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Donnerstag, 11. Juli 2013

Next To Normal - Fast Normal. Die Besetzung.

Nun steht sie also fest, die gesamte Besetzung der deutschsprachigen Erstaufführung von "Next To Normal". "Next To Normal - Fast Normal" - Gott sei Dank wurde der englische Titel übernommen - präsentiert sechs Musicaldarsteller in seiner Cast, die mich auf den ersten Blick doch etwas verwundert haben. Ehrlich gesagt hätte ich Pia Douwes und Thomas Borchert nicht in den Rollen von Diana und Dan gesehen. Der zweite Blick jedoch, und vor allem der Blick auf die Darsteller von Gabe, Natalie, Henry und Dr. Madden/Fine, erzeugt in mir ein Gefühl der Spannung und Vorfreude auch wenn ich mit Sicherheit weiß, dass ich es wohl kaum nach Fürth zur Erstaufführung schaffen werde. Mit diesen sechs Darstellern hat das Creative Team sehr individuelle Künstler gefunden. Alle bringen die nötige schauspielerische Tiefe für diese Rollen mit, eine Furchtlosigkeit, sich diesen Charakteren zu widmen, Leidenschaft für ihren Beruf und eine besondere Ausstrahlung. Dirk Johnston und Dominik Hees als Gabe und Henry finde ich fabelhaft besetzt und ich mache mir große Hoffnungen auf ein Album mit dieser Cast, auch wenn ich mich immer etwas vor der deuschen Übersetzung graue, aber vielleicht ist Regisseur und Übersetzer Titus Hoffmann da ja etwas gelungen (ein erstes Urteil kann man sich hier bilden)...
Obwohl es nur 13 "exklusive" Vorstellungen im Stadttheater Fürth gibt (Premiere am 11. Oktober 2013) fährt das Marketing-Team eine bewundernswert engagierte Schiene. Promotion-Videos geben einen Einblick in die Backstage-Arbeiten, sei es nun Bühnenbild oder Fotoshooting, via Facebook wird ordentlich gepostet und geshared, die Homepage ist toll gestaltet und das Konzept hält sich eng an das Original (z.B. mit übergenauen, "hyper-normal" bearbeiteten Bildern und den symbolträchtigen Pixeln). Ein Produktion, die also schon im Vorhinein verspricht, was sie auch hoffentlich hält.

Die Besetzung:

Diana - Pia Douwes
Dan - Thomas Borchert
Natalie - Sabrina Weckerlin
Gabe - Dirk Johnston
Henry - Dominik Hees
Dr. Madden/Fine - Ramin Dustdar



Links:

- Next To Normal - Fast Normal
- Next To Normal - Broadway Review

Samstag, 19. Januar 2013

Spotted: Next To Normal - Fast Normal. Die Audition

Next To Normal - Fast Normal. Das wird eine der spannendsten Premieren, die wir dieses Jahr im deutschsprachigen Raum erwarten dürfen. Was für ein Coup für das Stadttheater Fürth! Ich kann es kaum erwarten und giere nach Updates auf der Facebookseite. Jetzt ist ein Video-Clip mit Eindrücken von den Auditions online gestellt worden und tja - ich freue mich noch viel mehr darauf, als vorher, denn da bekommt man schon einige vielversprechende Gesichter zu sehen. Über 1000 Bewerber für 6 Rollen - hier wird hart gekämpft, um die Darstellung einiger der begehrtesten Charaktere des Genre Musical.

Spotted u.a. (wenn ich mich nicht irre): Alex Melcher, Tobias Bieri, Johanna Spantzel, Dirk Johnston, Sabrina Weckerlin, Patrick Stamme...und einige mehr.

Ich hoffe wir werden bald erfahren wer das Rennen gemacht hat - ich freu mich darauf!



LINK:

- Next To Normal - Fast Normal auf Facebook

Samstag, 10. November 2012

The Voice of Musical

"The Voice" ist eine Castingshow, die etwas taugt. Ein Unterhaltungsformat, das nicht nur für das Publikum ansprechend ist, sondern auch für Künstler – Sänger und Sängerinnen, die wirklich singen können und Musik machen wollen.
Es gibt faire Coaches, die konstruktive Kritik geben und denen etwas daran liegt, das Beste aus einem herauszuholen. „The Voice“ setzt auf Stimmen und nicht auf den Unterhaltungswert von „Leider-Nein“-Kandidaten – eine Wohltat für das Ohr und für die Seele.

Warum ich mir diese Sendung anschaue? Nicht nur weil mich die Sänger beeindrucken, sondern auch die Menschen dahinter. Und das Beste? Jetzt nach den „Blind Auditions“, wo es an die „Battles“ geht, trennt sich die Spreu vom Weizen und in den meisten Fällen gewinnt der, der den Gegner nicht unterschätzt hat, sondern sich hingestellt hat und sein Ding durchgezogen hat.

Kein Wunder, dass von diesem Format auch bereits professionell arbeitende Sänger und Sängerinnen angezogen werden, dort bekommt man eine wirkliche Chance und auch wenn es nicht klappt, bin ich mir sicher, dass es trotzdem eine Bereicherung ist. Unter diesen Sängern sind – nicht nur in dieser Castingshow – auch Musicaldarsteller, die dort einmal ihre Persönlichkeit ausleben wollen.

In der diesjährigen Staffel haben es z.B. Jessica Mears, Jonas Hein und Rob Fowler in die „Battles“ geschafft. Jessica Mears stand allerdings ihre Attitude im Weg und wurde vom Underdog Bianca (wirklich verdient - siehe hier) ausgestochen. Jonas Hein ist zu Unrecht gegangen – seine Blind Audition war m.E. eine der gefühlvollsten, ebenso seine Interpretation von „Symphonie“ bei den „Battles“ – leider hat es nicht gereicht, dabei konnte man alles in seinen Augen sehen – das ganze Gefühl des Songs war dort drinnen und in seiner Stimme. Brandon Stone ist vielleicht der Versiertere und sicherer in dem, was er da macht – er drückt sein Gefühl auch mit dem Körper aus, was dann auf der Bühne besser wirkt. Aber ausgefüllt hat Jonas Hein den Raum, das Duett von den beiden war stellenweise wie „vom Himmel“. Ein Moment, für den es sich auszahlt die Show mitzuverfolgen… Jetzt muss Jonas Hein wieder zurück in die MusicalCompany des Theaters für Niedersachsen – mit dieser Stimme bringt er es noch weit, auch wenn er zurzeit „nur“ Theaterpublikum von den Socken reißt, er berührt und das gefällt.

