Mittwoch, 30. Mai 2012

Musical Unplugged 6.2 - free voices, one piano

"Musical Unplugged" ist Musik. Pur, einfühlsam, schnörkellos. Ohne jede Klischeebedienung…heißt es auf der Homepage von Musical Unplugged.

Eine doch sehr passende Beschreibung eines Abends, der aufgrund seiner Individualität, eigentlich unbeschreiblich ist. Man muss selbst dabei gewesen sein. Man muss selbst gesehen und gehört haben. Ein Klischee wird allerdings schon bedient – ist es eins? :) – aber da sei jetzt nicht zu viel verraten, aus Rücksicht auf zukünftige Musical Unplugged-Besucher.
Die Konzertreihe ist schon mehr als ein Geheimtipp, es ist zu einem persönlichen Event geworden. Es haben sich „All-Time-Favourites“ entwickelt, die in keinem Konzert fehlen dürfen und die man immer wieder gerne hört. Dabei bin ich oft die Erste, die aufschreit, wenn etwas zu Abgedroschen ist. Doch bei „Musical Unplugged“ kommt es zu keiner allergischen Reaktion, weil immer ein gewisser „Twist“ dabei ist. „Last Supper“, „Das Gebet“, „Die Schatten werden länger“ gefallen hier - ohne Ausnahme - immer. Ganz zu schweigen von der „Institution“ Duett Schützenhofer/Semotan und den „Kirchenschlagern“…

Dazwischen haben sich ein paar neue Überraschungen gemischt – die meisten setzten auf „Mann singt Frau“. Immer eine gute Idee. (Ich bin übrigens für eine Version von „Guys sing Dolls“ in Wien – aber bis dahin reicht Musical Unplugged vollkommen aus.) Hier kann man „Siehe da sie liebt“ von Stefan Bischoff hören, Jakob Semotan als Kaiserin erleben und Christof Messner als Susan Rigvava-Dumas…äh…Mrs. Danvers. Und wie das alles Spaß macht! Überzeugen können diese Herren in den doch etwas „anderen“ Nummern ganz und gar – auch in Duetten.
Die Besetzung hat etwas Magisches. Diese acht Sänger harmonieren so gut miteinander, dass es einfach unglaublich viel Spaß macht bei diesem Abend dabei zu sein und ihnen zuzuhören. Hier merkt man wieder einmal wie stark die Stimmung auf der Bühne auch auf das Publikum schlägt. Man wird dabei eine große Gemeinschaft, die sich in einem beschränkten Zeitrahmen im Gleichklang befindet. Irgendwie ein schönes Erlebnis.

Highlights herauszusuchen ist fast unmöglich – ganz vorne mit dabei sind aber sicher „Viva la vida“, „Under Pressure/ It’s my life“, „Bring on the Night“, „Love of my life“ und die Zugabe „Amazing Grace“, die so gut war, dass man mit einem lachenden und einem weinenden Auge den Saal verlässt – der Abend hatte sein perfektes Ende gefunden.
Die Herren haben noch einmal alles, was sie drauf haben zusammengekratzt, und sich ohne Mikro auf diesen Gospel-Evergreen eingelassen. Was das für eine Wirkung hatte? Gänsehaut. Man musste den Atem anhalten, um ja keinen Ton zu verpassen – die Nummer hat ins Schwarze getroffen. Wenn so tolle Männerstimmen zusammenklingen, kommt eigentlich nicht mehr viel dagegen an – das klingt einfach …pardon… f****** awesome!

Dieses Konzert macht  genauso viel Spaß, wie es auch berührt. Es berührt in den Momenten, in denen die Musik, überhandnimmt und man alles um sich herum vergisst. Wenn man es zulässt, kann man an diesem Abend viel erleben.
Interessant ist es auch zu sehen, wie jeder einzelne mit seinem Part umgeht – wie jeder seine Individualität einbringt. Bei Messner und Bischoff sieht man da viel über die Augen, die einen in die Songs einladen, bei Semotan und Schützenhofer viel über die Mimik, bei Neugebauer geht die Musik durch den Körper, bei Reithner durch die Finger, bei Pasching spürt man unglaubliche Energie, bei Devens muss man die Augen zusammenkneifen, um zu glauben, was da vor sich geht.

