Donnerstag, 20. September 2012
take a look...
...ein neuer Backstage-Bericht zur "Les Misérables"-Filmversion. Ein Blick hinter die Kulissen mit viel Emotion, der einen mit großer Hoffnung zurücklässt, das der Musicalfilm hier einen Höhepunkt erreichen könnte, seht selbst:
Montag, 10. September 2012
Confessions of a „Musicalstar“...
…oder einem, der unter diesem Titel für kurze Zeit geführt
wurde. Vincent Bueno war Gewinner des österreichischen Versuchs eine Musical-Castingshow
zu veranstalten. Was in der Show für Fehler gemacht wurden – warum singt eine
Frau „Joseph“ und ein Mann „Mary Poppins“? – soll hier aber nicht Thema sein.
Was wurde also aus dem Gewinner von „Musical – Die Show“?
Wird man Erster bei einer Fernsehshow muss das nicht gleich
das große Glück bedeuten, wahrscheinlich ist es oftmals sogar besser nicht den
großen Preis abzuräumen, auch wenn Glanz und Gloria auf einen zu warten
scheinen und das Preisgeld auch nicht ohne ist.
Das erste Video auf seinem neuen YouTube-Channel zeigt
Vincent Bueno von seiner persönlichen Seite, er geht genau auf diesen Gewinn
ein und erzählt kurz, aber ehrlich, davon wie sich das für ihn angefühlt hat. Lässt
man die merkwürdigen Schnitte und Locationwechsel mal außer Acht, so bekommt
man doch einen sehr guten Eindruck davon, wie es damals gewesen sein muss.
Räumt man den großen Preis ab, warten zunächst Ruhm und Rummel.
Schnell nimmt man an Fahrt auf und beginnt in die Höhe zu steigen, bis man
entweder lernt damit irgendwie vernünftig und realistisch mit dem umzugehen, im
Burnout versinkt oder plötzlich hart und schmerzhaft am Boden der Tatsachen
aufschlägt. Wenn man da unten angekommen ist, hilft einem keiner auf. Weit und
breit findet man keine Hilfe, auch die Unterstützung von Familie und Freunden
nimmt einem nicht die Leere, die man fühlen muss, ist man einmal so vor den
Kopf gestoßen worden. Es ist ein Kampf und es bleibt einer.
Nun, die Kunst besteht darin einmal mehr aufzustehen, als
man hingefallen ist – und das hat Vincent Bueno geschafft. Ob man es glaubt
oder nicht, so ein Aufprall bedeutet immer auch eine Chance. Will man
weitermachen, bleibt einem nichts anderes übrig als sich mit dem Leben und vor
allem mit sich selbst auseinanderzusetzen, z.B. in dem man neue Wege sucht und
neue Wagnisse eingeht.
Vincent Bueno macht also weiterhin Musik in Österreich und
auf den Philippinen oder sonst wo – und zwar nicht (nur) Musical. Er schreibt
und singt was aus ihm herausfließt. Man kann also meinen, dass „Musical – Die Show“
samt Höhenflug und Tiefensturz eine lehrreiche Zeit, eine Lektion, gewesen ist,
es scheint zumindest so. Womöglich war es sogar ein wesentlicher Schritt zur
Selbstfindung und eben auch ein Schritt hin zur Befreiung des inneren
Künstlers. Wen’s interessiert, der kann ja mal „reintunen“ in den neuen Channel
– und zwar HIER.
Samstag, 8. September 2012
Gustav Klimt - Das Musical im Künstlerhaus
„Klimt“ gefällt. Es ist ein rundes und durch und durch österreichisches
Musical, das einen schönen Theaterabend beschert. Jegliche Befürchtungen es
könnte so „schlimm“ wie bei „Egon Schiele - Das Musical“ werden, habe ich schon nach den ersten
Minuten verworfen, denn was „Schiele“ nicht hatte, ist ein Schauspieler, der es
schafft das Stück zu tragen und die Rolle des Protagonisten auszufüllen. André
Bauer spielt Gustav Klimt so wie man ihn sich vorstellt, wenn man sich ein
wenig mit dieser Person auseinandergesetzt hat. Hier lässt ihm auch das
gelungene Buch nicht im Stich, das Klimt als Künstler mit vielen Facetten porträtiert.