Am Donnerstag steht dann Rob Fowler auf der Bühne und muss sich im Ring beweisen – die Daumen sind schon gedrückt, denn Fowler hat eine Stimme, die „piercing“ ist, sie geht direkt ins Herz, wenn er sie gut bedient. Vielleicht mit einer besseren Songauswahl als bei seiner Audition...
Aber auch die Etablierung im Musicalgeschäft heißt noch lange nicht, dass es bei „The Voice“ klappt – so hat sich z.B. bei Kerry Ellis – trotz einer energetischen Performance von „Son of a Preacher Man“ – kein einziger Coach in den „Blind Auditions“ umgedreht…

Dienstag, 21. Dezember 2010

Musical Tenors - Theater Akzent, Wien

Gestern war es soweit. Gestern habe ich eines der besten Musicalkonzerte meines bisherigen Lebens erlebt. Ein kleines Wunder. Ich bin immer noch nicht fähig, wirklich in Worte zu fassen, wie gut mir die „Musical Tenors“ gefallen haben – mal abgesehen von ihrem Aussehen :) Mein Bericht könnte also eher ausufernd werden...

Um es anfänglich kurz zu machen: Il Divo hat Konkurrenz bekommen, Adoro kann einpacken. Denn die „Musical Tenors“ sind geschaffen, ein vielleicht klischeebesetztes Konzept, aber es funktioniert wunderbar. Vier sympathische, gutaussehende Männer mit großartigen Stimmen, perfekter Harmonie und Twist. Dieser Twist besteht in den neuen Arrangements (Mario Stork) und der Idee, verstaubte Musicalsongs wieder zum Leben zu erwecken und in neuer "Herrlichkeit" erstrahlen lassen. Vieles hat man noch nie so gehört. Vieles kann man ganz neu wahrnehmen, in sich aufsaugen und erleben. Einiges geht durch Mark und Bein und berührt das Herz ganz tief drinnen. Eine Erfüllung – anders kann man es nicht ausdrücken.

Nicht nur die attraktiven, neuen Arrangements haben den Songs neues Leben eingehaucht und waren deshalb die Besonderheit des Konzertes, sondern auch die Interpretation von Liedern, die eigentlich von weiblichen Darstellerinnen gesungen werden.
Das Programm war bunt gemischt und perfekt abgestimmt. Als das Konzert jedoch zunächst (nach einem wunderschönen „Limelight“ aus Eric Woolfsons „Gambler“) mit einem „3 Musketiere“-Medley begann, ahnte ich Schlimmes. Sollte es nun wieder nur eine Aneinanderreihung verschiedenen Medleys werden? Sinnlos und ohne Wertschätzung der Songs. Nein, sollte es nicht, denn nach Musketiere sang Mark Seibert gleich das erste Solo – „Draußen“ aus Disney’s Der Glöckner von Notre Dame. Mit viel Emotion performte Seibert, der in Wien fast Heimspiel hatte, diesen viel zu selten gesungenen Song. Viele seiner ehemaligen Kons-Kollegen gaben ihm an diesem Abend die Ehre und unterstützten ihren Freund im Publikum.

Mit Stock und Hut kamen dann wieder alle auf die Bühne und präsentierten „Weil ich weiß, in der Straße wohnst du“ mit netter Choreo. Sehr „Boyband trifft Chorus Line“-synchron mit ein paar Verzerrungen und viel Spaß. Überhaupt wirkten die vier Tenöre die ganze Zeit so, als hätten sie jede Menge Spaß und das ist einfach schön zu sehen. Bevor es zu Patrick Stankes Solo kam, dessen Stimme übrigens an diesem Abend wirklich in Topform war, gab es noch einen „La Mancha-Block“ bei dem nicht nur „The Impossible Dream“, sondern auch einmal etwas Anderes, nämlich „The Man of La Mancha“, gesungen wurde. Eine gute Idee!

Am Klavier begleitete sich anschließend Patrick Stanke bei „Du warst mein Licht“, einem mir unbekannten Song, der mir sehr gefallen hat, selbst und bewies hiermit auch seine Songwriter-Qualitäten. Der erste Akt neigte sich dann allmählich dem Ende zu. Doch vorher gab es noch eine Flamenco tanzende „Maria“ – eine nette Idee, vor allem weil es sehr witzig in Szene gesetzt wurde – und ein wunderbares Phantom von Christian Alexander Müller, der bis dahin leicht hinter den anderen drei zurückgetreten ist. Müller WAR das Phantom in diesem Moment. Eine ergreifende Performance! Jan Ammanns Solo „Gute Nacht“ ist vielleicht ein wenig untergegangen, war aber dennoch berührend, weil er es für seinen einjährigen Sohn gesungen hat.

Eine weitere Überraschung des Abends war übrigens die Musical Tenors Fassung von „Memory“. Das Lied geht mir schon sehr auf die Nerven, aber hier konnte ich es wirklich genießen. Vier sprachig erstrahlte es ganz neu und ließ mich seine Schönheit wieder erkennen.

Mit welchem Song geht man in die Pause? Eine wichtige Frage. Bei den Musical Tenors hat man sich für „I believe in you“ entschieden. Ein grandioser Song, der hier so wunderschön interpretiert wurde, dass mir doch tatsächlich die Tränen gekommen sind. Plötzlich tauchte Lisa Antoni hinten im Saal auf und schritt singend auf die Bühne zu, die Stimmen der fünf harmonierten so gut miteinander, sodass ich mir wünschte, der Song würde nie enden.