Dem Talent von Reithner hat das Publikum außerdem zu verdanken, „Altes“ in neuem Licht zu entdecken - ein bisschen Orgel zu Gigi D’Agostino, ein bisschen Conquest of Paradise zu Les Miserables.
Nicht von dieser Welt klingen Luc Devens und Florian C. Reithners Eröffnungsnummern des zweiten Aktes. Da wird man von „Jesus Christ Superstar“ weggeblasen, gefolgt von einem fulminanten Klaviersolo samt „Donauwalzer“ und „In deinem Namen wollen wir“.

Achja, fast hätte ich es vergessen – eine Neuerung bei Musical Unplugged 6.2: Der Jugendauswahl-Chor des Sacré Coeur Pressbaum. Eine kleine Schar junger Sängerinnen und Sänger, die mit leisen Stimmchen, ein bisschen mitsingen durften. Ob das wirklich „notwendig“ war, sei dahingestellt, die Sänger kommen auch ohne gut klar. Was den Schülern leider gefehlt hat  – auch wenn hier sicher Unerfahrenheit und Nervosität im Spiel waren – war Ausstrahlung. Die Mikros ein bisschen aufzudrehen hätte wenigstens der fehlenden Lautstärke etwas entgegen gewirkt, doch „Pfeffer“ kann auch das nicht bringen. Da braucht sich nur ein Luc Devens danebenzustellen – er fegt sie alle weg. Nett gesungen hat er, der Chor, auch wenn die Leidenschaft gegen null tendierte.
All das Großartige fand außerdem für einen guten Zweck – zugunsten der ÖGAST – statt. Wenn sich dieser Abend also nicht gelohnt hat, dann weiß ich auch nicht. Bitte mehr! Bald!

LINKS:

- Musical Unplugged
- Musical Unplugged youtube channel
- Kritik NÖN

Ab ins Kino...

Musicals für den Film zu adaptieren ist in den letzten Jahren mindestens ebenso beliebt geworden wie das umgekehrte Phänomen - und das eigentlich ganz erfolgreich. Man spricht nach Kassenschlagern wie "Hairspray" jetzt auch von Kinoversionen von "Spring Awakening" und "Wicked" - da scheint einiges in Planung zu sein, mal schauen was daraus wird! Doch in nächster Zeit erwarten uns zunächst "Rock of Ages" (Regie: Adam Shankman) und "Les Miserables" (von "The King's Speech"-Director: Tom Hooper). Eben erst wurde der Trailer für letzteren präsentiert und ich finde er ist doch ganz vielversprechend. Seht selbst...



Achja, Österreich-Kinostarts sind 14. Juni (RoA) und Weihnachten 2012!

LINKS:

- Rock of Ages IMDB
- Les Miserables IMDB
- Trailer #2 Rock of Ages

Dienstag, 29. Mai 2012

Uraufführung: Tee um Drei - Musicaloperette am Konservatorium

"Tock tock tock – wer steht draußen vor der Tür und will rein…“ – was für ein Ohrwurm. Ich singe ihn noch am Donnerstag auf meinem Morgenflug nach London vor mich hin und auch jetzt noch, Tage später, geistert der eingängige Song in meinem Kopf herum…