Gustav Klimt wirkt trotz seiner „Weiberg’schichten“ und
seinen egomanischen Tendenzen (wer nennt mehrere seiner Söhne - von
verschiedenen Frauen - nach einem selbst?)
nie unsympathisch, im Gegenteil, denn André Bauer versteht es Balance zu halten
und Klimt als Mensch mit Fehlern, mit Höhen und Tiefen, darzustellen. Bauer
verliert nie an Präsenz und trägt das Stück bis zum Schluss.
An seiner Seite spielt Sabine Neibersch die Emilie Flöge.
Beiden gelingt es hier eine Beziehung aufzubauen, die nicht nur an der
Oberfläche kratzt, sondern wesentlich tiefer geht. So tief wie die Verbindung
von Gustav und Emilie wohl gewesen sein muss. Vielleicht sogar eine
Seelenverwandtschaft, die viel stärker war als jede sexuelle Begierde, die Klimt bei
anderen Frauen ausgelebt hat.
Neibersch performt mit viel Elan und auch sie ist
Sympathieträgerin. Dazwischen steht Klimts „Genius“. Eine Figur, die man nicht
ganz einordnen kann, aber vielleicht ist genau das die Intention. Ist sie die
Leidenschaft? Also nicht nur die Kunst, das Genie, sondern auch die Erotik?
Hier hat der Zuschauer die Möglichkeit seine eigene Interpretation zu finden –
warum auch nicht? Es muss einem ja nicht immer alles aufs Auge gedrückt werden.
Linda Geider macht ihre Sache als Genius jedenfalls großartig. Sie zieht nicht
nur Klimt in ihren Bann.
Auch das übrige Ensemble muss erwähnt werden, denn die
Gesamtleistung in „Gustav Klimt – Das Musical“ ist überaus gut und sehr
harmonisch. Alle Darsteller bringen Leben in ihre Rollen – das merkt man u.a.
an ausgefeilter Mimik und Körpersprache. Jeder scheint mit Begeisterung bei der
Sache zu sein und das ist schön zu sehen.
Lucius Wolter versteht es Franz Matsch vom Freund bis zum
Neider gekonnt zu interpretieren, Regina Mallinger und Anna Carina Buchegger begeistern
mit Stimme, Gefühl und Ausstrahlung. Georg Prohazka wirkt wie ein geborener Comedian
und spielt Klimts Bruder Ernst mit viel Charme. Harald Tauber spricht und singt
mit herrlichem Dialekt und gibt einen alten Tattergreis mit Leib und Seele.
Nicholas Boris Christahl und Markus Hareter spielen mit Esprit und sorgen für
komische Momente. Und auch Bettina Soriat, Daniela Lehner und Dennis Kozeluh geben
in ihren Rollen ihr Bestes. Es ist ein Ensemble, das in seiner Gesamtheit
besticht und das Musical erst zu dem
macht, was es sein kann.
Hie und da gibt es (noch) Schnitzer: ab und zu klingt ein
Lied wie ein schlechter Schlager, was aber weniger an der Musik als an den oft
einfallslosen Lyrics liegt, und ein, zwei Songs hätte man einfach weglassen
können, ganz einfach weil man sie nicht braucht (z.B. „Wir können es besser“).
Die Musik von Gerald Gratzer kann sich aber hören lassen – es finden sich
einige schöne Nummern, wie z.B. „So zu lieben“, „Oben ganz oben“ (abgesehen von
deren Inszenierung) und „Nur bei dir“. Das Buch (Sissi Gruber, Birgit Nawrata,
Niki Neuspiel) ist gelungen, auch wenn es etwas zu lang ist und die letzten
Jahre nur mehr im wirren Zeitraffer vorbeiziehen. Das Ende wurde genau
getroffen, der „Kuss“ – einfach, knapp und emotional. Die Dialoge wirken längst
nicht so steif und unwirklich wie in „Schiele“, sondern funktionieren meistens
hervorragend. Der wienerische Touch in der Sprache der Darsteller wirkt nicht
aufgesetzt, eher authentisch, und liegt angenehm im Ohr. Beeindruckend sind
auch die Videoprojektionen (Norbert Wuchte) und die kreativen Kostüme (Uschi
Heinzl), vor allem von Emilie Flöge und Genius.
Dean Welterlen hat diesmal ein Händchen für Regie beweisen
können, die Choreografie von Cedric Lee Bradley ist zwar nicht mehr als nett,
findet aber im „Genius“ ihre Entfaltungsmöglichkeit.
Alles in allem ein schönes Werk, das sich sehen lassen kann.