An die Reihenfolge kann ich mich nicht mehr genau erinnern, ich bin nämlich irgendwie in die „Welt der Musical Tenors“ versunken und habe mich verzaubern lassen. Für irgendwelche Notizen habe ich absolut keine Zeit gefunden. Es ist eigentlich auch egal.

Nach der Pause ging es gleich mal mit dem passenden „The Show Must Go On“ weiter, das langsam in „Who wants to live forever“ überging und Christian Alexander Müller bei der nächsten Moderation dazu veranlasste an viel zu jung verstorbene Künstler zu gedenken, allen voran Steve Barton. Hier folgte anerkennender Applaus aus dem Publikum. Ein schöner Moment, denn er zeigte, wie sehr so ein unglaublich talentierter Künstler von vielen Menschen vermisst wird. Daraufhin sang Müller „Einsam sind alle Sänger“ – eine interessante, gute Wahl. Neben „Closer to heaven“, einem „Grease“-Medley, „Am Ende bleiben Tränen“, „Braver than we are“ und „The Shades of Night“ durften auch die anderen drei Tenöre noch je ein Solo performen. Patrick Stanke gelang ein fulminantes „Wie wird man seinen Schatten los“, Mark Seibert ein leises und sehr sanftes „Love of my life“ und Jan Ammann eine perfekte „Unstillbare Gier“. Richtig neugierig bin ich auf seine Interpretation des Vampiregrafen geworden, so verletzlich, agressiv, traurig hat er sich in der „Gier“ gezeigt. Es waren alle Facetten des Liedes unglaublich intensiv und gut ausgespielt. Purer Genuss! Ammann kam nach der „Heftigkeit“ des Liedes ein leises und erleichteretes „Puh“ aus, hier blitzte Menschlichkeit durch und machte das Ganze noch einmal erfahrbarer. Auch Lisa Antoni durfte noch einen Song performen, mit „A Change In Me“ aus „Beauty and the Beast“ überzeugte sie einmal mehr. In Oberhausen und Stuttgart durften Carin Filipcic und Roberta Valentini den Part der „weiblichen Unterstützerin“ übernehmen.

Andreas Luketa hat die perfekte Songauswahl getroffen. Das zeigt sich u.a. auch in einem Titel aus „Love never dies“ („Look with your heart“), "Closer to heaven” aus Gaudi oder „Braver than we are“. Schätze die man ausgraben sollte, und hier für die Musical Tenors ausgegraben hat. Nicht nur die Mischung aus Musical und Evergreens und die Zusammenstellung der Darsteller passten. Jeder einzelne „Tenor“ (nicht alle sind Tenöre) brachte auch seine Individualität ein und gab sich nicht nur bei seinen Soli ganz den Liedern hin.

Einziger kleiner Kritikpunkt ist vielleicht die etwas fehlende Spontanität, doch es gibt nun mal einen Ablauf der eingehalten werden soll und das ist auch gut so. Allerdings geht die Spontanität vor allem in den Zwischentexten ab. Sympathische und auch gut überlegte Anmoderationen schmücken das Konzert aus, doch ein bisschen „echter“ hätte es an manchen Stellen schon wirken dürfen. Die typischen Boygroup-Bewegungen durften hie und da natürlich auch nicht fehlen. Selten, aber doch ab und zu bewegten sich die Vier Tenöre am Rande der Lächerlichkeit, ließen das Ganze aber nie abdriften. Eine Prise Selbstironie dürfte der Retter gewesen sein. Für Choreographie und Regie zeigt sich Paul Kribbe verantwortlich. Erwähnt sollten vielleicht auch noch Marina Komissartchik am Flügel und Keyboard und Emilio Percan an der Violine werden. Was so ein schöner Geigenklang alles ausmachen kann…

Mit Weihnachtsmannmützen, die vielleicht sogar noch vom Borchert Besinnlich Konzert stammen, ging es dann in die Zugaben. „Save Your Kisses For Me“ bildete den amüsanten Abschluss, bevor die Zuschauer mit „Look with your heart“ in die schöne Winternacht entlassen wurden. Die Musical Tenors verließen den Saal schließlich durch die hintere Saaltür und verteilten dabei rote Rosen. Tja, was soll ich sagen…ich war eine Glückliche! :) Mark Seibert hat mir ein Rose überreicht und meinen unglaublich schönen Musicalabend perfekt abgerundet.

Eine Musical Tenors CD wird angeblich im Frühjahr produziert. Danke an sound-of-music concerts für die großartige Idee diese vier Männer gemeinsam auf der Bühne stehen zu lassen. Klischee hin oder her, es funktioniert und zwar mehr als gut.

Wer sich die vier feschen Herren mit nach Hause nehmen wollte, konnte dies mit einem Kalender tun. Meiner Meinung nach etwas zu viel des Guten, aber wenn die Marketing-Maschine einmal läuft…

Gesungen wurde (in ungefährer Reihenfolge):

- Limelight (Gambler)
- Heut‘ ist der Tag/ Constance/ Wo ist der Sommer?/ Engel aus Kristall/ Wer kann schon ohne Liebe sein (3 Musketiere)
- Draußen (Disney’s Der Glöckner von Notre Dame)
- Weil ich weiß, in der Straße wohnst du (My Fair Lady)
- The Impossible Dream (The Man of La Mancha)
- The Man of La Mancha (The Man of La Mancha)
- Du warst mein Licht (Powell, Urban, Luketa, Stanke)
- More Than Words (Extreme)
- Maria (West Side Story)
- Gute Nacht (Gomez, Hoff)
- Memory (Cats)
- Musik der Nacht (Das Phantom der Oper)
- I Believe In You (Elofsson, Magnusson, Kreuger, Plamondon)