Einen besseren Zeitpunkt als mir am Abend vor meinem London-Trip „Tee um 3“ am Konservatorium anzuschauen gibt es nicht. Spät aber doch finde ich nun ein bisschen Zeit, um in ein paar Worten darauf einzugehen. Die Erinnerung ist vielleicht nicht mehr ganz so frisch, aber es gibt Stücke, die man nicht einfach so vorbei ziehen lassen kann. Dazu gehört auch die gelungene Impro-Show des ersten Kons-Jahrgangs – dazu im Anschluss.
"Ein modernes Feuer im Unterhaltungstheater zu entfachen"  – eine Herausforderung. Gerade auch in dieser Zeit. Regisseurin Isabelle Fritdum gibt den beiden „Erschaffern“ der Musicaloperette „Tee um Drei“ Rückenwind und merkt im Vorwort an, dass hier etwas Neues und Gutes gelungen ist. Und das ist es. Kreativität und Mut – auch von Seiten des Konservatoriums, das anscheinend viel Vertrauen in die vielseitigen Fähigkeiten seiner Studenten setzt – zeigen Sebastian Brandmeir (Musik) und Florian Stanek (Buch & Liedtexte) mit ihrem gemeinsamen Erstling. Es ist Unterhaltungstheater wie man es sich wünscht und der erfolgreiche und überaus gelungene Abschluss eines Semesterschwerpunkts (Operette KONS-erviert):

Buch und Musik – spritzig, liebevoll, mit viel Humor und Happy End. Sympathische Protagonisten, fiese Gegenspieler mit Format, ein bisschen Verwechslung, ein bisschen Tohuwabohu mit Augenzwinkern, und am Ende ein bisschen „heile Welt“.
Florian Stanek hat hier seine Trümpfe ausgespielt – ich bin mir aber sicher, dass er noch mehrere im Ärmel hat - und ein lustiges, charmantes Buch geschrieben. Die ein, zwei aufgelegten Witze – für allzu vorhersehbare „Wuchteln“ bin ich meistens nicht zu haben – werden von mal feinfühligen, mal ordentlich „reinhauenden“ Pointen  überboten und fallen gar nicht weiter auf oder ein. Zur Orientierung sei aber jedem Zuschauer Staneks Kommentar zu Husten, Lachen und Bierkonsum im Programmheft empfohlen.

Gleich anschließend kann man dann auch erfahren wie die Ko-Produktion Brandmeir/Stanek so vor sich gegangen ist. Vom Basteln eines Ohrwurms, vertauschten Rollen, Ärgernissen mit dem Notationsprogramm, bis hin zur „Klausur“ am Grundlsee. Und den Leitmotiven. Die schmissige Musik von Brandmeir bietet nämlich Vielschichtigkeit. Da sind interessante Harmonien und mehrstimmige Herausforderungen dabei – kurz und gut, die zwei Studenten des Abschlussjahrgangs haben hier etwas geschaffen, das nicht nur Anerkennung verdient, sondern vor allem gelungenes Unterhaltungstheater ist. Hut ab vor dieser Leistung!
Ein paar Worte zu den „Ausführenden“ sind jetzt aber schon noch angebracht…

Johannes Nepomuk spielt Protagonist Joe Kaschemski. Er blüht in dieser Rolle wahrlich auf. Er fühlt sich scheinbar wohler als in der Rolle des Roger in RENT, gibt 100 Prozent und überzeugt durchwegs. Hier hatte er die Möglichkeit zu zeigen, was für eine besondere Stimme er hat. Joe’s Freundin Tracey gab Salka Weber, die ebenfalls überzeugte, wenn auch gesanglich nicht immer so sicher, wie man es schon von ihr gehört hat. Dieses Paar bleibt nicht das einzige Revival aus der Kons-Produktion von RENT – auch Manuel Heuser und Manuel Walcherberger durften noch einmal gegenseitiger „love interest“ sein und Heuser hatte das Vergnügen ein weiteres Mal in Frauenkleidung performen. Wer weiß, ob die Queen amused gewesen wäre – das Publikum war es. Sehr.
Dieter Hörmann als dümmlicher Mr. Crawford spielte mit viel komödiantischem Fingerspitzengefühl und hat es sogar geschafft den „Running Gag“ nicht irgendwann alt aussehen zu lassen, sondern ihn gekonnt durch das Stück getragen.

