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Sonntag, 12. August 2012

Titanic - Felsenbühne Staatz


Mein neues Lieblingsmusical ist „Titanic“ nicht. Die CD habe ich schon etwas länger im Regal stehen, aber wirklich oft gehört habe ich sie nicht – irgendwie greift da bei mir wenig. Die großen Ensemblenummern sind toll, wiederholen sich aber, die Schnulzsongs dazwischen, teilweise viel zu kitschig. Wie dieses Musical 1997 fünf Tony Awards (u.a. Best Musical) gewinnen konnte bleibt mir ein Rätsel!

Dennoch bin ich froh, dass ich diesen Sommer die Möglichkeit hatte „Titanic“ live in Staatz zu sehen. Das Bühnenbild ist imposant und die Felsenbühne ideal für den Schauplatz des Stücks. Sogar einen „realen“ Eisberg sieht man da vor sich.
Genau hundert Jahre nach dem schrecklichen Unglück der „unsinkbaren Stadt auf dem Meer“ ist die Geschichte immer noch tragisch und aktuell – das klar zu machen, schafft das Musical allerdings. Viel mehr nicht, aber vielleicht war genau das die einzige Intention.

Tiefgang sucht man vergebens, keiner der Charaktere hat die Chance wirklich hervorzutreten, „mehrdimensional“ zu werden. Nur die „Titanic“ selbst ist wirklicher Protagonist - sie ist Schauplatz, Hauptdarstellerin, Zentrum.
In Staatz setzt man wie eh und je auf junge Musicalstudenten und –absolventen. Hier kann man sehen, was die Zukunft bringt. In diesem Musical ist das aber leider etwas schwer, denn die Figuren lassen nicht viel Raum, allerdings müssen einige Herausforderungen bewältigt werden:  

-       Was die Menschen in diesem Musical angeht, kommt leider vieles zu kurz. Als Darsteller muss ich mit dem Wenigen arbeiten, das mir hier zur Verfügung steht und meinen Charakter in wenigen Worten, Gesten, etc. bestmöglich herausarbeiten

-        Dann kommt der Faktor der Freilichtbühne hinzu, die Zuschauer sind alle weit weg. Mimik und Ausdruck in Augen etc. hat also wenig bis keine Wirkung – heißt: ich muss alles über meine Stimme und die Bewegung erzählen.
Einige meistern diese Herausforderungen, werden aber trotzdem immer wieder vom Stück erdrückt – ich empfinde es jedenfalls so. Mir fehlt der Raum für die Charaktere, mir fehlen die Menschen. Vielleicht ist es aber einfach nur nicht „my kind of musical“.

Die Tragödie wird erzählt, dazwischen erfährt man etwas über die unterschiedlichen Passagiere der Titanic, gerade so viel um am Ende betroffen zu sein. Das gelingt auch in Staatz. Die Stage- und Toneffekte sind perfekt eingesetzt, um den Untergang des Schiffs direkt vor sich miterleben zu können. Am Ende: Lichterkreuze für die Opfer – ein wunderschönes Bild.
Wenn man sich wenigstens mehr auf die paar Charaktere konzentriert hätte, die am „zuänglichsten“ erscheinen, weil man sich mit ihnen identifizieren könnte. Ob dann die meisten anderen nur „angeschnitten“ werden, wäre dann wahrscheinlich egal. Gerade Offizier Murdoch, Funker Bride, Heizer Barrett und dritte Klasse Passagier Kate (u.a.) hätten etwas mehr „Ausarbeitung“ vertragen – das sind (für mich) die Charaktere, die mich noch mehr in die Geschichte ziehen würden.

Johannes Nepomuk, Oliver Liebl, Philipp Büttner und Caroline Zins schaffen es jedoch diese Charaktere zum Leben zu erwecken, und zwar so, dass man gerne mehr von ihnen erfahren würde – doch leider steht ihnen da das Stück selbst im Weg.
Die Lacher hat Tanja Petrasek auf ihrer Seite. Als Alice Beane, Passagierin der 2. Klasse, die sich gern unter die Reichen und Schönen mischt, oder diese zumindest mit einem Fernglas leidenschaftlich gerne beobachtet. Mit ihrem „gschaftigen“ Gang und ihrer Körpersprache positioniert sie ihre Figur gleich von Anfang an perfekt. Rupert Preißler steht ihr als Ehemann Edgar zur Seite und auch er vermag es seinen Charakter bestmöglich darzustellen. Man kauft ihm ab, dass er seine Frau sehr liebt – auch wenn sie unglaublich anstrengend ist und ihm sicher oft auf die Nerven geht. Beide harmonieren sehr gut miteinander, es ist eine Freude ihnen zuzusehen!