Pause

- The Show Must Go On/ Who wants to live forever (We will rock you)
- Einsam sind alle Sänger (Klaus Hoffmann)
- Closer to heaven (Gaudi)
- Wie wird man seinen Schatten los? (Mozart!)
- Lisa Antoni: A Change In Me (Beauty and the Beast)
- Grease is the word/ Greased Lightnin’/ Mooning/ Those Magic Changes/ Rock’n’Roll Party Queen (Grease)
- Love of my life (Freddy Mercury)
- Am Ende bleiben Tränen (Bembo, Cassella, Hammerschmidt)
- Braver than we are (Tanz der Vampire)
- Die Unstillbare Gier (Tanz der Vampire)
- The Shades Of Night (Elisabeth)
- This is the moment (Jekyll Hyde)
- Save your kisses for me (Brotherhood of Man)
- Look with your heart (Love never dies)

Links:

Sonntag, 24. Oktober 2010

Der Musical-Mann von Friedrich Kurz

„Der Musical-Mann“ war ursprünglich auf der Liste meiner Sommerlektüre, allerdings bin ich erst jetzt dazu gekommen es auch zu lesen. Nachdem das Buch im „musicals“-Magazin eine relativ schlechte Kritik erhalten hat, bin ich ein wenig vorbelastet an die Sache herangegangen. Eigentlich kein guter Zugang zu Literatur, denn dies hatte zufolge, dass ich mich von Anfang an gefragt habe, ob denn jetzt die Erinnerung an die Kritik aus mir spricht und mein eigener Eindruck. Was genau in der Rezension gestanden ist, wusste ich allerdings nicht mehr. Nach der Hälfte des Buches war mir klar, dass es sich um mein eigenes Gefühl handelt…ein Gefühl, das mich das ganze Buch nicht mehr losgelassen hat.

Ich habe Friedrich Kurz in seiner Autobiografie (mit Marcus Mockler) als arroganten und unreifen Menschen wahrgenommen. Ganz unabhängig von seiner erstaunlichen Karriere. Was dieser Mann für das Genre Musical in Deutschland geleistet hat ist - unumstritten – so Einiges. Der Weg vom Schulabbrecher zum Musicalproduzenten war kein einfacher und das erzählt Kurz in diesem Buch. Sein Lebensweg führte ihn in die ganze Welt und durch die verschiedensten Berufssparten. Kurz verdient diesbezüglich meinen ganzen Respekt. Keine Frage, es war sehr interessant darüber zu lesen und zu erfahren, wie es bei manchen Produktionen „backstage“ so aussah.

Als Mensch ist mir Kurz aufgrund des Buches nicht sonderlich sympathisch. Nicht nur wirkt er stellenweise ganz schön arrogant, sondern er leistet sich mit dieser Autobiografie auch einige Frechheiten. Kurz äußert sich abschätzig über Leute, die ihm offensichtlich seelischen Schmerz zugefügt haben, sei es nun Robert Redford, der ihm seine Freundin ausgespannt hat, oder Peter Weck, der bei einigen Produktionen einfach die Nase vorne hatte. Jeder ist verletztlich und manchmal auch nachtragend, aber mit der Zeit sollte man verzeihen – Friedrich Kurz hat dies noch nicht geschafft, meiner Meinung nach ist er in einer Trotzphase stecken geblieben. Das alles wäre nicht ganz so schlimm, wenn Kurz nicht immer betonen würde, wie er durch eine Gotteserscheinung zum gläubigen Christen wurde, man kauft ihm das einfach nicht ab. Für mich hat er noch nicht ganz verstanden, worum es im Glauben geht. Er schreibt, dass er sich nicht mehr rächen möchte, weil er über die Verletzungen hinweg ist, legt aber mit „Der Musical-Mann“ auch eine Art Abrechnung ab. Dazu kommt, dass Kurz selbst einige Fakten verdreht und Unwahrheiten verbreitet – wahrscheinchlich als Folge seiner verletzten Ehre. Eine der größten Frechheiten ist, wenn Kurz behauptet Peter Weck hätte Gerüchte über ihn verbreitet, weil „Cats“ in Wien nicht so erfolgreich gelaufen ist, wie in Hamburg (kann stimmen, ist aber fraglich). Er hat Weck NIE persönlich getroffen, wirft aber im nächsten Satz ein, dass der ehemalige österreichische Intendant der VBW, der ihm angeblich Schaden zufügen wollte, kurz nach dem "Misserfolg" von "Cats" entlassen wurde – einfach nicht wahr. Ich bin gespannt, ob und wenn was Weck in seiner Biografie darüber berichtet ("War's das? Erinnerungen." Erschienen am 18. Oktober im Amalthea Verlag)...

Erst ganz zum Schluss kommt der Autor ein wenig zur Besinnung. Wenigstens hat er erkannt, dass es sich bei Geldgier nicht gerade um eine ideale Charaktereigenschaft handelt. Eines kann ich Kurz mit auf den Weg geben: Wie man in den Wald ruft, so schallt es heraus. Kein Wunder, dass die Lebensgefährtin irgendwann zurück schlägt, wenn man sie immer mit anderen Frauen betrügt und kein Wunder, dass man vor lauter Gier nach Reichtum, einmal auf die Nase fällt und zwar ordentlich.

„Der Musical-Mann“ ist durchaus informativ, wenn man sich für Musical interessiert, allerdings kein „Must-Read“. Es ist kurzweilig und schnell zu lesen. Wenn es auch auf menschlicher Ebene kläglich versagt, ist es trotzdem eine interessante Lebensgeschichte.

"Der Musical-Mann. Ein steiler Aufstieg, ein tiefer Fall und eine Begegnung mit Gott, die alles veränderte." von Friedrich Kurz (mit Marcus Mockler). GerthMedien Verlag. 2010. 224 Seiten.

Sonntag, 11. April 2010

Veranstaltungstipps

Im Moment tut sich ja nicht übermäßig viel, aber ein paar Events kommen im April/Mai schon zusammen...