Tanja Petrasek setzte ihren Charakter mit ihrer gewaltigen Stimme gleich in Position, Alixa Kalaß durfte wieder exzentrisch sein, eine Aufgabe, die ihr liegt – samt russischem Akzent - und Franziska Kemna agierte einwandfrei – mit amüsanten Akzenten – als Geschäftsfrau, mit einer Vorliebe für Buchhaltung.
Auch der Rest des Ensembles aus dem zweiten Jahrgang hat es geschafft die kleinsten Rollen mit Leben zu erfüllen – hier war man mit viel Spielfreude am Werk. Hervorzuheben ist hier vor allem Steven Klopp als Mr. Kissass und Scheich Murat – diese Mimik!

Zu guter Letzt ein Hoch auf das Super Mario-Intro (da werden Erinnerungen wach), das Bühnenbild von Timo Verse (Wings aus „Union Jack“ im royalen Blau), die freche Choreografie von Marcus Tesch und dem umgreifenden Ideenreichtum – wer auch immer die Idee hatte, Rechenschieber als Tamburins und Hefter als Kastagnetten einzusetzen; grandios!
Vorfreude: Eine CD-Aufnahme ist angeblich bereits im Entstehen...
Und während die mittleren Jahrgänge London unsicher gemacht haben und sich der vierte Jahrgang auf die Bachelorprüfungen im Juni vorbereitet, hat sich der erste Kons-Jahrgang letzte Woche der Kunst der Improvisation gewidmet. Mit großem Erfolg. Ich bewundere den Mut der Darsteller, die diese Herausforderung bravourös gemeistert haben. Improvisation gehört für mich zu den Meisterdisziplinen. In „Theater. Sport & Musik.“ haben sich die acht Studenten für das Publikum geöffnet und in einer Mischung aus Theatersport und improvisierten Gesangseinlagen rund zwei Stunden lang verausgabt (da bekommt man viel Potenzial auf der Bühne zu sehen!). Unterstützt wurde der erste Jahrgang von „Tee um Drei“-Autor Florian Stanek als Conférencier und Andreja Zidarič als seine Assistentin Uschi. Stanek führte souverän und gekonnt durch den Abend und ließ sich den ein oder anderen Wortwitz nicht entgehen. Sein Talent liegt teilweise schon jenseits von „Gut und Bösendorfer“ - im absolut positivsten aller Sinne! Beide machen einen neugierig, was sie denn bei der Abschlussshow in drei Wochen dem Publikum präsentieren werden…

LINKS:
- "Tee um 3" auf Facebook
- Kritik "Tee um 3" auf Musical&Co
- Fotogalerie "Tee um 3"
- Tee um Drei youtube channel - u.a. mit Einblicken in die CD-Aufnahme

Sonntag, 13. Mai 2012

Leben ohne Chris - Der Trailer

Ab 31. Mai ist "Leben ohne Chris" als Österreichische Erstaufführung in Wien zu erleben. Emdis Stage und das Vienna Konservatorium bringen das Musical von Peter Lund und Wolfgang Böhmer ins Theater im 1. Stock.

Vor zwei Jahren konnte ich bereits beim Intendantenvorsprechen einige Szenen und Songs aus dem Musical kennenlernen und war begeistert. Tobias Bieri als Michael hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen und auch der Rest des Ensembles hat in diesem - von Peter Lund auf ihren Leib geschneiderten - Stück überzeugt. Es war lustig, es war berührend, es war anders.
Nun ist der Trailer für die Österreichische Erstaufführung erschienen. Man hätte da eindeutig mehr herausholen können. Vergleicht man ihn mit jenem der deutschen Kollegen bleibt man ein wenig enttäuscht zurück. Viel Neues war da nicht dabei. Beim deutschen Trailer liegt wenigstens in der Kürze die Würze und Christopher Brose hat deutlich mehr Pfeffer in Stimme und Ausstrahlung. Einzig und allein am Ende des Trailers hat man sich für die österreichische Version etwas Kreatives einfallen lassen...

Aber gut, es ist ja nur ein Trailer und ich finde es großartig, dass es diese Produktion nach Wien schafft. Inszeniert wird "Leben ohne Chris" von Jürgen Kapaun, der jetzt schon des Öfteren gelungene Regiearbeiten vorzeigen konnte. Man darf gespannt sein!



LINK:

- Leben ohne Chris / Emdis Stage
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