Michael Konicek, Manuel Heuser, Philipp Dürnberger, Steven Klopp, Alixa Kalaß, Angelina Nigischer-Traxler und Nico Schweers spielen ebenfalls mit Pathos, stoßen aber immer wieder an die Grenzen des Stücks, das einfach nicht mehr zulässt.
Auch Werner Auer als Schiffsarchitekt Andrews und C.A. Fath als Kapitän machen sich ebenfalls gut in ihren Rollen, beide sind sehr präsent.

Was leider das Gesamtbild stört – wenn man jetzt ins Detail geht: der aufgemalte six pack von Barrett (wenn schon gemalt, dann etwas naturalistischer bitte!), die Perücken der irischen Frauen – Caroline Zins, Alexandra Kloiber und Karolin Konert mussten mit roten Perücken herumlaufen, die einfach nur „aufgesetzt" und falsch wirken (nicht alle Iren haben rote Haare, da hätte man ruhig die Darstellerinnen mit ihrer natürlichen Haarpracht spielen lassen sollen) und die „schwangere“ 1. Klasse-Passagierin, die Champagner ohne Ende säuft und das Tanzbein in die Lüfte schwingt – wenn das bewusst so inszeniert wurde, kommt der Joke nicht bei mir an (da hätte mir die gezwungenermaßen trockene, beim Tanzen einfach nicht mehr mitkommende Schwangere besser gefallen – auch das kann man lustig in Szene setzen…).
Gestern war Derniere in Staatz und auch sicher wieder bis auf den letzten Platz ausverkauft. Nächstes Jahr ist „Disney’s Die Schöne und das Biest“ dran und ich freue mich darauf!

Nächsten Dienstag gibt es übrigens eine Musical-Gala auf der Felsenbühne. „Musical unter Sternen“, am 14. August, um 20 Uhr. Tickets kosten 27 Euro. Infos HIER.
*Photo by Harald Schillhammer via

Montag, 8. August 2011

AIDA - Felsenbühne Staatz

AIDA ist alleine schon wegen der Musik sehenswert. Elton John hat hier Melodien und Harmonien entworfen, die einen nicht loslassen – von „Durch das Dunkel der Welt“ über „Die Sonne Nubiens“ bis hin zu „Einen Schritt zu weit“ und „Die Wahrheit“. Ein toller Song folgt auf den anderen. Dieses Jahr wieder nach Staatz zu fahren war also eine ausgemachte Sache für mich.
Die Inszenierung auf der Felsenbühne lebt von den Ensembleszenen und einer großartigen Hauptdarstellerin. Charlotte Thompson als nubische Prinzessin Aida hat die Sympathien sofort auf ihrer Seite und singt ihre Partie sehr sicher. Auch schauspielerisch liefert sie eine gute Leistung ab und führt durch das Musical mit Gefühl und als starke Persönlichkeit. Ihr zur Seite steht Patrick Schenk als Radames. Er bemüht sich, hat aber das ganze Stück hindurch Höhen und Tiefen – sowohl im Gesang, als auch in seinem Spiel und wirkt etwas farblos. „Radames‘ Brief“ als Liebeserklärung geht da leider etwas unter, da es Schenk nicht ganz schafft die Gefühle in seiner Stimme zu transportieren, ein bisschen mehr Fingerspitzengefühl wäre an diese Stelle nicht schlecht gewesen. Doch zum Finale der Show gewinnt Radames wieder und stirbt einen tragischen Tod. Dem Liebespaar gegenüber steht Amneris, Tochter des Pharao und Verlobte von Radames - eine Rolle, in die man viel einbringen kann. Amneris macht im Laufe des Musicals eine große Entwicklung durch – die Darstellerin muss den Bogen von einem versnobten Prinzesschen, dessen einziges Ziel es ist gut auszusehen, zur mitfühlenden, starken Frau mit gebrochenen Herzen spielen können. Es ist kein leichter Part, denn man muss die Grenzen austesten und sie finden – sei es nun um die Sympathien des Publikums zu gewinnen oder die Glaubwürdigkeit zu bewahren. Elisabeth Sikora schafft dies leider nicht immer, auch ihre Leistung ist durchwachsen. Zu dumm – statt naiv dümmlich – ist mit die anfängliche Amneris, zu aufgesetzt und übertrieben. Die Pointen passen ab und zu aber doch und ihr Solo „Die Wahrheit“ überzeugt. Ihre Stimme harmoniert zudem sehr gut mit der von Charlotte Thompson.

Sympathisch und gerissen gibt Christof Messner Mereb, den nubischen Kammerdiener Radames‘, und stirbt einen überzeugenden Bühnentod. Schade, dass Mereb nicht mehr zu singen hat, Messners Stimme würde man gerne länger zuhören. Alice Macura als Nehebka spielt ihre Rolle gut, bleibt jedoch etwas zurückhaltend. Werner Auer als Zoser liefert eine passable Leistung ab.