- Mo, 12. April, 20 Uhr: The Juliet Letters - Drew Sarich & The Dead Poet Quartet (Klub Ost Wien) 

- 15. & 16. April, 19:30: Abschlussshow der Performing Arts Studios Vienna - "Heart & Music" (Theater Akzent)

- 9.-25. April, 19. bzw. 20 Uhr: RENT - Bayerische Theaterakademie August Everding (Deutsches Theater München)

- 12. & 13. Mai, 20 Uhr: NOVECENTO, Die Legende vom Ozeanpianisten - mit Thomas Borchert (Stadttheater Walfischgasse)

- 26.-29. Mai, 31. Mai & 1. Juni, 19:30: The Wild Party, Konservatorium Wien Privatuniversität - 2. & 3. Jahrgang (Leonie-Rysanek-Saal, Konservatorium Wien)


P.S.: Leider kann ich bei "The Juliet Letters" nicht dabei sein - wenn jemand von euch hingeht, würde ich mich freuen, wenn ihr kurz darüber berichtet! :)

* Image via

Freitag, 26. März 2010

wdr: planet wissen - musicalszene deutschland

DANKE! Danke, liebes WDR! Wann bekommt man schon eine einigermaßen gute Dokumentation über Musical zu sehen? ... Richtig! Fast nie.
Entweder die Dokus sind schlecht recherchiert und machen das Genre Musical dem Erdboden gleich oder man bekommt nur die Oberfläche präsentiert.

Heute um 15 Uhr hat das WDR gezeigt, dass es auch anders geht. In die Sendung "planet wissen" wurden nämlich Menschen eingeladen, die wissen von was sie sprechen und sich mit der Gattung Musical auskennen. Ein Theaterwissenschaftler mit Spezialgebiet Musical - Dr. Wolfgang Jansen - und Musicaldarsteller Matthias Bollwerk. Dazu ein Mix aus Backstage-Berichten - von Starlight Express über Hairspray zu Folkwang Hochschule -, Musikbeiträgen (Matthias Bollwerk als Buddy Holly) und Gesprächen. Interessant, persönlich, nett und gar nicht flach. Endlich erstrahlt das Musical in seinem vollen Glanz. Es ist nicht nur pure Unterhaltung, es hat auch Geschichte und erzählt aus dem Leben.

Falls jemand von euch die Sendung verpasst hat, keine Angst - hier der Link zur Sendung:

WDR - planet wissen: Musicalszene Deutschland

Wer noch mehr wissen möchte...hier gibt es ein paar Links:
  • Matthias Bollwerk Homepage
  • Matthias Bollwerk myspace
  • Ein Interview mit Dr. Wolfgang Jansen (2002) - ein aktuelleres Interview ist im "blickpunkt musical" Ausgabe 44, Januar-Februar 2010 zu finden
  • Wolfgang Jansen auf wikipedia

Dienstag, 23. März 2010

Newsflash

Zwei Nachrichten aus der Musicalwelt haben mich so eben erreicht und ich bin mir noch nicht sicher, wie ich zu ihnen stehe...

- Alexander Klaws wird der neue Tarzan. Ab Mai ist es soweit und noch kann ich mir das sehr schwer vorstellen. Ich bin außerdem etwas traurig, dass ich Anton Zetterholm nie in dieser Rolle sehen konnte. Das Musical soll ja noch weiterhin erfolgreich laufen und wenn man die Hauptrolle mit einem bekannteren Gesicht besetzt, dann gibt das der Show "frischen Wind" (zumindest in punkto Auslastung) und die Spielzeit kann verlängert werden. Ich hoffe, dass Herr Klaws seine Sache gut macht und unter Beweis stellt, dass er nicht nur aus Werbezwecken genommen wurde. Wenn die Show nicht darunter leidet, dann freut es mich, dass "Tarzan" auf diese Weise noch ein Weilchen länger in Hamburg zu erleben ist. Hier kann man sich ein kleines "Backstage"-Video mit Alexander Klaws ansehen.

- Kaum zu glauben, aber wahr..."Ich war noch niemals in New York" - der Live-Mitschnitt von der Premiere wird demnächst im Handel erhältlich sein. Braucht man diese CD, wenn es doch die Hamburger Aufnahme bereits gibt? Wenn der Applaus herausgeschnitten wird, dann von mir aus gerne...für die Cast freut es mich natürlich. Durch diese Veröffentlichung kommt sicher noch mehr Geld in die Kassen der VBW - und in die von Udo Jürgens natürlich ;)

Sonntag, 14. März 2010

einer für alle und alle für einen

Traurig, aber wahr...oder vielleicht doch nicht? Im Februar erreichte uns Musicalinteressierte eine schlechte Nachricht...das Colosseum Theater steht vor dem En-suite-Musical-Aus und zum endgültigen Ende soll es bereits im Sommer kommen. Essen ist 2010 Kulturhauptstadt und eine solche Botschaft klingt in diesem Zusammenhang noch einen Deut trauriger.

Um das Colosseum Theater in seinem jetzigen Zustand noch zu retten haben die Mitarbeiter des Theaters einen offenen Brief verfasst, um mögliche Sponsoren aufmerksam zu machen. Ich finde es gut, dass man gemeinsam gegen diese "Änderung" aufsteht und seine Meinung der Öffentlichkeit darlegt. Die Hoffnung stirbt zuletzt...vielleicht gibt es doch noch ein Wunder?!

Schlechte Tourproduktionen statt qualitätvolle Stage-Entertainment-Produktionen sind keine würdige Alternative für die Spielstätte im Ruhrgebiet und dient auch dem Genre "Musical" nicht...
...gerade in Zeiten, in denen man sich im Fernsehen Aussprüche wie "das Musical hat seinen Höhepunkt überschritten" oder "das Musical ist als Kunstform nie dagewesen" gefallen lassen muss (Dokumentation "Showfieber" im orf) ist das nicht gerade dienlich. Mir wurde wirklich schlecht, als ich mir das heute anhören musste - und das in einer Doku über "Musical in Wien" und (fast) ohne ausgleichende Statements...

Ich drücke den Mitarbeitern des Colosseum Theaters die Daumen und hoffe, dass sie mit diesem durchaus mutigen Schritt dazu beigetragen haben dieser Musicalspielstätte noch eine Chance zu geben!

