Sonntag, 8. August 2010

3 Musketiere - Felsenbühne Staatz

Open Air Veranstaltungen haben ihre Vor- und Nachteile. Zum einen hat man die Möglichkeit ein Stück „großräumig“ aufzuziehen, sprich ein Bühnenbildwechsel findet kaum statt, dafür kann man wie in „3 Musketiere“ ein Gasthaus, eine Kirche, ein Schloss und ein Dorf konstruieren und so eine ganz eigene Wahrnehmung erzeugen. In einem größeren, offenen Raum gibt es aber auch das Problem, dass vieles einfach verpufft. Statisten und eine gute Schauspielleistung von Ensemble und Hauptdarstellern sind quasi Voraussetzung, um dies zu verhindern – die Luft muss gefüllt werden. Die Staatzer Produktion von „3 Musketiere“ bedient sich den Möglichkeiten, kann aber den Schwung der Show nicht perfekt umsetzen. Ab und zu kommt es zum Stocken und das rasante Abenteuer der Musketiere wird ein bisschen gebremst. Wirklich schlimm ist das nicht, denn viel kann durch die großartigen, jungen Darsteller wieder aufgehoben werden. Ein wenig mehr Rhythmus des Showablaufs wäre aber wünschenswert gewesen.

Die Atmosphäre in Staatz stimmt. Das Bühnenbild fügt sich gut in die Kulisse ein und ermöglicht dem Publikum sich in das 17. Jahrhundert fallen zu lassen. Mögen die Kostüme der weiblichen Hauptrollen auch etwas kitschig und billig aussehen, die Musketiere tragen blau und sehen authentisch aus. Hosen in vier verschiedenen Brauntönen ermöglichen den Zuschauern Athos, Aramis, Porthos und D’Artagnan von den übrigen der königlichen Garde zu unterscheiden – eine gute Idee.
Die 3 Musketiere werden von Christoph Apfelbeck (Athos), Bernd Kainz (Aramis) und Rupert Preißler (Porthos) gespielt und geben ein überaus sympathisches Trio ab. Die Chemie zwischen den Dreien scheint zu stimmen und das vermitteln sie auch. Sie sind witzig, charmant, tapfer, treu, mutig, ein bisschen chaotisch und wahre Freunde. Es macht Spaß ihnen beim Spielen zuzusehen. Christoph Apfelbecks „Engel aus Kristall“ klingt einwandfrei und auch die „Einer für alle und alle für einen“-Passagen der drei Musketiere überzeugen. Jeder der drei Darsteller verleiht seinem Musketier eine individuelle Note, das ist schön zu sehen.

Der Star der Show heißt Christof Messner, nicht nur weil er die Hauptrolle spielt. Mit jeder Faser seines Ichs ist er D’Artagnan. Für die gesamte Dauer des Stücks. Solch eine Hingabe sieht man äußerst selten, wirklich bewundernswert. Messner spielt sehr natürlich, ehrlich und es gelingt ihm perfekt jede einzelne Emotion auf das Publikum zu übertragen. Gänsehaut und Tränen inklusive. Wenn ich Christof Messner singen und schauspielen sehe, wirkt es auf mich irgendwie befreiend. Man kann sich in seine Performance fallen lassen, denn er führt einen sicher durch die Geschichte.

D’Artagnans Gegner sind Werner Auer als Kardinal Richelieu und Sebastian Brandmeir als Rochefort. Beide spielen ihre Parts sehr gut. Der Intendant singt sehr sicher und überzeugt u.a. in „Nicht aus Stein“ und „Glaubt mir!“. Eine Überraschung war für mich Brandmeir als Rochefort, den ich mir zunächst nicht wirklich in der Rolle vorstellen konnte. Er gibt den kampfwütigen Intriganten wirklich gut und spielt mit viel Leidenschaft. Die Fechtszenen mit den Musketieren sind gut choreographiert (Eva Klug) und das junge Ensemble fällt was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Verluste (in diesem Fall Verletzungen). Durchaus beeindruckend! Amüsant war für mich auch zu sehen, wie lange man Witze über ein fehlendes Auge machen kann – sehr oft! Das Publikum lacht sich noch beim x. Mal schlapp.

