Samstag, 18. September 2010

Musical Rocks! – Museumsquartier, Halle E

Was als „The Rock Musical Multimedia Sensation“ angepriesen wurde, war weniger Sensation, als Reinfall. Leider, denn bei der Riege an bekannten Darstellern habe ich mir mehr erwartet. Es liegt nicht zu sehr an ihnen, das Konzept und die Umsetzung stimmen einfach nicht. Man erwartet bessere Qualität als die x-te „Best of Musical“-Tourneeproduktion, wird jedoch trotz des guten Ensembles enttäuscht. Kein Flair, nur volle Lautstärke und das Herunterspulen der Hits.

Überzeugen konnte mich eigentlich nur die Popversion von „The Impossible Dream“, dargeboten von Mathias Edenborn, Serkan Kaya und Vincent Bueno, die sich auch selbst mit Gitarren begleitet haben. Eine gute neue Interpretation des Songs und einmal etwas Neues. Der einzige Darsteller, der wirklich die Bühne gerockt hat war Serkan Kaya. Auch wenn er nicht unbedingt in die Rollen des Grafen Krolock oder des Phantoms passt (zumindest nicht in dieser Show), die meiste Zeit hatte er einfach Spaß auf der Bühne und das hat man gemerkt.

Teilweise hat „Musical Rocks“ leider wie eine Laienproduktion gewirkt. Nicht eingespielt, Licht nicht im Griff, die In-Ears machten sich die meiste Zeit selbstständig und boten anscheinend auch den Darstellern nicht den perfekten Sound,… Ich verstehe schon, dass es schwer ist, eine Show auf die Beine zu stellen, wenn so viele Darsteller zusammenkommen, die im Moment ganz woanders ein Engagement haben und es deswegen nicht viel Zeit zum Proben gibt - aber ohne Bemühen wird das leider nichts. Mathias Edenborn wirkte unsicher und nicht ganz präsent; Jessica Kessler stieß regelmäßig mit dem Tanzensemble zusammen – ja, kann passieren, aber es wirkte einfach alles ein wenig unkoordiniert und wackelig (ihr „Xanadu“ war aber ganz nett).

Nadine Schreier und Anke Fiedler, keine Frage, auch sie haben großartige Stimmen. Aber stellenweise war es mehr Geschrei als Melodie. Rock heißt nicht gleich schreien und laut. Vincent Bueno verriss der "Circle Of Life", trotz seiner Bemühungen. Es klang schrecklich. Das ständige Beatboxen war leider auch an der falsche Stelle. Es nervte ab einem gewissen Zeitpunkt. Wenigstens war er locker bei der Sache...

Tja, was wurden denn noch so gesungen?
Der Opener? Time Warp – okay, nicht der typische Opener, aber gut, es war nicht schlecht. Lady Marmelade – naja, wirklich? Let the sunshine in – mit einem Publikum-Animierversuch, der eher peinlich war, als gute Stimmung machte, Totale Finsternis, The Beauty and the Beast, Der letzte Tanz, She’s like the wind und The Time of My Life, Don’t Cry for me Argentina – die Schlager halt. Achja, und ein überraschend langer High School Musical-Block. Keine schlechte Idee, allerdings wirkte es eher unpassend. Viele der Musicalsongs wurden „verhunzt“, klangen einfach nicht mehr gut. Teilweise war es wirklich dem Genre unwürdig.

Leider muss ich zugeben, dass der Schluss das Beste am ganzen Konzert war. Nicht nur weil man wusste, dass es gleich vorbei sein würde, sondern auch weil dann endlich die Songs gesungen wurden, zu denen das Konzept passte – die Jukebox-Musicals „We will rock you“ und „Mamma Mia“.

Die versprochenen Visual Effects, die wichtiger Bestandteil der Show sein sollten, waren leider auch enttäuschend. Die Bühne wirkte steril und das konnte nicht durch irgendwelche, mittelmäßigen (manchmal lächerlichen) Projektionen aufgehoben werden. Ganz nett, die kurze Intervieweinspielung vor der „Flashdance“-Sequenz.

Durch die enorme Lautstärke hat man vielleicht versucht die Leere auf der Bühne zu kompensieren, aber leider ist dies nicht gelungen. Der Sound war gut (MG-Sound), die Übergänge zwischen den Songs okay. Wieder wurde einiges nur angeschnitten und zusammengemischt. Ein Phantom, das in Elisabeth übergeht – wirklich? Muss das sein? Das war leider kein genialer Einfall, sondern eher komisch und verwirrend. Das Tanzensemble kann allerdings gelobt werden. Sie waren engagiert bei der Sache, Conchita Zandbergen stach sehr positiv hervor. Die Choreographie von Doris Marlis wirkte ab und zu etwas uninspiriert, war aber im Großen und Ganzen doch ganz gut.