Montag, 22. Februar 2010

„Lass den Zauber entstehn“ – Best Of Musical GALA 2010


Bisher hatte ich nie die Möglichkeit eine Stage Entertainment-Best Of Musical-Show zu erleben, da ich das einzige Mal als die Gala in Wien gastiert hat gerade mit der Schule im Ausland verweilte. Ich hatte bereits Karten und war undenkbar traurig nicht dabei sein zu können. Dieses Jahr wollte ich mir diese Show nicht entgehen lassen – nicht zuletzt wegen der großartigen Künstler, die dieses Jahr mit von der Partie sind.
Pia Douwes, Ana Milva Gomes, Elisabeth Hübert, DMJ, Mark Seibert, Patrick Stanke, Willemijn Verkaik, Anton Zetterholm und ein 16-köpfiges Tanzensemble hatten die Aufgabe den Zauber von 15 bzw. 16 Musicals entstehen zu lassen und das in den größten Hallen Deutschlands. Eine schwierige Aufgabe, die auch ganz gut bewältigt wurde, denn tatsächlich ist es der Stage Entertainment-Show gelungen den Geist einzelner Shows wirklich zu fassen und dem Publikum zu präsentieren. Nicht alle Musicals konnten optimal dargeboten werden, aber darüber sieht man wirklich gerne hinweg, da so viel anderes Gutes dabei war. Ich persönlich bin kein Fan dieser Hallenatmosphäre, denn es verläuft sich sehr vieles und verpufft. Um dem entgegenzuwirken hat Stage Entertainment ein großes Ensemble engagiert, das die Bühne mit Leben erfüllt hat. Die Tänzer waren allesamt wirklich fantastisch und mussten für das Engagement sicher eine harte Audition bewältigen. Es ist sicher ein großer Erfolg bei dieser Best Of Musical-Show dabei zu sein, denn es ist wirklich die Beste, die wir im deutschsprachigen Raum haben. Die Show würde sicher noch an Qualität gewinnen, wenn die Hallen kleiner wären und die Liedauswahl noch besser. Natürlich gab es zwei Leinwände, die die Größe der Münchner Olympiahalle kompensieren sollten, aber die Persönlichkeit des Events ging dabei verloren.

Begonnen hat die Show mit „Lass den Zauber entstehn“ aus Pippin. Dieses Musical sagte wahrscheinlich dem größten Teil des Publikums nicht viel, aber das Lied passte als Anfang perfekt. Umgesetzt war es ein bisschen merkwürdig. Das Ensemble und die acht Solisten kamen der Reihe nach zu zweit oder zu dritt in Harlekin-Kostümen auf die Bühne und der Sound war alles andere als astrein. Besser wäre es vielleicht gewesen, die Darsteller mit Kostümen aus den einzelnen Shows auftreten zu lassen, um eine kleine Vorschau zu geben…

Erwartet habe ich mir einen Querschnitt aus den laufenden Stage Entertainment Shows, aber präsentiert wurden auch „berühmte Klassiker des Musicals“ (Johannes Mock-O’Hara im Vorwort des Programmhefts). Was „Once upon a time“ aus Brooklyn als Klassiker in der Show zu suchen hatte ist für mich allerdings ein Rätsel. Als Klassiker kann man dieses Musical wohl kaum bezeichnen, allerdings ist es ein wunderschönes Lied, platziert wurde es aber eher schlecht. Direkt nach dem Tarzan-Block kam Pia Douwes auf die Bühne und performte diesen Song. Der Übergang hätte besser sein können und das Lied wäre vielleicht nicht so untergegangen. Alle Solisten sind wirklich tolle Darsteller, die wirklich in allen drei Bereichen des Musicals wahnsinnig viel drauf haben. Pia Douwes und Mark Seibert hatten meiner Meinung nach die meiste Ausstrahlung, aber auch die anderen standen den beiden um nicht viel nach. Es war wirklich ein Vergnügen diesen tollen Darstellern zuzuschauen, wie sie eine spritzige, kurzweilige Show auf die Bühne gebracht haben. Teilweise ist es Stage Entertainment wirklich gelungen die einzelnen Musicals für kurze Zeit zum Leben zu erwecken. Gelungen ist das für mich vor allem bei Hairspray, Dirty Dancing (ob Musical oder nicht), Der Schuh des Manitu, Disneys König der Löwen, Disneys Musical Tarzan und Wicked. Bei Dirty Dancing tanzte das fantastische Ensemble, allen voran Taryn Nelson und Andras Simonffy, die Originalchoreographie und das Publikum ist ausgerastet. Wirklich erstaunend wie sehr die Zuschauer auf Dirty Dancing in jeglicher Form anspringen :)

Die Solisten konnte man in unterschiedlichsten Charakteren erleben und man hatte so die Möglichkeit sich wirklich ganz von ihrem Talent überzeugen zu können. Patrick Stanke konnte man z.B. als Big Bopper, Tony (wunderschönes „Maria“), Edna Turnblad und als Schoschonen Häuptling erleben, während Anton Zetterholm u.a. Buddy, Abahachi (sein bayrischer Dialekt war für einen Schweden ganz passabel) und natürlich Tarzan auf die Bühne gebracht hat. Sehr berührend fand ich seine Performance von „In the still of the night“ aus Dirty Dancing - merkwürdigerweise nicht im Programmheft. Anton Zetterholm hat es sehr zurückgenommen und ehrlich gesungen. Wirklich ein Highlight.

Pia Douwes ist einfach unschlagbar gut. Sie ist in ihren Rollen immer hundertprozentig drinnen und überzeugt jede Minute. Und wenn sie einmal einen Ton nicht trifft – große Ausnahme! – dann kann man ihr das gar nicht übel nehmen. Es passiert eben auch den besten Künstlern. Sie performte u.a. als Velma Kelly, Norma Desmond (wow!) und Lisa Wartberg.