Es ist ein österreichisches Musical mit Potential und schon alleine das gehört
gewürdigt und unterstützt. Bis 7. Oktober wird noch das Künstlerhaus – der
ideale Ort für ein Musical wie dieses – mit „Gustav Klimt – Das Musical“
bespielt, also: hingehen und anschauen. Wo kann man sich sonst einen Teil von Klimts
Geschichte auf so vergnügliche Art und Weise aneignen? Zum Klimt Jubiläum fast
schon Pflichterfüllung. Links:
*Photo Copyright Newplay Entertainment via
Mittwoch, 5. September 2012
Raimund Theater: Elisabeth - Vorpremiere
Lassen wir die Diskussionen über die „Rückkehr“ von
Elisabeth nach Wien (war’s überhaupt weg?) und über die „Übernahme“ der
Tour-Cast einmal außer Acht; versuchen wir auch darüber hinwegzusehen, dass
in der gestrigen Vorpremiere irgendwie der Wurm drinnen war und widmen wir uns der
„Jubiläumsfassung“ von Elisabeth einmal ohne dem allen – probieren wir es
zumindest.
„Elisabeth 2012“ fühlt sich an, als hätte man versucht eine
alte Silberschale zu polieren, um aber dann nach all dem Putzen und Wischen festzustellen,
dass einem die Silberschale angelaufen doch besser gefallen hat. Der alte
Schleier, der sich über das Stück gelegt hatte, wurde nun entfernt und was zum
Vorschein kommt ist gewöhnungsbedürftig.
Die Vorpremiere beginnt und von Anfang an fühlt sich irgendetwas
nicht ganz richtig an, vielleicht musste ich mich auch erst einmal an die neue
Location gewöhnen, denn das Raimund Theater kam mir noch nie so klein vor. Das
Musical konnte und wollte sich nicht so recht entfalten, ob da allein die Größe
der Bühne ausschlaggebend war, ist sehr fraglich.
Der erste Akt wirkt wie eine Nummernrevue, die Songs und
Szenen erscheinen aneinandergereiht, aber nicht zusammenhängend. Warum aber? Man sitzt im Publikum und kann es
nicht ganz verstehen. Liegt es an Lucheni? Kurosch Abbasi spielt und sing gut,
aber ihm fehlt der Biss, das „Einnehmende“. Luigi Lucheni ist das
Verbindungsglied zum Publikum und man sollte ihn im selben Moment lieben und
hassen können und ihm immer folgen wollen. In dieser Rolle muss man bereit sein
zu outrieren was das Zeug hält, erst dann wird sie „griffig“. Doch gestern
wollte sich das partout nicht einstellen. Abbasi wurde ständig überschattet,
war nicht präsent, nicht stark genug. Vielleicht muss sich das erst einspielen
bzw. er sich erst einspielen. Wie es funktionieren würde, sieht man leider erst
im Schlussapplaus – zu spät.
Neben dem Gefühl hier einer Revue beizuwohnen entsteht auch
das Gefühl einer Parodie. Nehmen wir z.B. „Jedem gibt er das Seine“. Sei es nun
der Kardinal Erzbischof oder welcher Graf auch immer, sie alle sprechen ihre
Sätze mit Ironie und ohne jeglichen Ernst. Alles wirkt wie eine Karikatur. Die Choreografie
von Dennis Callahan ist aber Karikatur genug, mehr braucht es nicht. Es wirkt
als hätte man die ironische Kommentarfunktion von Lucheni abgezogen und sie in
unpassender Weise nach Belieben hineininszeniert. Gerade in dieser Szene wird
wenig transportiert, auch wenn Daniela Ziegler und Franziskus Hartenstein alles
in ihre Rollen legen.
Hartenstein ist ein sehr überzeugender Franz Joseph, der dem
Kaiser viele neue Schichten verleiht und der Rolle Leben einhaucht. Er versteht es stets Balance zu halten –
sei es nun zwischen Herrscher und verliebten Mann oder Sohn, Ehemann und Vater.
Eine grandiose Leistung für einen so
jungen Darsteller!
Auch Daniela Ziegler als Sophie überzeugt in ihren Szenen,
ebenso wie Carin Filipcic, die als Herzogin Ludovika und Frau Wolf, wie
gewohnt, souverän performt.
Den ersten schönen Moment findet das Musical in „Ich gehör
nur mir“, in einer wunderschönen Interpretation der Hauptdarstellerin Annemieke
van Dam. Hier kommt das Stück erstmals zu einem Halt und man kann für einen
Moment die Kuriositäten des Anfangs vergessen.