Bei den weiblichen Hauptrollen gibt es leider ein wenig auszusetzen. Simone Niederer muss ich dabei ausnehmen, denn ihre Milady de Winter war wirklich fantastisch. Obwohl ihre Stimme sie an diesem Abend ein wenig im Stich gelassen hat (zumindest im ersten Akt), konnte sie eine gelungene Gesamtperformance abliefern. Auch sie spielt sehr authentisch und gefühlvoll. Etwas enttäuschend waren allerdings Eva-Maria Gugganeder als Constance und Julia Tiecher als Königin Anna. Erstere war stimmlich nicht immer auf der Höhe und ließ einige Unsicherheiten spüren. Sie gab die Constance sehr kindlich, aber durchaus frisch und natürlich. Leider wurde Constances „Gott lächelt uns zu“ gestrichen. Alles in allem war ihre Performance doch mehr als okay. Julia Tiecher konnte als Königin Anna im ersten Akt leider gar nicht überzeugen. Sie wirkte sehr hölzern. Im zweiten Akt taute sie jedoch bald auf und zeigte in der Kapellen-Szene mit dem anschließenden Song „Kein geteiltes Leid“ was sie drauf hat. Hier hat sie deutlich dazugewonnen, leider etwas zu spät.

In kleineren Rollen konnten auch Oliver Liebl als Conférencier, Korbinian Reile als Herzog von Buckingham und Christian Schild als James überzeugen. Vor allem Schild hat viele Lacher auf seiner Seite, er spielt wirklich gut. Alexander Eschig (König Ludwig XIII) verblasst leider ein wenig.

Werner Auer besetzt in seinen Inszenierungen vor allem junge Darsteller, oft noch in Ausbildung oder kurz nach Abschluss. Ich finde dies eine große Chance für die Darsteller und auch ein Genuss für das Publikum, denn das Ensemble ist überaus spielfreudig und leidenschaftlich bei der Sache. Es war mein erster Besuch in Staatz und das Wetter hat gehalten. Nächstes Jahr wird AIDA inszeniert und ich bin schon sehr gespannt. So fern nichts dazwischen kommt, werde ich wieder dabei sein. Die Felsenbühne Staatz ist nämlich wirklich einen Besuch wert.

Bis 14.8.2010 ist „3 Musketiere“ noch zu sehen – es sind jedoch nur mehr Restkarten an der Abendkassa (ab 18:30) erhältlich. AIDA feiert am 22. Juli 2011 Premiere.

Kommentare:

  1. Nach diesem Bericht tuts mir gleich doppelt leid, dass ich bei meinem Musketier-Termin krank war. :(

    @Rückmeldung zum Blog: Ich finde ihn sehr gut so wie er ist und setze auch gerne mal einen Link hierher wenn ich zu faul bin, selbst Rezensionen zu schreiben. Allerdings wäre ein Kalender mit Veranstaltungshinweisen wirklich was Feines. :]

    LG

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  2. Danke! :)

    Werde mich bemühen einen Kalender zu erstellen!

    Liebe Grüße,
    Julia

    P.S.: Kann man deine Rezensionen irgendwo lesen?

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  3. Ich durfte die Schlussvorstellung am 14.08.2010 sehen. Herzlichen Dank und Gratulation an die Verantwortlichen! Tolles Bühnenbild, schöne Kostüme, super Lichtkulisse.

    Auch der gesamten Cast kann man nur gratulieren!!! Natürlich bemerkt man Unterschiede zu Weltstars wie Pia Douwes - no na - jedoch schafften vor allem Christof Messner (D’Artagnan) und Christoph Apfelbeck (Athos) wundervoll, Gänsehaut-Athmosphäre zu schaffen. Absolutes Darsteller-Highlight für mich: Werner Auer als Kardinal Richelieu.

    Achja, das positive dran, wenn man keinen Weltstar verpflichtet ist natürlich auch die Preissituation. Tickets 32-36 Euro schwerstens okay, Programmheft 3,80 Euro. Und dazu ein sehr kundenfreundliches Gelände.

    Mein persönliches Fazit:
    JEDERZEIT WIEDER!

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  4. Zu deiner Frage: Weil ich eben so faul bin, schreib ich keine Rezensionen. Meistens bleibt es bei ein paar schnell hingeworfenen Eindrücken und Gedanken in meinem "Stammforum". ;-)

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