Auch Mark Seibert ist einfach mit einer wahnsinnigen Ausstrahlung gesegnet. Seine Stimme „geht runter wie Öl“, so gefühlvoll und warm ist sie, und er ist schauspielerisch und auch tänzerisch einfach ebenfalls top…von seinem Aussehen müssen wir ja nicht sprechen ;) Er überzeugte u.a. als Joe Gillis, Ranger und Fiyero.

Elisabeth Hübert und Ana Milva Gomes brachten ebenfalls eine Top-Performance auf die Bühne. Elisabeth Hübert neben der Paraderolle der Jane auch als Tracy Turnblad (mit Fatsuit), Roxy Hart und in Dirty Dancing. Ana Milva Gomes als Anita, Motormouth Maybelle, Nala, Kala und Deloris van Cartier.

Die Blöcke aus Dirty Dancing und We will rock you waren in fester Hand von Willemijn Verkaik und DMJ. DMJ konnte mich vor allem in diesen beiden Blöcken überzeugen, in König der Löwen hat er ein wenig nachgelassen. Willemijn Verkaik ist ebenfalls eine großartige Darstellerin und sehr vielseitig. Sie konnte man u.a. als Ozzy, Killer Queen und natürlich als Elphaba sehen.

Neben Songs der aktuellen Shows und den „Klassikern“ (natürlich auch ein West Side Story Block – was für ein Unterschied zur Badener Produktion und das in nur 3 Liedern!) gab es dann noch einen Ausblick in die Zukunft. Die Zuschauer kamen in den Geschmack jeweils einen Hit aus den neuen Stage Entertainment Shows „Sister Act“ und „Hinterm Horizont“ (Udo Lindenberg Musical) zu erleben. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf ersteres und bin gespannt wie das deutsche Publikum dieses Musical annehmen wird.

Mittwoch, 17. Februar 2010

..and I'm finally off to Munich


Morgen geht's ab nach München und ich freue mich schon sehr auf meine kleine Musical-Reise. Da ich noch keine Stage Entertainment-Best Of Musical-Show gesehen habe, bin ich wirklich gespannt darauf. Besonders freut mich auch, dass ich zum ersten Mal Anton Zetterholm live erleben darf. Habe große Erwartungen...:)

Review folgt!

Image via

Sonntag, 27. Dezember 2009

Ein paar Gedanken zu Tarzan + CD-Tipp

Zweimal habe ich dieses Jahr "Tarzan" in Hamburg erleben dürfen..."erleben" ist hier sicher die richtige Wortwahl, denn dieses Musical ist ein Erlebnis...genau wie in "The Lion King" erlebt und sieht man Dinge auf der Bühne, die man vorher nicht für möglich gehalten hätte!

Im Februar war ich einfach nur begeistert. Ich habe zwar weder Anton Zetterholm noch Elisabeth Hübert gesehen, aber David J. Boyd und Isabel Trinkaus haben ihre Sache auch gut gemacht...enttäuscht war ich im ersten Moment aber schon, da ich ein Fan der TV-Show war, vom Moderator und der Musikauswahl mal abgesehen!
Mein "Dreamteam" waren damals Anton Zetterholm und Ina Trabesinger...er ist es ja bekanntlich geworden und sie durfte im März für kurze Zeit Jane spielen - leider habe ich die beiden nicht zusammen gesehen :)
Tarzan hat mich einfach total beeindruckt...die ganze Umsetzung war einfach fantastisch.

Jetzt im Dezember bin ich noch einmal nach Hamburg gereist und bei der Gelegenheit Tarzan ein zweites Mal angeschaut...wieder kein Anton, aber dafür Elisabeth Hübert. Ich konnte mir Elisabeth Hübert eigentlich nie als Jane vorstellen, aber sie war richtig gut und viel besser als Isabel Trinkaus...diesmal hat Mark van Beelen Tarzan gespielt und auch er war gut...er war ja auch bei "Ich Tarzan, Du Jane" dabei - auch in der niederländischen Version dieser Show - er wollte diese Rolle also unbedingt spielen :)
Am besten hat mir allerdings Peti van der Velde (Kala) gefallen, die einfach pure Liebe und Geborgenheit ausgestrahlt hat...sie hat außerdem eine wunderschöne, warme Stimme - es war einfach nur eine Freude ihr zuzusehen!

Da ich wusste, was mich erwartet habe ich die Show diesmal auch anders wahrnehmen können. Im Februar war ich ein wenig von der tollen Umsetzung abgelenkt und die dramaturgischen Schwächen sind an mir vorbei gegangen, aber leider muss ich jetzt sagen, dass es wirklich einige gibt...
Ich bin noch immer begeistert von diesem Disney-Musical und finde auch die Musik großartig - zumindest die meisten Songs, aber die Show hat ihre Längen. Was mich auch stört sind die Übergänge. Selten gibt es gute Übergänge zwischen den Szenen/Songs und die meisten Szenen sind abgehackt und verlaufen nicht ineinander...

Anton Zetterholm werde ich wohl erst im Februar zu sehen bekommen, da bin ich nämlich beim Best of Musicals Konzert in München...ich bin wirklich gespannt!

Zu Tarzan gibt es übrigens ein interessantes Buch, ich habe es selbst noch nicht ganz gelesen, aber es liegt in meinem Bücherregal und wartet darauf...wen es interessiert:

"Tarzan - The Broadway Adventure" von Michael Lassell

So und jetzt noch zu meinem CD-Tipp:

In den letzten Tagen habe ich viel über meine Zeit in New York nachgedacht und mir diesen schönen Sommer nochmal vor Augen geführt...eines der letzten Musicals, die ich dort gesehen habe, war "Rock of Ages" und ich war von der Stimme und der Ausstrahlung des Hauptdarstellers Constantine Maroulis sehr angetan...
Ich habe mir daraufhin gleich seine Solo-CD "Constantine" gekauft und kann sie euch nur weiterempfehlen...guter, leichter Rock/Pop!