Van Dam spielt Elisabeth mit Hingabe - nuanciert, glaubwürdig
und mit viel Pathos. Eigentlich bildet Elisabeth mit Tod und Lucheni eine Art Triangel,
doch in der Jubiläumsfassung steht sie alleine da und lässt die beiden anderen
Gestalten hinter sich. Eine eigenartige Wendung, die durch die Darstellung von
Mark Seibert als Tod noch verstärkt wird. Er spielt einen majestätischen Tod,
einen erhabenen Tod mit pubertären Zügen, die ab und zu unerwartet ihren Weg
nach draußen finden. Aber obwohl Seibert wie ein geborener Verführer wirkt,
will sich die Anziehung zwischen ihm und Elisabeth den ganzen Theaterabend
einfach nicht einstellen. Auch Annemieke van Dam spielt diese Ebene kaum an - ihre Todessehnsucht kommt nicht immer klar heraus. Erst gegen Ende des Stückes
habe ich zu einer Neuinterpretation der Rolle des Todes gefunden, doch ob das
intendiert war? Eher unwahrscheinlich. Eigentlich ist es ja die Grundidee des Musicals, der Kaiserin
den Tod als Liebhaber gegenüberzustellen; hier aber bespielt der Tod eher seine
Liebe zum Töten als die Liebe zur Kaiserin. Elisabeth nimmt keine
Sonderstellung ein. Seine Eifersucht und Wut ergründen sich nur daraus,
dass er nicht bekommt, was er will. Dann das Paradoxon: Zwischen Rudolf und dem
Tod herrscht in „Die Schatten werden länger“ mehr erotische Spannung als
zwischen Elisabeth und ihrem sog. „Liebhaber“. Hier sprühen die Funken, die man
sich eigentlich woanders vorgestellt hat und die Luft elektrisiert sich, wie an
keiner anderen Stelle.
Nach der Pause nimmt das Stück dann generell an Fahrt auf und findet
seinen emotionalen Höhepunkt - man glaubt es kaum - in „Wenn ich dein Spiegel
wär‘“. Anton Zetterholm brilliert als Rudolf. Er kommt mit einer inneren Spannung
auf die Bühne, die Ihresgleichen sucht, und spielt seine Rolle mit jeder Faser
seines Ichs. Das ist Schauspiel. Durch seine wunderschöne Stimme transportiert
er jedes noch so kleine Gefühl und schafft es tief zu berühren.
Ich verzichte darauf auf die „Modernisierung“ mit all ihren
Änderungen näher einzugehen, da soll sich jeder seine eigene Meinung bilden. Zwar
trauere ich ein wenig um das Autodrom, doch ob die Todesengel nun schwarze
Haare haben oder nicht ist ziemlich egal. Die neuen Kostüme (Yan Tax) gefallen,
sie wirken frisch und lebendig. Bei den Projektionen hat man sich hie und da vielleicht
ein wenig zu viel einfallen lassen, einiges wirkt einfach nur aus dem Prinzip „modernisiert“,
dem Publikum etwas Neues zu bieten. Ein
Eismeer bei Rudolfs Selbstmord in Mayerling ist – auch wenn es seiner
Gefühlslage entspricht – doch etwas kurios. Die „größte“ Änderung ist
vielleicht die Integration von „Kein Kommen ohne Gehen“ nach Sisis Sturz in
Possenhofen. Ein schöner Song, der dem Tod die Chance gibt etwas „menschlicher“
zu wirken und auch diese Seite auszuspielen – leider war hier aber die Luft
draußen und weder Lied noch Stimmung hatten Raum sich zu entfalten, zumindest
gestern.
„Elisabeth“ ist trotzdem immer noch ein wirklich gutes Musical,
das vor allem durch die tolle Musik von Sylvester Levay besticht. Jetzt darf
man gespannt sein, was die Kritiker dazu sagen, wie sich die Inszenierung (Regie: Harry Kupfer) in
den nächsten Wochen weiterentwickelt und wie die Zweitbesetzungen in ihren
Rollen überzeugen. Besonders freue ich mich auf Riccardo Greco als Lucheni und
Dagmar Hellberg als Sophie, aber auch Oliver Arno und Rory Six als Tod könnten
interessant sein. - Elisabeth Vorpremiere auf Kultur-Channel
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