konnte jeden verstehen. Ich habe Till angekreuzt, aber wenn man sich in die Charaktere hineindenkt und sich mit ihnen auseinandersetzt, dann kann man jeden verstehen und mitfühlen. Das ist das Interessante, Besondere!
"Ein Leben ohne dich" bzw. "Wenn Rosenblätter fallen" ist klein, aber fein. Ein ganz besonderes Musical. Ich hoffe, dass es in naher Zukunft zu einer wirklichen Aufführung kommt, damit sich mehrere Menschen an diesem kleinen Wunder erfreuen dürfen. Ich drücke fest die Daumen.

CD: Wenn Rosenblätter fallen. Pia Douwes, Thomas Hohler und Lucy Scherer. SOM - Sound of Music.

Kommentare:

  1. Hier findest du einen Bericht mit Fotos:
    http://www.havlik.de/Dies%20und%20das/Berichte/Sonstiges/DNickel/LebenOhneDich/EinLebenOhneDich.htm

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  2. Vielen Dank für den Link! Hatten ähnliche Eindrücke wie ich dem Bericht entnehmen kann :)

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