Donnerstag, 7. Mai 2009

Der Schuh des Manitu - Berlin

Anfang April hat es mich für ein paar Tage nach Berlin verschlagen...ich wollte unbedingt das Musical "Der Schuh des Manitu" sehen...

Im Großen und Ganzen hat es mir gut gefallen. Es hat mich nicht total überzeugen können, dafür gab es zu viele Kritikpunkte, aber es war gut. Ich wurde jedenfalls nicht enttäuscht, denn bei einer Filmadaption gibt es natürlich immer ein gewisses Risiko.

Zuerst einmal möchte ich auf die positiven Punkte eingehen...

Da wäre zum Beispiel das großartige Ensemble. Der Großteil der Darsteller kann durch und durch überzeugen, weil sie mit ganzer Seele dabei sind. Einige für mich bekannte Gesichter waren dabei und ich finde immer schön, wenn man sieht wie vielseitig die Darsteller sein können. Von Mark Seiberts Talent bin ich schon seit dem ich ihn in "Romeo & Julia" gesehen habe angetan und ich war mir damals schon sicher, dass er seinen Weg machen wird. Und auch bei "Der Schuh des Manitu" war er fantastisch. Das Musical verlangt eine ganze andere Seite von ihm, aber diese Aufgabe meistert er genauso gekonnt wie die zuvor. Stimmlich, darstellerisch und auch tänzerisch ist er einfach top! Auch den bayrischen Dialekt hat er für die Rolle des "Ranger" glaubhaft einstudiert...

Auch Jens Janke (ich habe nicht Erstbesetzung Mathias Schlung gesehen) ist als "Abahachi" wirklich gut. Er lebt die Rolle und überzeugt in jeder Sekunde. Sein Blutsbruder "Winnetouch", gespielt von Veit Schäfermeier, überragt ihn in manchen Szenen allerdings noch ein kleines Stück. Schäfermeier ist neben Detlef Leistenschneider, der den Griechen "Dimitri" spielt, ein Highlight des Abends. Beide spielen fantastisch und verpassen keine Pointe.

Aus dem Ensemble möchte ich noch besonders Thomas Klotz hervorheben. Als "Falscher Hase" ist er sehr überzeugend und in anderen Ensemblerollen sticht er irgendwie auch immer wieder heraus - eine starke Bühnenpräsenz.

Zwei Darsteller, die mir in ihren Rollen leider überhaupt nicht gefallen haben, waren Ingo Brosch als Santa Maria und Michelle Splietelhof als Uschi.
Ingo Brosch spielt den Santa Maria wenig überzeugend. Stimmlich gefällt er mir nicht, und schauspielerisch noch viel weniger. Es springt nichts über. Er hat kein Charisma und ihm fehlt ein wenig der kühle Gentleman-Touch, den diese Rolle braucht und den Sky du Mont so gut verkörpert hat. Und auch Michelle Splietelhof enttäuschte eher. Stimmlich ist sie zwar okay, hat aber auch kein "gewisses Etwas", das man als Darsteller irgendwie braucht, zumindest wenn man eine Hauptrolle spielt.

Die Musik aber ist wirklich gut (Musik: Martin Lingnau, Lyrics: Heiko Wohlgemuth). Ich war zuerst etwas skeptisch, habe aber meine Meinung bald geändert. Ein paar Lieder, die zwar sehr gut sind, passen allerdings nicht so ganz in die Story bzw. sind etwas "too much". Das liegt aber am Buch. Diese Szenen kommen im Film nicht vor, wurden also noch zusätzlich hineingeschrieben, was meiner Meinung nach ein Fehler war, da diese keinen wirklichen Sinn ergeben.
Da wäre z.B. der Muffin-Song "Muffins muss man haben". Der Song kommt unmittelbar nach der Pause und ist wirklich unnötig. Wo bitte kommen plötzlich die Muffins her? Es ergibt keinen Sinn und es ist nicht einmal lustig. Im Text heißt es vor der Pause "...und jetzt holt sich jeder noch ein Eis und dann ab in die Pause" - auch im Film kommt dieser Satz so ähnlich vor und funktioniert. Wenn man schon ein Lebensmittel ansingen wollte, dann warum nicht gleich das Eis...aber nein...es muss ein Muffin sein. Aus dem Zusammenhang gerissen und einfach unsinnig.

Auch die Szene mit dem Jodelwettbewerb ("Ich brauch 'nen Mann, der jodeln kann") kommt im Film nicht vor und ist auch eher unnötig. Mark Seibert kann zwar seine Jodelkünste vorführen, was schon etwas wert ist, aber an sich ist die Szene eher schwach und hätte weggelassen werden können.
Die Szene mit Abahachis Großvater "Grauer Star" aus der Extra Large Version des Films hätte vielleicht auch nicht unbedingt hinein gehört, ist aber okay, weil der Song dazu ganz gut ist.

Wirklich gut sind hingegen: "Grmpfzl", "Wieder mal am Marterpfahl", "Husch Husch", "Ich trinke Ouzo", "Wilder Westen" und "Wünsche werden wahr". Die CD ist auf jeden Fall empfehlenswert!

Ein Highlight des Musicals ist das Bühnenbild (David Gallo). Was aus dieser Bühne herausgeholt wurde ist wirklich toll. Auch die Kostüme (Ann Hould Ward) und die gesamte Umsetzung sind wirklich gelungen, z.B. die Reitszenen. Alles ist mit viel Liebe zum Detail gemacht. Auch die Choreographie von Dan Knechtges ist sehr ideenreich und deckt viele Bereiche ab.

Im Grunde sind die Dialoge exakt aus dem Film übernommen worden. Für diejenigen, die den Film schon oft gesehen haben, gab es also nicht mehr viel Neues zum Lachen - die Witze kennt man ja schon. Die neuen Szenen mit neuem Text sind da leider in die Hose gegangen, denn sie wirken, wie schon gesagt, eher übertrieben und unsinnig als lustig.

Wer den Film mag, wird auch das Musical mögen. Nicht zuletzt wegen der großartigen Darsteller - von Santa Maria und Uschi mal abgesehen ;)
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