Mittwoch, 17. März 2010

Ich war noch niemals in New York

„Ich war noch niemals in New York“ war von Anfang an ein Grenzfall. Von den österreichischen Medien wurde es schon im Vorhinein in den Himmel gelobt, aber die meisten Musicalinteressierten haben das Heranrücken dieses Musicals eher mit Grauen verfolgt. Meine „Beziehung“ zu „IWNNINY“ ist auch sehr gespalten. Ich habe es bereits in Hamburg gesehen und ja, es war gute Unterhaltung und wenn man es das erste Mal sieht, dann ist es auch ganz lustig zu sehen, wie die Lieder in die Geschichte eingebaut wurden (bzw. umgekehrt). Wenn ein Hit angespielt wird, wird sogar das Wiener Publikum lebendiger und klatsch zumindest die ersten paar Takte begeistert mit. Im Prinzip ist das der größte Gag dieses Musicals.

Die Geschichte ist nicht sehr einfallsreich, aber sie funktioniert einigermaßen. Gabriel Baryllis Stücke schätze ich sehr, aber ehrlich gesagt hätte ich mir von ihm mehr erwartet, denn das Musical ist doch sehr flach. Die Witze oft langweilig und nicht sehr intelligent, vor allem bis zu dem Zeitpunkt, als die „Mannschaft“ endlich an Bord des Schiffes geht. Hier beginnt die Show zu leben, vorher eher tote Hose. Ein weiterer Kritikpunkt, es gibt eigentlich nur 2 (-3) Themen, die behandelt werden. Da wäre der Eltern-Kind-Konflikt, Erkennen was wirklich zählt im Leben und vielleicht noch die Beziehung von Fred und Costa. Diese Themen werden auch gut abgehandelt, keine Frage, aber bei einem richtig guten Musical erwarte ich mir mehr…

Ich war zuerst auch ein wenig dagegen, als ich gehört habe, dass „IWNNINY“ nach Wien kommt, aber immerhin ist die Musik von einem Österreicher und so hätte meiner Meinung nach das Musical auch hier zu Uraufführung kommen sollen. Was mich im Vorfeld wirklich wütend gemacht hat waren eher die Aussagen von Udo Jürgens, der mit „IWNNINY“ endlich ein “qualitätvolles“ Musicals nach Wien bringen wollte. Wo leben Sie, Herr Jürgens?! So etwas bringt mich wirklich auf die Palme…

Mittlerweile hat sich meine Meinung ein wenig geändert, denn ich denke mir, warum nicht? Warum kein Musical, das einmal nur unterhält und an dem vor allem die ältere Bevölkerung Spaß hat. Es sei ihnen vergönnt. Das Gehirn wird nicht zu sehr angestrengt, sie können ihre Jugend mit der Musik, die sie durchs Leben begleitet hat, noch einmal aufleben lassen und sie bekommen vielleicht wieder ein wenig Lebenswillen :) Wenn diese "Revue" nicht ewig im Raimund Theater zu sehen ist, habe ich im Moment nichts dagegen.

Unter anderem auch wegen der großartigen Darsteller. Die Leistung aller ist einfach grandios! Über die Qualität der Show muss man da gar nicht sprechen, denn bei den VBW hat alles ziemlich hohe Qualität auch wenn dieses Musical an sich nicht viel hergibt.

Ann Mandrella. Ich habe vergessen welch tolle Stimme und Ausstrahlung sie hat. Sie passt perfekt in die Rolle der Lisa Wartberg und es ist wirklich schön sie spielen zu sehen, auch zusammen mit Andreas Lichtenberger. Den Kerchak aus Hamburg konnte ich mir zuerst nicht sehr gut in der Rolle des Axel Staudach vorstellen, aber er hat mich gestern voll und ganz überzeugt. Man kauft ihm sowohl das Machogehabe als auch seine gefühlvolle Seite ab. Julian Fritz (bzw. 3 andere Buben) spielt Axels „coolen“ Sohn Florian. Er bringt frischen Wind in fade Szenen und ist sehr talentiert. „Mit 66 Jahren“, das entgegen der Erwartungen nicht von den älteren Herrschaften gesungen wird, ist sicher ein Highlight der Show. Großes Kompliment! :)

Obwohl das Stück bis zu den Schiff-Szenen nicht wirklich in Schwung kommt, die beiden „Alten“ überzeugen von Anfang an. Beide performen sehr ehrlich und mit Herz. Mich hat das Spiel von Hertha Schell und Peter Fröhlich berührt.

Ein bisschen anders bei Andreas Bieber und Gianni Meurer. Komischerweise brauchen die beiden ein bisschen mehr Zeit, um bei mir Sympathie zu erwecken. Andreas Bieber ist ein sehr guter Komödiant und auch diese Rolle liegt ihm, allerdings braucht er ein wenig um rein zu kommen…das kann aber vielleicht auch daran liegen, dass er einfach noch nicht genug eingespielt ist. Außerdem hat sein Charakter Probleme in die Gänge zu kommen, da am Anfang eher viel „Herumgetue“ ist. Nichtsdestotrotz geben Bieber und Meurer ein nettes Paar ab, bei dem auch die Chemie stimmt. Sie haben die Aufgabe sehr erfolgreiche Udo Jürgens-Hits zu performen und diese meistern sie sehr gut!

Das Ensemble ist ebenfalls großartig. Hervorheben möchte ich hier vor allem Sabine Mayer, die u.a. als Frau Grabsteindl eine sehr komische Performance abliefert. Köstlich!