Ich habe leider auch kein Rezept oder einen Lösungsvorschlag für Musical-Galas parat, aber so bitte nicht. Da lob ich mir doch den netten Abend im Stadttheater Klagenfurt bei „Broadway Melody“, so sollte es am ehesten sein – außerdem zu halbwegs vernünftigen Preisen. Ich ärgere mich nämlich jetzt noch so viel Geld dafür ausgegeben zu haben. Über 50 Euro für 110 Minuten mittelmäßige Unterhaltung – eine Frechheit!

Kommentare:

  1. ich mag dieses "wirklich" :-)

    AntwortenLöschen
  2. Hallo :)

    Auweia, scheint ja wirklich ein kleines Disaster gewesen zu sein.
    Was Broadway Melody angeht. Ich hab mir es auch angeschaut und hab mir gedacht hoffentlich is es nicht die 100 Kopie von XX etc..... Und von BM hatte ich auch so einen ähnlichen Eindruck wie du. Es war erfrischend so verschiedene Songs, alte und neute gemixt, zu erleben und das zu einem Preis der absolut ok war.
    lg
    sabine

    AntwortenLöschen
  3. Leider muss ich deiner Kritik zustimmen. In weiser Voraussicht hab ich mir aus Geldersparnisgründen ein Ticket ziemlich weit hinten zugelegt (immer noch 44 Euro!) und versuche mir jetzt einzureden, dass ein paar gute Ansätze und ein gut aufgelegter, spielfreudiger Serkan Kaya, diese Ausgabe rechtfertigen. ;-)

    Immerhin find ich das Konzept noch immer interessant.

    AntwortenLöschen
  4. Hallo!
    Für mich war die Musik einfach nur zu laut (Ich mag laute Musik). Bzw. war das für mich ein Grund warum die Darsteller so schreien mussten. Das Micro von kayan war im zweiten Teil so schlecht eingestellt, dass man ihn einfach nicht hören konnte (lag vielleicht auch an der zu lauten Musik)
    Vincent war für mich sehr erfrischend anzusehen. Eine Bereicherung.
    Die Komposition des Ganzen war sehr frech und eine gute Mischung zwischen althergebrachtem und moderne.
    Kayan musste auch kein Krolok sein, denn hier wurde eine andere Facette des Vampir Highlights gegeben. Hier wurde die Lust und das Frauwerden dargestellt, und das sogar sehr gut. Wenn man Borchert verwöhnt ist war es nicht so leicht, aber ich habe versucht das Lied aus der Distanz zu sehen und die Darstellung hat mir gefallen.
    Bei Evita, bekam ich die Gänsehaut (Diese Frau hat eine Wahnsinns Stimme).
    Vielleicht hätte ich mir den zweiten Tag ansehen sollen, vielleicht wären da weniger Abstimmungsprobleme passiert. (Microfehler) vielleicht....
    Alles in allem war es doch ein netter Abend.

    AntwortenLöschen
  5. Danke für eure Kommentare!

    Wahrscheinlich ist die Vorstellung am Sa besser gewesen, die gröbsten Fehler konnten vielleicht ausgemerzt werden...

    Wer weiß, vielleicht braucht das Konzept und die Umsetzung noch ein, zwei Jahre Überarbeitung bis es dann passt :D

    AntwortenLöschen
  6. ich muss leider zustimmen! Es war einfach nur grottig! Sowohl der Gesang, die Technik, die Tänzer, als auch die Hauptdarsteller, die meistens den Eindruck machten als würde gerade eine Probe laufen und nicht die x-te vorstellung - vorallem was die choreographie angeht! Ich habe mich so fremdgeschämt und mir überlegt wie man unter so eine Produktion nur seinen Namen setzen kann und die Truppe auf so einem Level losziehen lassen kann?! Und das aller schlimmste fand ich denteil des Publikums, welches gejubelt hat. Das einzige was mir die ganze zeit durch den kopf ging war die Frage: Wie kann man nur einen so niedrigen musikalischen und vorallem künstlerischen Anspruch an eine solche Show haben?!
    FAZIT: Eine einzige Enttäuschung! Und wirklich keinen Euro wert...

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...