Die Felsenbühne wurde gut in einen ägyptischen Palast verwandelt und ermöglicht mit einer Bühnenschräge sowohl einen Catwalk für „Ein Sinn für Stil“ als auch eine Grabkammer für das traurige Ende der Geschichte (Jack Hamal). Zu den Kostümen (Inge Föderler und Brigitte Hamal) gibt es zu sagen, dass die Sklaven besser angezogen sind als der Rest. Die bunten, afrikanischen Kostüme sind kreativ und schön, auch Aida steht das fliederfarbene Kleid ausgezeichnet. Merebs erstes Ensemble ist etwas gewöhnungsbedürftig, man hätte Messner gleich in seinem zweiten Kostüm spielen lassen sollen – Authentizität hin oder her. Das ägyptische Heer in violettem Lederimitat – da gibt es sicher bessere Lösungen. Amneris Kostüme wirken ab und zu etwas billig, funktionieren aber im Großen und Ganzen. Über kleinere Dinge lässt sich hinwegsehen, bei der Fashion Show bei „Mein Sinn für Stil“ sollte man sich aber überlegen die Augen zu schließen, zu viel Kinderfasching, wenig schönes Kreatives ist hier dabei. Allein ein blaues Kleid gefällt, warum ist man nicht bei jedem „Model“ bei einer Farbfamilie geblieben? Hier hätte die Kostümabteilung wirklich die Möglichkeit aufzutrumpfen und verpasst sie.

Aida in Staatz überzeugt in Szenen wie „Die Sonne Nubiens“, in denen das junge Ensemble alles gibt. Wenn das große Ensemble die Bühne bevölkert ist etwas los, sei es nun im Gefängnis, am Marktplatz oder am Nil beim Wäschewaschen. Hier entstehen schöne Bilder und Stimmungen. Wenn jedoch die Hauptdarsteller die Bühne alleine beherrschen sollen, kommt es hin und wieder zu Spannungsverlust – auch wenn Aida und Radames‘ Duette den Raum ganz gut füllen ist nicht immer viel zu spüren. Aber wie gesagt, schon alleine wegen der Musik ist AIDA einen Besuch wert.

Wer noch einen Ausflug nach Staatz plant, der sollte sich beeilen, gespielt wird nur noch diesen Donnerstag bis Samstag (Derniere). Tickets gibt es – wenn man Glück hat - noch über Ö-Ticket oder an der Abendkassa.

Nächstes Jahr wird übrigens Maury Alan Yestons TITANIC aufgeführt...
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- Felsenbühne Staatz
- Kritik 3 Musketiere - Felsenbühne Staatz

Sonntag, 8. August 2010

3 Musketiere - Felsenbühne Staatz

Open Air Veranstaltungen haben ihre Vor- und Nachteile. Zum einen hat man die Möglichkeit ein Stück „großräumig“ aufzuziehen, sprich ein Bühnenbildwechsel findet kaum statt, dafür kann man wie in „3 Musketiere“ ein Gasthaus, eine Kirche, ein Schloss und ein Dorf konstruieren und so eine ganz eigene Wahrnehmung erzeugen. In einem größeren, offenen Raum gibt es aber auch das Problem, dass vieles einfach verpufft. Statisten und eine gute Schauspielleistung von Ensemble und Hauptdarstellern sind quasi Voraussetzung, um dies zu verhindern – die Luft muss gefüllt werden. Die Staatzer Produktion von „3 Musketiere“ bedient sich den Möglichkeiten, kann aber den Schwung der Show nicht perfekt umsetzen. Ab und zu kommt es zum Stocken und das rasante Abenteuer der Musketiere wird ein bisschen gebremst. Wirklich schlimm ist das nicht, denn viel kann durch die großartigen, jungen Darsteller wieder aufgehoben werden. Ein wenig mehr Rhythmus des Showablaufs wäre aber wünschenswert gewesen.

Die Atmosphäre in Staatz stimmt. Das Bühnenbild fügt sich gut in die Kulisse ein und ermöglicht dem Publikum sich in das 17. Jahrhundert fallen zu lassen. Mögen die Kostüme der weiblichen Hauptrollen auch etwas kitschig und billig aussehen, die Musketiere tragen blau und sehen authentisch aus. Hosen in vier verschiedenen Brauntönen ermöglichen den Zuschauern Athos, Aramis, Porthos und D’Artagnan von den übrigen der königlichen Garde zu unterscheiden – eine gute Idee.
Die 3 Musketiere werden von Christoph Apfelbeck (Athos), Bernd Kainz (Aramis) und Rupert Preißler (Porthos) gespielt und geben ein überaus sympathisches Trio ab. Die Chemie zwischen den Dreien scheint zu stimmen und das vermitteln sie auch. Sie sind witzig, charmant, tapfer, treu, mutig, ein bisschen chaotisch und wahre Freunde. Es macht Spaß ihnen beim Spielen zuzusehen. Christoph Apfelbecks „Engel aus Kristall“ klingt einwandfrei und auch die „Einer für alle und alle für einen“-Passagen der drei Musketiere überzeugen. Jeder der drei Darsteller verleiht seinem Musketier eine individuelle Note, das ist schön zu sehen.