Natürlich musste von der Hamburger Version einiges abgeändert werden. Erstens der Dialekt, vor allem „Otto Staudach“ und „Frau Grabsteindl“ sprechen sehr nett Wienerisch…ich fand es sehr angenehm einmal ein bisschen Dialekt auf der Musicalbühne zu hören und in diesem Musical passt er wirklich hin. Eine weitere Änderung, die ich gelungen finde ist, dass statt komischen Palmen Hochhäuser im Reisebüro erscheinen. In Hamburg habe ich mich wirklich gefragt was denn die Palmen hier verloren haben, aber wenigstens haben sie so das Lied „Zeig mir den Platz an der Sonne“ rechtfertigen können…Ich weiß nicht, ob es mir im Moment einfach nicht einfällt, aber mir kommt vor, dass dieser Song in der Wiener Fassung nicht performt wurde, obwohl er im Programmheft steht…da ich nächste Woche noch einmal gehe, werde ich darauf achten :)

Wie gesagt kommt die Geschichte relativ schwer in die Gänge und meiner Meinung nach hätte man am Anfang viel wegkürzen können u.a. die New York-Ensemblenummer. Es wird in dieser Szene fast ausschließlich getanzt - das ältere Pärchen erlebt vor dem geistigen Auge die Stadt New York - und bringt der Story gar nichts. Es geht nichts weiter und man hätte die Szene wirklich unter den Tisch fallen lassen können, so gut die Choreographie von Kim Duddy auch sein mag – wenngleich auch öfter mal etwas einfallslos.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es sich um leichte, aber durchaus auch gute Unterhaltung handelt. Als Abwechslung okay, aber bitte keine allzu lange Spielzeit. Was mir Freude bereitet hat war, dass man gesehen hat, wie viel Spaß die Darsteller beim Performen haben.

Zum Schluss ein paar kleine Anmerkungen/Gedankengänge...

1. Ich wünsche mir im Programmheft auch Informationen über die jüngeren Darsteller. Diese vier Buben haben das Recht mit ein paar Zeilen verewigt zu sein, zu „Mozart!“s Zeiten konnte man noch etwas über die Kinderdarsteller erfahren – keine Ahnung warum das nicht mehr gemacht wird. Ich finde es schade. (...über Julian Fritz ist hier etwas zu finden)

2. Man muss sich im Moment wirklich sehr konzentrieren, um das Raimund Theater nicht mit einem Schiff zu verwechseln, haben doch die VBW alles daran gelegt die „M.S. Austria“ so authentisch wie möglich rüberzubringen. Parkett und Ränge heißen „Decks“, Strandkörbe im Foyer sind nicht unüblich und das Buffet wurde zu "Captain’s Lounge". Meinetwegen - ich finde es ganz nett, aber übertrieben. Ein absolutes No-Go sind die „Uniformen“ der Platzanweiser und das ständige Gebimmel der Schiffsglocke…Matrosen im Zuschauerraum brauche ich nun wirklich nicht. Bin ich froh, dass ich keinen so peinlichen Kragen tragen muss :D Hier wurde wirklich ein wenig übertrieben - vieles wirkt eher lächerlich, als "einladend".

3. "IWNNINY" dauert mindestens so lange wie "Rudolf" (wenn nicht länger), aber sicher wird sich kein Mensch über die Länge beschweren...

4. Zwei Shows in den 2-VBW-Musical-Theatern, die vor allem Geld bringen, aber nicht wirklich innovativ sind, ist schade - zu hoffen ist nur, dass das erwirtschaftete Geld wieder in eine "gewagte" Produktion wie "Spring Awakening" fließt und Wien wieder einmal etwas Neues zu sehen bekommt. Ein Revival von "Elisabeth" käme an diesem Punkt wirklich einem Musical-Tod in Wien nahe...so sehr ich dieses Musical schätze, was ist mit neuen Stoffen und ein bisschen Broadway-Flair in Österreich?

Kommentare:

  1. Ich habe es noch nicht gesehen, habe noch keine Karten und werde wahrscheinlich auch noch länger keine Karten für dieses Stück haben. Anschauen will ich es mir auf jeden Fall, nur um es mal gesehen zu haben und mir meine eigene Meinung bilden zu können. Die Zeitungen sind ja völlig hingerissen von dem Stück... aber das heißt ja noch lange nichts! Ich lass mich überraschen!!

    lg, Tina

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  2. Verstehe ich. Sehr gut sogar.
    ...die österreichische Presse ist in puncto Musical zu vergessen, auch jetzt wieder. Traurig!

    Liebe Grüße,
    Julia

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  3. juhuu! ich schau mir das Musical wahrscheinlich im September in Hamburg an. Du bist sooo brav wie viel und detailiert du schreibst! Hut ab!!!

    Hast du zufällig vl irgendwelche Tipps für NYC?! Bin im Juli dort und würd soo gern ein Musical anschaun. 42nd street, hairspray, könig der löwen, tanz der vampire, mamma mia und schöne und das biest hab ich alles schon gesehn :)

    xox

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  4. Danke :)

    Ich will auch wieder nach NYC...Tipps hab ich so einige..

    Eines meiner Lieblingsmusicals ist "Billy Elliot".
    Wenn du Spaß haben möchtest und gerne Rock-Musik hörst, dann ist "Rock Of Ages" super.
    "Jersey Boys", "Next to Normal" sind auch fantastisch!
    ...oder auch "Promises, Promises" mit Kristin Chenoweth und Sean Hayes - hat erst Premiere, ist aber sicher gut! :)

    Es gibt unendlich viel zu sehen, ich hoffe ich schaffs noch vor Jahresende hin...

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  5. dankee :) billy elliot gibts auch einen film, oder?

    hab mir mal alle notiert und werd dann vor ort spontan entscheiden! überraschungen sind eh am besten!!

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  6. Ja, ein sehr guter Film sogar :)

    Ich würd auch spontan entscheiden, je nach Stimmung... ;)

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