Der Star der Show heißt Christof Messner, nicht nur weil er die Hauptrolle spielt. Mit jeder Faser seines Ichs ist er D’Artagnan. Für die gesamte Dauer des Stücks. Solch eine Hingabe sieht man äußerst selten, wirklich bewundernswert. Messner spielt sehr natürlich, ehrlich und es gelingt ihm perfekt jede einzelne Emotion auf das Publikum zu übertragen. Gänsehaut und Tränen inklusive. Wenn ich Christof Messner singen und schauspielen sehe, wirkt es auf mich irgendwie befreiend. Man kann sich in seine Performance fallen lassen, denn er führt einen sicher durch die Geschichte.

D’Artagnans Gegner sind Werner Auer als Kardinal Richelieu und Sebastian Brandmeir als Rochefort. Beide spielen ihre Parts sehr gut. Der Intendant singt sehr sicher und überzeugt u.a. in „Nicht aus Stein“ und „Glaubt mir!“. Eine Überraschung war für mich Brandmeir als Rochefort, den ich mir zunächst nicht wirklich in der Rolle vorstellen konnte. Er gibt den kampfwütigen Intriganten wirklich gut und spielt mit viel Leidenschaft. Die Fechtszenen mit den Musketieren sind gut choreographiert (Eva Klug) und das junge Ensemble fällt was das Zeug hält, ohne Rücksicht auf Verluste (in diesem Fall Verletzungen). Durchaus beeindruckend! Amüsant war für mich auch zu sehen, wie lange man Witze über ein fehlendes Auge machen kann – sehr oft! Das Publikum lacht sich noch beim x. Mal schlapp.

Bei den weiblichen Hauptrollen gibt es leider ein wenig auszusetzen. Simone Niederer muss ich dabei ausnehmen, denn ihre Milady de Winter war wirklich fantastisch. Obwohl ihre Stimme sie an diesem Abend ein wenig im Stich gelassen hat (zumindest im ersten Akt), konnte sie eine gelungene Gesamtperformance abliefern. Auch sie spielt sehr authentisch und gefühlvoll. Etwas enttäuschend waren allerdings Eva-Maria Gugganeder als Constance und Julia Tiecher als Königin Anna. Erstere war stimmlich nicht immer auf der Höhe und ließ einige Unsicherheiten spüren. Sie gab die Constance sehr kindlich, aber durchaus frisch und natürlich. Leider wurde Constances „Gott lächelt uns zu“ gestrichen. Alles in allem war ihre Performance doch mehr als okay. Julia Tiecher konnte als Königin Anna im ersten Akt leider gar nicht überzeugen. Sie wirkte sehr hölzern. Im zweiten Akt taute sie jedoch bald auf und zeigte in der Kapellen-Szene mit dem anschließenden Song „Kein geteiltes Leid“ was sie drauf hat. Hier hat sie deutlich dazugewonnen, leider etwas zu spät.

In kleineren Rollen konnten auch Oliver Liebl als Conférencier, Korbinian Reile als Herzog von Buckingham und Christian Schild als James überzeugen. Vor allem Schild hat viele Lacher auf seiner Seite, er spielt wirklich gut. Alexander Eschig (König Ludwig XIII) verblasst leider ein wenig.

Werner Auer besetzt in seinen Inszenierungen vor allem junge Darsteller, oft noch in Ausbildung oder kurz nach Abschluss. Ich finde dies eine große Chance für die Darsteller und auch ein Genuss für das Publikum, denn das Ensemble ist überaus spielfreudig und leidenschaftlich bei der Sache. Es war mein erster Besuch in Staatz und das Wetter hat gehalten. Nächstes Jahr wird AIDA inszeniert und ich bin schon sehr gespannt. So fern nichts dazwischen kommt, werde ich wieder dabei sein. Die Felsenbühne Staatz ist nämlich wirklich einen Besuch wert.

Bis 14.8.2010 ist „3 Musketiere“ noch zu sehen – es sind jedoch nur mehr Restkarten an der Abendkassa (ab 18:30) erhältlich. AIDA feiert am 22. Juli 2011 Premiere.
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